Fläche
45.100 km2
Hauptstadt
Tallinn (404.000 Einw.)
Währung
1 Estnische Krone = 100 Senti
Staatsform
Parlamentarische Republik
Parlament
Staatsversammlung mit 101 auf drei Jahre gewählten Abgeordneten
Religion
Protestantisch, Estonisch- und Russisch-Orthodox
Einwohner
1,3 Mio.
Sprachen
Estnisch, Russisch
Gliederung
15 Bezirke
Staatsoberhaupt
Präsident
Nationalfeiertag
24. Februar
Nationalitäten/Ethnien
Esten 65%, Russen 28%, sonstige 7%
Internet www.riik.ee/en
Geschichte
Estland wurde ab dem 12. Jh. von Deutschen und Dänen unterworfen und christianisiert. Seit Mitte des 16. Jh. unter schwedischer Herrschaft, blieb der Norden des Landes nach dem Livländischen Krieg ein Landesteil Schwedens, der Süden wurde Polen zugeschlagen. 1721 geriet Estland nach dem Nordischen Krieg, den Schweden verloren hatte, gemeinsam mit Livland durch den Frieden von Nystad unter russische Herrschaft. Unter dem zaristischen Regime, das immerhin bis zur russischen Oktoberrevolution dauerte, durfte nicht einmal die estnische Sprache gesprochen werden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Estland ebenso wie die beiden anderen baltischen Staaten unabhängig. Einen Einmarsch der Roten Armee konnte Estland 1919 mit Unterstützung von deutsch-baltischen Truppen abwehren. Im Frieden von Dorpat 1920 war die Sowjetunion bereit, die Unabhängigkeit des Landes anzuerkennen.
Das unabhängige Estland nach dem Ersten Weltkrieg gab sich eine parlamentarische Verfassung, in einer umfassenden Agrarreform wurde die Vormachtstellung des Grund besitzenden deutschen Adels beseitigt. In den dreißiger Jahren driftete Estland wie so viele europäische Staaten in eine autoritäre Regierungsform ab.
Lange konnte Estland sich aber nicht seiner Unabhängigkeit erfreuen, denn auf Grund des deutsch-russischen Abkommens (Hitler-Stalin-Pakt) von 1939 gehörte es zum sowjetischen Interessengebiet und wurde daher 1940 von der Roten Armee besetzt. Ein Jahr später folgte die Besetzung durch die deutsche Wehrmacht, die das Land bis zum Einmarsch der Sowjets in ihren Händen behielt. Danach wurde Estland eine sowjetische Teilrepublik. Nach der Wende in Osteuropa erklärte sich Estland für unabhängig. 1991 schloss es sich mit Lettland und Litauen zum Baltischen Rat zusammen, eine Kooperation, die von den drei baltischen Staaten bereits 1934 in Genf lanciert worden war.
Politisches System
Gemeinsam strebten die drei Staaten nach der Wende die NATO-Mitgliedschaft an. Auch die Mitgliedschaft in der EU stand auf der außenpolitischen Wunschliste ganz oben, 1995 stellte Estland den offiziellen Antrag. 2003 stimmten 67% der Bewohner für einen EU-Beitritt. Den Grundsatz der Kooperation wahrte Estland dabei im Verhältnis zu den anderen skandinavischen Staaten. Estland profilierte sich als aktiver UN-Partner durch Teilnahme an friedenserhaltenden Operationen bzw. innerhalb der NATO bei PfP (Partnership for Peace). So entsandte Estland Kontingente in den Kosovo (KFOR), nach Bosnien (SFOR) und Afghanistan (ISAF), ebenso in den Irak. Die Bevölkerung unterstützt dieses Engagement im Bereich von UNO und NATO nachdrücklich. Auch politisch gehört Estland zu den innovativsten Ländern, in Estland besteht bereits die Möglichkeit, das Wahlrecht via Internet auszuüben.
Wirtschaft
Estland gehört zu den am schnellsten wachsenden Märkten Europas, der baltische Raum ist immerhin ein Markt von 90 Mio. Einwohnern. Ein begünstigender Umstand ist die Flat tax, sowie eine generelle Einkommensteuer von 23%. Der Wirtschaftsboom resultiert aus einem rasch wachsenden Telekommunikationssektor und aus Einkünften aus dem steigenden Transitverkehr. 80% des estnischen Handels geht in die EU-Staaten, Haupthandelspartner sind Finnland, Schweden und Deutschland. Inzwischen ist das Land auch ein attraktiver Investmentplatz. Seinerzeit verstaatlichte Industriezweige wurden privatisiert, wie etwa die gesamte Infrastruktur, also Flughafen, Seehäfen, Telefon, Strom. Unmittelbar nach der Unabhängigkeit von Russland war Estland sehr von russischen Energieimporten abhängig. Trotzdem wurde der Rubel 1992 abgeschafft, die estnische Währung orientiert sich inzwischen am Euro.
Fläche
338.145 km2
Hauptstadt
Helsinki (525.000 Einw.)
Währung
1 Euro = 100 Cent
Staatsform
Parlamentarische Republik
Parlament
Reichstag mit 200 für vier Jahre gewählten Abgeordneten
Religion
Christen 89%, Konfessionslose 9%, sonstige 2%
Einwohner
5,3 Mio.
Sprachen
Finnisch, Schwedisch
Gliederung
5 Provinzen und Åland-Inseln
Staatsoberhaupt
Präsident
Nationalfeiertag
6. Dezember
Nationalitäten/Ethnien
Finnen 93%, Schweden 5%, sonstige 2%
Internet www.virtual.finland.fi
Geschichte
Finnland stand ab der Mitte des 12. Jh. unter schwedischer Oberhoheit, nachdem zuvor schwedische Mönche das Land christianisiert hatten. Nach dem schwedisch-russischen Krieg von 1809 ging das Land in russischen Besitz über, es wurde ein autonomes Großfürstentum im Rahmen des Zarenreiches. Die Oktoberrevolution von 1917 läutete auch für Finnland den Weg in die Unabhängigkeit ein, 1919 erklärte sich das Land für selbstständig. Schon 1918 hatte Finnland mit dem Deutschen Reich einen Sonderfrieden geschlossen. Im Juni 1918 kam es unter dem Eindruck der russischen Revolution auch in Finnland zu Aufständen, die jedoch von General Carl Gustav Mannerheim mit Hilfe deutscher Truppen niedergeschlagen wurden. Im Frieden von Dorpat 1920 erhielt Finnland den Hafen von Petsamo zugesprochen. Damit hat es einen Zugang zum Eismeer. Doch nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges versuchte Russland wieder, Finnland durch Gebietsansprüche unter seine Kontrolle zu bringen. 1939 und 1940 führte Finnland höchst erfolgreich für so eine schwache Militärmacht den Winterkrieg gegen die Sowjetunion, im Anschluss daran kämpfte es auf deutscher Seite gegen Russland bis 1944. Die Niederlage in diesem Krieg wurde durch den Pariser Friedensvertrag mit Russland im Jahr 1947 besiegelt: Finnland musste sich auf einen neutralen Status mit einem speziellen Nachbarschaftsverhältnis (Abschluss eines Beistands- und Freundschaftsvertrages 1948, 1955 um 20 Jahre verlängert) zur Sowjetunion verstehen und dorthin 300 Mio. Dollar Reparationen leisten. Außerdem gingen Karelien und das an Nickelvorkommen reiche Gebiet um Petsamo an die Sowjetunion.
Politisches System
Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Finnland der UNO bei, wurde Mitglied des Nordischen Rates, gehörte zunächst wegen seiner Neutralität ab 1951 zur EFTA, seit 1995 ist Finnland Mitglied der Europäischen Union. Nach der Wende in Osteuropa erklärte Finnland seine von Russland diktierte Neutralität für nicht mehr zeitgemäß, es gehört aber keinem Militärbündnis an. Oftmals beteiligte sich Finnland an friedenserhaltenden Operationen der UNO oder an PfP (Partnership for Peace)-Programmen der NATO.
Finnlands Präsident wird für sechs Jahre gewählt, auf Grund der Verfassung stehen ihm oder ihr auch Exekutivrechte zu. Außerdem verfügt er über eine Richtlinienkompetenz in der Außenpolitik. 2000 wurde erstmals eine Frau, nämlich Tarja Halonen zur Präsidentin gewählt, 2006 wurde sie im Amt bestätigt.
Die Finnland im Westen vorgelagerten Ålandsinseln – sie wurden Finnland 1921 durch den Völkerbund zugesprochen – sind ein autonomes Gebiet.
Wirtschaft
Da ein Viertel des Landes nördlich des Polarkreises liegt, sind die Winter extrem kalt, die Sommer können sehr warm werden. Im Winter sind mehr als 50 Tage ohne Sonne, im Sommer geht 73 Tage lang die Sonne nicht unter. Die extreme nördliche Lage und die geographischen Verhältnisse sind auch für die geringe Bevölkerungsdichte von nur 15 Personen pro Quadratkilometer verantwortlich. Zwei Drittel der finnischen Bevölkerung leben in urbanen Räumen. Finnland ist zu drei Viertel von Wald bedeckt und hat etwa 190.000 Seen und fast ebenso viele Inseln. Die Holzwirtschaft spielte eine bedeutsame Rolle, sie ist auch Grundlage eines wichtigen Industriezweiges.
Im letzten Jahrzehnt baute Finnland eine florierende Elektronikindustrie auf, die gemeinsam mit der Metall verarbeitenden Industrie 60% des Exportes ausmacht. Finnland ist eines der führenden europäischen Länder, was die Nutzung des Internets betrifft, inzwischen gibt es mehr mobile Telefone als Festnetzanschlüsse.
Fläche
543.965 km2
Hauptstadt
Paris (9,3 Mio. Einw.)
Währung
1 Euro = 100 Cent
Staatsform
Parlamentarische Republik
Parlament
Senat mit 321 Abgeordneten und Nationalversammlung mit 577 auf fünf Jahre gewählten Abgeordneten
Religion
Christen (77,7%), Muslime (4,5%), sonstige (17,8%)
Einwohner
60,5 Mio.
Sprachen
Französiisch
Gliederung
22 Regionen
Staatsoberhaupt
Staatspräsident
Nationalfeiertag
14. Juli
Nationalitäten/Ethnien
Franzosen (93,6%), Algerier (1,1%), sonstige (5,3%)
Internet www.www.gouverfnement.gouv.fr
Geschichte
Frankreich, schon in früher Zeit von Kelten bewohnt, wurde großteils im ersten vorchristlichen Jahrhundert von den Römern erobert. Zuvor hatten sich schon griechische Siedlungen an der Mittelmeerküste befunden, etwa Marseille. Diese Mittelmeerküste wurde als erstes eine römische Provinz, der heutige Name Provence erinnert noch an das lateinische »provincia«. Obwohl die Kelten den Römern unter dem Kommando von Julius Caesar erbitterten Widerstand entgegensetzten, wurden sie unterworfen. Gallien blieb römische Provinz bis zum Untergang des Römischen Reiches. In Gallien fand die entscheidende Schlacht gegen die Hunnen statt. Über Gallien zogen auch einige Stämme der Völkerwanderung Richtung Spanien hinweg. Die erste einheimische Herrscherfamilie waren die Merowinger, die von den Karolingern abgelöst wurden. In dieser Zeit weitete sich das Reich Richtung Westen und Süden bis nach Oberitalien aus. Mit der Reichsteilung 843 entstand des Westfränkische Reich, das ab 987 von den Kapetingern regiert wurde. Mitte des 13. Jh. wurde das Land in eine Erbmonarchie umgewandelt. Von der Mitte des 14. bis zur Mitte des 15. Jh. kämpfte Frankreich im Hundertjährigen Krieg mit England um seinen territorialen Bestand, da die Briten nach dem Aussterben der Kapetinger und der Inthronisation der Nebenlinie der Valois Ansprüche auf französisches Territorium erhoben. Den Engländern verblieb aber letztlich nur ein Stützpunkt in Calais. Schon zu dieser Zeit bildete sich in Frankreich, auch dank des Einsatzes von Jeanne d’Arc, ein ausgeprägtes Nationalgefühl heraus. Das 15. und 16. Jh. wurden durch den stetigen Konflikt mit den Habsburgern um die Vormachtstellung in Italien geprägt. Um die Mitte des 16. Jh. hielt die Reformation in Frankreich Einzug. Sie wurde Anlass für die blutigen Hugenottenkriege (Bartholomäusnacht 1572), die erst mit dem Edikt von Nantes 1598 beendet wurden. Am Dreißigjährigen Krieg beteiligte sich Frankreich nicht mit eigenen Truppen und vermied, dass das Land Kriegsgebiet wurde. Kardinal Richelieu, der mächtige Kanzler König Ludwigs XIII., unterstützte lediglich die habsburgischen Gegner mit Subventionszahlungen. Die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts brachte Frankreich den Absolutismus Ludwigs XIV., aber auch einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung durch den Merkantilismus eines Jean-Baptiste Colbert. Er ermöglichte den Aufbau einer bedeutenden Landarmee und den Bau einer großen Flotte, mit der Frankreich überseeische Kolonien erwarb. Der »Sonnenkönig« Ludwig XIV. erweiterte kontinuierlich die Grenzen des Landes nach Norden und Osten. Allein das luxuriöse Hofleben und die exorbitanten Ausgaben für die Eroberungskriege zerrütteten die Finanzen wieder. Als Frankreich wegen der spanischen Erbfolge einen Krieg mit den Habsburgern und den mit diesen verbündeten Briten vom Zaun brach, setzte der Niedergang der französischen Großmacht ein. Unter den Nachfolgern Ludwigs XIV. kam es zu einem radikalen Machtverfall der Krone, die wirtschaftliche Situation des Landes wurde immer schwieriger. Die Staatsfinanzen standen vor dem Zusammenbruch. Frankreich verlor etwa im Siebenjährigen Krieg seinen transatlantischen Kolonialbesitz an die Briten. So nimmt es nicht Wunder, dass diese Misswirtschaft zum Ausbruch der Französischen Revolution führte, die das »ancien regime« hinwegfegte. Durch die Revolution erhielt Frankreich und bald darauf Europa ein neues Gesicht, Staat und Gesellschaft wurden durch die Revolutionsgrundsätze (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) auf neue Grundlagen gestellt. Doch die Schreckensherrschaft der extremen Revolutionäre wurde bald durch eine bürgerliche Regierung beseitigt, die als Steigbügelhalter für einen militärisch und politisch hochbegabten Aufsteiger diente: Napoleon Bonaparte. In beispiellosen Kriegszügen unterwarf er in eineinhalb Jahrzehnten fast ganz Europa und ordnete es der französischen Hegemonie unter. Doch eine Koalition aus allen besiegten Staaten beendete den Siegeslauf Napoleons, in den einzelnen Ländern hatten sich in den Befreiungskriegen nationale Bewegungen gebildet. Der Wiener Kongress von 1814/15 stellte im Großen und Ganzen die Vorkriegssituation in Europa wieder her. Mit der Rückkehr der Bourbonen wurde Frankreich eine konstitutionelle Monarchie, die nach der Revolution von 1830 von sozialen Unruhen durch die wachsende Industrialisierung geschüttelt wurde. Forderungen nach Bürgerrechten und Bürgerbeteiligung führten 1848 zur Entstehung der Zweiten Republik, die jedoch nur bis 1851 Bestand hatte, da der als Präsident bestellte Neffe Napoleons in einem Staatstreich aus Frankreich wieder ein Kaiserreich machte. Seine Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 führte zur Proklamation der Dritten Republik. Diese positionierte Frankreich gemeinsam mit Großbritannien eindeutig gegen das expansive Deutsche Kaiserreich (Entente). Der Erste Weltkrieg, der zu einem großen Teil auf französischem Boden ausgetragen wurde, brachte Frankreich wieder das 1871 verlorene Elsass zurück. Die Pariser Friedensverträge machten die dominierende Rolle Frankreichs auf dem Kontinent deutlich. Doch der Konflikt mit der der Weimarer Republik und dem nachfolgenden nationalsozialistischen Deutschland blieb virulent. Dem deutschen Angriff im Zweiten Weltkrieg erlag Frankreich schon nach wenigen Monaten. Nach dem Waffenstillstand wurde die Regierung Petain/Laval gebildet, die in Vichy ihren Sitz hatte und mit den Deutschen kollaborierte. Gleichzeitig erhob sich im Land eine intensive Widerstandsbewegung (Resistance), in London wurde unter General Charles de Gaulle eine Exilregierung (Komitee für nationale Befreiung) gebildet. Nach der Landung der alliierten Truppen und der Rückeroberung Frankreichs marschierten die Alliierten im August 1944 in Paris ein, an der Spitze General De Gaulle, der dann bis Januar 1946 die provisorische Regierung übernahm. Marschall Petain und Laval wurden zum Tode verurteilt, ersterer zu lebenslänglich begnadigt, letzterer hingerichtet. 1946 erhielt Frankreich eine neue Verfassung (IV. Republik). Die folgenden Jahre waren von schweren und ständigen Krisen gekennzeichnet, sowohl im Inland als auch in den Kolonien. Nach der Niederlage im Indochinakrieg (1954) sah sich Frankreich genötigt, auch sein Verhältnis zu den überseeischen Provinzen (Outre Mer) zu klären. 1960 wurde aus den noch verbliebenen Kolonien und dem Mutterland die Französische Gemeinschaft, die die meisten afrikanischen Besitzungen wohl bis etwa 1960 in die Unabhängigkeit entließ, aber weiterhin sowohl wirtschaftlich als auch kulturell in den neuen Staaten einen großen Einfluss ausübte. Wegen der zahlreichen innenpolitischen Krisen infolge der vielfach zersplitterten Parteienlandschaft war 1958 wieder De Gaulle an die Macht geholt worden, der Frankreich eine neue Verfassung und auch neue außenpolitische Konzepte verordnete. Die Verfassung der V. Republik, die mehr politische Macht dem Amt des Staatspräsidenten zuteilte, ist heute noch in Kraft. De Gaulle versuchte angesichts des Kalten Krieges, Frankreich aus dem West-Ost-Konflikt herauszuhalten. Er sprach von einem Europa der Staaten. So stieg Frankreich, das zu den Gründungsmitgliedern der NATO – wie auch der UNO, des Europarates, der OECD und der Montanunion – gehörte, aus der militärischen Sektion der NATO aus. De Gaulle intensivierte nicht nur dank seiner Freundschaft mit Konrad Adenauer die Beziehungen zu Deutschland (dt. franz. Freundschaftsvertrag 1963), sondern auch zu den sowjetischen Satellitenstaaten und zum kommunistischen China. Eine rege dementsprechende Reisediplomatie De Gaulles diente dieser Idee, die grundsätzlich das seinerzeit von den Deutschen besiegte Frankreich wieder zu einer europäischen Großmacht machen wollte. Auch die Konsolidierung des französischen Kolonialbesitzes wie die Aufgabe Algeriens mit dem Vertrag von Evian 1962 ist im Rahmen dieses Konzepts zu sehen, ebenso der Aufbau der französischen Atommacht (force de frappe) als ein Teil der Strategie, Frankreich von den beiden Blöcken der Weltmächte Sowjetunion und USA unabhängiger zu machen und De Gaulles Konzept eines Europa der Staaten zu befördern. Innenpolitisch gelang es De Gaulle, Frankreich zu stabilisieren und die Inflation wirksam zu bekämpfen. Doch die wirtschaftlichen und sozialen Probleme wurden größer, der Unmut der Jugend entlud sich in den Maiunruhen von 1968, die De Gaulle zum Rücktritt zwangen.
Politisches System
Frankreich ist ein zentralistisch organisierter Einheitsstaat. Die derzeit gültige Verfassung der Fünften Republik stammt aus dem Jahre 1958. Der Staatspräsident, der für fünf Jahre gewählt wird, verfügt über wesentlich mehr Befugnisse als andere europäische Präsidenten. Die Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein dichtes soziales Netz geknüpft, an dem sich der Staat zu 16%, der Arbeitnehmer zu 20% und der Arbeitgeber zu 60% beteiligen.
Noch immer hat Frankreich kolonialen Besitz, und zwar Französisch-Guayana, Französisch-Polynesien, Guadeloupe und Martinique, die Inseln Mayotte und Neukaledonien, sowie Réunion, St. Pierre und Miquelon, Wallis und Futuna. Die Pariser Zentralregierung sieht sich mit Forderungen von einigen Minderheiten nach mehr Autonomie konfrontiert, es sind dies die Bretonen, die Basken, die Katalanen, die Korsen, die Elsässer und die Flamen. Ein großer Unsicherheitsfaktor für die Zukunft ist jedoch die rasch anwachsende Gruppe der oft unterprivilegierten Einwanderer aus den früheren Kolonien, insbesondere aus dem Maghreb und aus Schwarzafrika.
Der Großraum von Paris stellt bevölkerungspolitisch eine Mega-City dar.
Wirtschaft
Frankreich ist ein rohstoffarmes Land, die in der Vergangenheit sehr wichtigen Kohlevorkommen im Zentralmassiv und im Norden um Cambrai und in Lothringen sind ziemlich ausgebeutet, die Förderung ist rückläufig. Gleiches gilt für das lothringische Eisenerz. Die geringen Ölvorkommen bei Orléans decken nur 1% des Inlandsbedarfes. Die Erdgasvorräte in den Pyrenäen sind demnächst ausgebeutet. Von Bedeutung sind die Bauxitvorkommen in Lex Baux – das Erz trägt seinen Namen nach diesem Fundort – und die Gewinnung von Meersalz in der Camargue und im Mündungsgebiet der Loire. Von größter Bedeutung sind die Nickelvorkommen in Neukaledonien, sie machen ein Drittel der Weltreserven aus.
Nach wie vor von großer Bedeutung ist die Landwirtschaft, 60% der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Damit ist Frankreich größter Produzent innerhalb der EU. Bei Wein ist Frankreich der größte Erzeuger der Welt. Energiepolitisch setzt Frankreich auf Atomenergie, um die Abhängigkeit von Erdöleinfuhren zu vermindern. 80% der benötigten Energie werden in Atomkraftwerken erzeugt. Auto- und Stahlindustrie zählen zu den Schlüsselindustrien des Landes. Auch die chemisch-pharmazeutische Industrie ist von großer Bedeutung. Noch immer wachsend ist der Bereich des Tourismus, 2003 hatte Frankreich mit 75 Mio. Touristen den größten Touristenstrom der Welt.
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