Fläche
244.100 km2
Hauptstadt
London (7 Mio. Einw.)
Währung
Pfund Sterling
Staatsform
Parlamentarische Monarchie
Parlament
Oberhaus mit 705 Mitgliedern, Unterhaus mit 646 gewählten Mitgliedern
Religion
Anglikaner (30%), Katholiken (21%), Presbyterianer (14%), Muslime (11%), sonstige (24%9
Einwohner
59,7 Mio.
Sprachen
Englisch, Walisisch, Gälisch
Gliederung
54 Counties, 26 Distrikte, 12 Regionen
Staatsoberhaupt
König/Königin
Nationalfeiertag
Offizieller Geburtstag des Monarchen
Nationalitäten/Ethnien
Engländer (81,5%), Schotten (9,6%), Iren (2,4%), Waliser (1,9%), Nordiren (1,8%), Inder, Pakistaner und sonstige (2,8%)
Internet www.open.gov.uk
Geschichte
In den vorchristlichen Jahrhunderten von Kelten besiedelt, wurde England durch Eroberungszüge Julius Caesars (55 und 54 v. Chr.) und seiner Nachfolger bis 43 n. Chr. dem Römischen Imperium eingegliedert. Nach dem Ende des Römischen Reiches eroberten die Angelsachsen das Land. Entscheidend für das weitere Schicksal des Landes wurde der Sieg der aus Frankreich kommenden Normannen in der Schlacht bei Hastings. Ihr Anführer Wilhelm I. ließ sich in Westminister zum König krönen und baute einen gut organisierten Staat auf. Nach dem Aussterben der Normannen 1135 übernahm das Haus Anjou-Plantagenet mit Heinrich II. die Regierungsgewalt. Er eroberte Irland und zwang Wales und Schottland seine Herrschaft anzuerkennen. Durch Erbschaft fielen ihm auch Teile Westfrankreichs zu. Unter seinen Söhnen Richard und Johann ohne Land brachen Konflikte wegen der französischen Erbschaft aus, die nur mit militärischem und damit finanziellem Einsatz erhalten werden konnte. Dies führte zur Opposition der Barone, die vom König 1215 die Magna Charta Libertatum einforderten, eine Bestätigung ihrer Freiheiten und Rechte. Unter Heinrich III. wurde das Parlament geschaffen, das eine Schlüsselstellung in der Vermittlung zwischen Krone und Baronen einnahm. 1360 erfolgte die Trennung in House of Lords und House of Commons, das Parlament erhielt ein zwingendes Mitspracherecht bei wesentlichen finanziellen Fragen. Im 14. Jh. führten die Briten einen erfolglosen Kampf um das französische Erbe nach dem Aussterben der Kapetinger. England behielt nur Calais. In der Folge kämpften zwei Adelsfamilien, nämlich Lancaster und York um die britische Krone. Den Streit entschied Heinrich Tudor, der als Heinrich VII. den Thron bestieg. Unter seinem Sohn Heinrich VIII. löste sich Großbritannien von der römischen Kirche. Unter Heinrichs Tochter Elisabeth wurde konsequent die Kirchenreform weitergeführt, was das Land in schwere Gegensätze zu Spanien brachte. Die Hinrichtung der katholischen Maria Stuart tat ein Übriges, um den Konflikt zu verschärfen. 1588 entsandte Spanien seine Armada gegen Britannien, doch diese unterlag den Briten. Elisabeth förderte den Ausbau des englischen Handels und der Flotte. Als sie ohne Erben starb, wurden England und Schottland unter dem Hause Stuart in Personalunion vereint. Unter Jakob I. begann die Besiedlung Nordamerikas. Karl I. geriet in Konflikt mit dem Parlament wegen seiner Kirchenpolitik und wurde 1649 enthauptet. Der Führer des Parlamentsheeres Oliver Cromwell regierte in der Folge mit dem Titel Lord Protector das Land diktatorisch. Förderlich war aber sein Ausbau der britischen Flotte. Nach seinem Tod und einer kurzen katholischen Restauration holten die Protestanten Wilhelm von Oranien als neuen Herrscher. Nach dieser Glorreichen Revolution unterzeichnete der König die Bill of Rights, die die Machtansprüche des protestantischen Adels bestätigte. Nach dem Hause Oranien gelangte das Haus Hannover auf den Thron. Das Großbritannien des 18. Jh. war ständig in See- und Kolonialkriege verwickelt, vor allem mit Frankreich, aus denen es neben dem Gewinn von Kanada als überlegene Seemacht hervorging. Unter König Georg III. ging nach dem Unabhängigkeitskrieg der nordamerikanische Kolonialbesitz außer Kanada verloren. In den Napoleonischen Kriegen stellte sich Großbritannien gegen Frankreich und festigte am Wiener Kongress seine weltpolitische Stellung. Das 19. Jh. war geprägt durch die Ausweitung des britischen Kolonialreiches, vor allem in Afrika. Angesichts deutscher Großmachtpläne schloss Großbritannien 1904 mit Frankreich die Entente cordiale. Als Siegermacht ging es aus dem Ersten Weltkrieg hervor, vermochte aber nicht durch seine Appeasementpolitik den Zweiten Weltkrieg zu verhindern. Wohl wieder auf der Seite der Sieger, sah sich das Land mit schweren finanziellen Problemen wegen der hohen Verschuldung konfrontiert. Sofort nach dem Krieg begann auch der Ablösungsprozess der Kolonien. 1947 wurde Indien selbstständig, in den fünfziger und sechziger Jahren die Besitzungen in Ostasien und in Afrika.
Politisches System
Großbritannien, d.h. Großbritannien und Nordirland, ist eine parlamentarische Erbmonarchie ohne Verfassung. Lediglich eine Reihe verschiedener Verfassungsgesetze, beginnend mit der Magna Charta des Jahres 1215, regelt das Staatswesen. Der König bzw. die Königin ist gleichzeitig Oberhaupt der Anglikanischen Kirche. Die Volksvertretung besteht aus House of Lords und House of Commons. Traditionellerweise gibt es in England drei größere Parteien, Die Konservativen, die Labour Party und die Liberalen. Andere Parteien spielen kaum eine Rolle. Großen Einfluss auf das politische Geschehen haben die sehr mächtigen Gewerkschaften (Trade Unions). Großbritannien ist UN- und NATO-Gründungsmitglied, es lehnte seinerzeit die Montanunion und die EWG ab. Erste Verhandlungen mit den Europäern scheiterten anfangs am französischen Veto. Inzwischen Mitglied der EU lehnt Großbritannien den Euro jedoch ab.
Zum United Kingdom gehören noch die Kanalinseln und die Insel Man, die eine autonome Verwaltung haben. Außerdem verfügt Großbritannien noch über Streubesitz an Kolonien und zwar Bermudas, Britisch Honduras, die Cayman-Islands, Falkland-Inseln, Gibraltar, Gilbert- und Ellice-Inseln, Kamaran, Leeward-Inseln, Perim, Pitcairn, St. Helena, Turks- und Caicos-Inseln und Windward-Inseln. Dazu kommen Teile der Antarktis und die mit Frankreich gemeinsam verwalteten Neue-Hebriden.
Kürzlich erfolgte im Unterhaus eine Abstimmung mit deutlicher Mehrheit für eine Änderung der Rekrutierung der Mitglieder des House of Lords. Die bisher ernannten Mitglieder bzw. solche, die die Mitgliedschaft ererbt haben, sollen Zukunft gewählt werden, und zwar zumindest zu 80%. Noch ist diese Abstimmung für die Regierung nicht bindend, es ist auch nicht anzunehmen, dass das Oberhaus diesem Vorschlag ohne weiteres zustimmen wird.
Die Situation in Nordirland, das seit der Unabhängigkeit der Republik Irland 1921 ein Teil des britischen Königreiches geblieben war, verschlechterte sich dramatisch in den siebziger Jahren. Die katholische Sinn Fein-Bewegung wurde immer stärker, das Massaker von 1972 in der Stadt Derry, bei dem katholische Zivilisten von Armeeeinheiten im Zuge einer Demonstration erschossen wurden, ließ den Bürgerkrieg eskalieren. Anschläge der IRA forderten hunderte Menschenleben, das Vorgehen der Polizei und der protestantischen Milizen gegen die Katholiken wurde immer grausamer. 1998 endlich kam es zum sog. »Karfreitagsabkommen«, einer Friedensvereinbarung zwischen Großbritannien, Irland und den nordirischen Konfliktparteien. 2001 begann die IRA ihre Entwaffnung. Am 7. März 2007 durften die Nordiren nach fünf Jahren wieder eine Volksvertretung wählen. Damit sollten die Voraussetzungen für eine gemeinsame katholisch-protestantische Regierung, die das Land selbst verwaltet, geschaffen werden. Dank der Vermittlung der Londoner Regierung und der Republik Irland haben sich die beiden verfeindeten Parteien, vertreten durch Ian Paisley (Protestanten) und Gerry Adams (Katholiken) auf eine gemeinsame Regierung geeinigt. 1998 gab es bereits eine gemeinsame Regierung, sie zerbrach aber 2002 wegen IRA-Spionage im Kabinett.
So erfreulich die Lösung des Nordirland-Konflikts für die Blair-Administration ist, so schwierig kann noch für seinen Nachfolger die Auseinandersetzung mit den schottischen Separatisten werden. Denn bei den Regionalwahlen in Schottland errangen im Mai 2007 die schottischen Separatisten, die im Wege eines Referendums die Unabhängigkeit für Schottland verlangen, die Mehrheit in der Volksvertretung. Schottland besitzt seit 1997 bereits eine vermehrte Autonomie, allerdings wird über Budget und Steuern noch in London entschieden. Das United Kingdom ist ja erst nach und nach entstanden, 1536 wurde Wales mit England vereint, 1707 kam Schottland dazu, Irland erst 1800, wobei Südirland, die heutige Republik Irland, 1921 aus dem Verband wieder ausschied.
Wirtschaft
Nach einer Schwächeperiode in den neunziger Jahren geht es derzeit mit der britischen Wirtschaft wieder aufwärts. Nach der konservativen Regierung Margret Thatchers, die auf Privatisierung, Schließung des unrentablen Bergbaus, Reduzierung des Sozialstaates und neoliberale Wirtschaftspolitik setzte, änderte die Labour-Regierung Tony Blairs nur geringe Akzente dieses Wirtschaftsprogramms. Jedenfalls wurde die Reprivatisierung der in den sechziger Jahren verstaatlichten Unternehmungen fortgesetzt.
Reich ist Großbritannien an Energieträgern, sowohl Kohle, als auch Erdöl und Erdgas sind vorhanden. Doch nicht immer ist der Abbau profitabel, in den 60er Jahren wurden zahlreiche Kohlegruben stillgelegt. Seit 1975 wird in der Nordsee Erdöl gefördert, sowohl bei Erdöl als auch bei Erdgas kann Großbritannien den Eigenbedarf decken.
Die britische Industrie konzentriert sich vor allem auf Zentralengland, besonders den Raum London. Traditionelle Industriezweige erlebten in den vergangenen Jahrzehnten beträchtliche Einbußen wegen veralteter Organisationsstrukturen und technologischer Unzulänglichkeit. Geschrumpft sind die Stahl-, die Schiffbau- und die Metallindustrie. Auch der Fahrzeug- und Maschinenbau verlor kontinuierlich an Arbeitsplätzen. Am schwersten davon betroffen waren Schottland und Nordirland. In Südwales dagegen erlebte die Unterhaltungselektronik einen Aufschwung. Computer- und Biotechnologie sind vorwiegend im Westen Londons und in Schottland (»Silicon Glen«) angesiedelt.
Einen großen Zuwachs erlebte der Dienstleistungssektor, der bereits drei Viertel aller Beschäftigten Arbeit gibt. London gehört inzwischen neben New York und Tokio zu den wichtigsten Finanzzentren der Welt, mehr als 500 ausländische Banken haben einen Sitz in der britischen Hauptstadt. Ähnliches gilt für die Versicherungsbranche. Ein boomender Markt ist auch der Tourismus, etwa 25 Mio. Touristen besuchen jährlich Großbritannien. Als wirtschaftlicher Flop erwies sich bis jetzt eines der größten Verkehrsprojekte, nämlich der Tunnel unter dem Ärmelkanal, der mit Hochleistungszügen London mit den Hauptstädten des Kontinents verbindet.
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