Читать книгу «Joana - deutsch» онлайн полностью📖 — Kh Beyer — MyBook.
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"Wir fahren nach Berlin und versuchen dort unser Glück." Ich denke, auf die Provinz haben sie die Unfähigsten geschickt.

Unsere Nachbarin Julia, die in der Brauerei arbeitet, möchte uns den Trabi abkaufen. Ein anderes Auto kann sie nicht fahren, sagt sie. Sie bietet uns sieben tausend Westmark. Das waren praktisch vierzehntausend Mark. Wir werden uns schnell einig. Das Auto ist jetzt weg. Wir sind Fußgänger. Zu der Zeit scheint das ein Nachteil zu sein.

Just an dem Tag ruft mich meine Mutter an und sagt, sie hätte jetzt ein Westauto. Der Wartburg von ihr ist jetzt frei. Die Freude ist groß. Wir brauchen jetzt dringend ein Auto. Ein Auto, Westgeld und schon kann der Kampf um eine Gaststätte beginnen. Wir treten jetzt gegen Mitbieter an, die ihre eigenen Bürger im Westen schon anständig beraubt haben und zusätzlich, gegen Glücksritter. Selbst vorher ausgereiste DDR Bürger finden plötzlich ihre Heimat wieder attraktiv. Sie spielen sich jetzt als kenntnisreiche Westdeutsche auf. Alte Bekannte grüßen sie auf einmal wieder. Sie heucheln eine Gemeinsamkeit.

"Wir kommen ja von hier."

Sie sagen nicht, "im Westen ist mein Traum zerplatzt und Alles ist schief gelaufen." Das wäre ja ein Offenbarungseid an ihre verlogenen Ausreisegründe. Sie spielen jetzt Chef. Sie sind etwas Besseres und reichlich überheblich. In dem Umfeld wird es wirklich schwer, den Boden zu behalten. Dank Joanas Eltern und ihrer Geschwister, bleiben wir auf dem Boden.

Auf der Fahrt nach Berlin ärgern wir uns, mit dem Auto gefahren zu sein. Selbst unsere Feldwege waren in einem besseren Zustand als die Wege in Berlin, die sie Straße nennen. Endlose Staus und an jeder Ecke mindestens ein Unfall. An den Straßenrändern stehen nahtlos Nutten, die mit Polizisten ums Schutzgeld schachern. Unsere Parks verkommen zu Bumsecken. Besucher laufen dort bereits flächendeckend auf gefüllten Parisern. Erde ist dort keine mehr zu sehen. Vor jeder Toilette steht irgendeine Mafia und will selbst für kleine Geschäfte, drei Mark. Ein Jahr, und aus einer wirklich schönen, sehenswerten Kulturstadt, wird ein mit Nutten und Kriminellen verseuchtes Drecksloch. Ich frag mich, wer in diesem Umfeld ein Geschäft machen möchte. Das, was wir in amerikanischen Filmen zu sehen bekamen, ist Wirklichkeit geworden. Ausgerechnet im Haus der DDR Ministerien siedelt sich eine Verbrecherorganisation an, die schon in früheren Reichszeiten für Millionen Zwangsarbeiter sorgte. Schon beim Betreten der mir bekannten Flure, begegnen uns wieder die dunkelblauen Wollmäntel. Dieses Mal, massenhaft. Alle mit kantigen Aktentaschen der gleichen Marke. Und diese gewissenlosen Kreaturen, wollen über unsere Menschen der Volkskammer oder des Politbüros lästern. Das ist, als würde sich stinkendes Abwasser über die Vorrichtung beschweren, die es geruchslos beseitigt.

Wir werden wieder in ein Büro gerufen. Schon beim Eintreten bekomme ich den Eindruck, wir wären in der Filiale eines Drogeriemarktes gelandet. Neben dem Geruch der Mixtur aus den oberen Regalen der Parfümerieabteilung, liegen sämtliche Sonderangebote der Drogen für die Schmerzbehandlung. Nicht nur das. Das Angebot ist riesig. Es fehlen nur die Preisschilder. Um die Stuhllehnen hängen die offenen Handtaschen. Prall gefüllt mit Schmiere für Augenbrauen, Lippen, Visage und, ich dachte ich sehe nicht richtig, Vaseline. Das Büroleben muss wirklich unglaublich hart sein. Die Schreibtische sind teilweise nicht verblendet. Die Zwickelschau für die Chefetage könnte man fast schon mit einem Werbeaushang der Herberststraße in Hamburg vergleichen. Die Postengeilheit in diesem Büro scheint unübertroffen. Ich habe fast den Verdacht, die Frauen in der Herbertstraße sind klüger als die in dem Büro.

Eine scheinbare Ausnahme, anständig gekleidet und nicht verkleistert, winkt uns gerade zu ihrem Schreibtisch.

"Was wünschen Sie?"

Ich lege den Hefter auf den Tisch und sage ihr, wir kämen aus dem Raum Karl-Marx-Stadt. Unsere Gaststätte haben Alteigentümer wieder bekommen und wir wurden gekündigt.

"Die Kündigung ist nicht rechtens."

"Wie soll ich das verstehen?"

"Naja. Die Familie Elias hat das Objekt nicht wieder bekommen. Sie wurden nicht von der DDR enteignet."

"Verstehe ich die Welt richtig? Die Enteignung 1933 war rechtens?"

"Naja. So ist erst Mal das Gesetz."

"Damit ist die Familie schon das zweite Mal enteignet worden. Sind es die gleichen Enteigner wie damals?"

"Was suchen Sie jetzt konkret. Eine Gaststätte?"

"Wenn es geht, nicht zur Pacht sondern in Besitz. Ich habe kein Vertrauen in die neuen Besitzer."

"Sie wollen also kaufen."

"Das wäre, glaub ich, der idealste Schritt."

"Ich liste Ihnen bis morgen alle Objekte in Ihrer Umgebung mit dem Verkaufspreis auf. Ist ihnen das recht?"

"Wie läuft das dann weiter?"

"Damit gehen Sie zu einer Bank und beantragen das Darlehen für den Kauf."

"Kennen Sie irgendein Hotel hier in der Nähe?"

Sie kommt gewaltig ins Lachen.

"Im Umkreis von hundert Kilometern werden Sie kein Hotel finden."

"Und wenn doch?"

"Eine Nacht in dem Hotel, in dem ich schlafe, kostet 550.-DM. Das ist kein Palast."

"Ich schätze, das Hotel hat schon einen Westbesitzer."

"Bis morgen. Auf Wiedersehen."

"Wo schlafen wir heute?", fragt mich Joana.

"Wir müssen mal schauen. Ich habe mehrere Kollegen, die mit mir an der Trasse gearbeitet haben. Die rufen wir an."

Wir setzen uns in ein Cafe. Bei den Preisen wird sich das wohl auf eine Tasse beschränken. Kaffee ist es auch keiner. Eher Hauskaffee. Von dort rufe ich Thomas, Klaus, Micha und Steffen an. Steffen hat für uns ein Bett. Er braucht kein Kinderzimmer. Das ist frei.

"Bist Du denn noch mit Karin zusammen?"

"Aber natürlich. Du wirst staunen."

Steffen hatte Karin an der Trasse geheiratet. Das war ein Fest. Unsere Sowjetischen Gastgeber haben die Ehe mit einer Jakuten – Schamanin gesegnet. Karin hat ihren zukünftigen Ehemann wirklich gewissenhaft gesucht. Sie wohnte mit ihren Kolleginnen zwei Zimmer weit entfernt von unserem. Karin hat bei uns Kassiererin und Essensausgabe gemacht. Abends hat sie bisweilen in der Bar geholfen. Sie war begehrt und ihr Zimmer wurde sehr gut besucht. Karin war die erste Frau, mit der ich fremd gegangen bin. Sie sagte mir, es wäre für sie ein Kinderspiel gewesen, mich rum zu bekommen. Kein Wunder. Manchmal war ich ein halbes Jahr am Stück in Sibirien. Mitunter hatten wir das Gefühl, die weniger schönen Frauen, hätten in Sibirien alle einen Mann gefunden. Das wirkte natürlich anziehend für diese Frauen. Zumal Schönheit, eine wirklich persönliche Ansichtssache ist. Karin hingegen war eine Art Lichtschein unter ihren Kolleginnen. Gut gebaut, nicht zu viel Brust, klug und redselig. Eine Idealgestalt in Engelsform. Unwiderstehlich. Und sie wusste das. Sie nutzte es auch aus. Es dauerte nicht lange und sie hatte das gesamte Lager des Verkaufssortimentes unter ihrer Verantwortung. Obwohl es uns an Nichts fehlte, haben verschiedene Lieferprobleme oft die zuteilende Hand Karins benötigt. Gerade in Winter- und Schmelzzeiten hatten unsere Lieferzüge oft schwere Unterbrechungen.

"Wo seid Ihr gerade", fragt Steffen.

"Wir sitzen in dem Cafe."

"Wir holen Euch ab. Nach Marzahn zu kommen, ist etwas kompliziert."

Die polnische Bedienung fragt uns, ob uns der Kaffee geschmeckt hat.

"Ist Ihr Chef ein Ossi oder ein Wessi?"

Sie lacht.

"Eine Wessi aus Hannover."

"So schmeckt der Kaffee!"

Sie lacht schon wieder.

"Ich trinke hier keinen Kaffee."

"Den Personalkaffee müsst Ihr sicher auch bezahlen."

"Jaja."

Steffen kommt im dreihunderter Benz. Bei ihm sitzt Karin. Es scheint, als wären die Beiden jünger geworden.

Wir begrüßen uns, fragen uns gegenseitig, wie es geht und warum wir in Berlin sind.

"Wollen wir noch etwas Essen gehen?"

"Naja. Bei der Küche hier....", antworte ich Steffen.

"Halt, Halt. Ich kenne einen Griechen, bei dem schmeckt es Dir."

Steffen kennt meine Abneigung gegen preußisches Essen. In Berlin haben wir nie gut gegessen.

"Griechisches Essen? Gut. Probieren wir das."

"Den Gastwirt kenne ich persönlich. Den könnten wir mal zu Hause besuchen. Er baut gerade ein Hotel."

"Im Moment sieht es ungeheuer schlecht aus bei mir. Ich habe weder einen Betrieb noch irgendeine Aussicht, eine halbwegs bezahlte Arbeit zu finden."

Das Essen bei dem Griechen war wirklich sehr gut.

Der Chef fragt Steffen, ob ich sein Freund wäre. Er erzählt von unserer gemeinsamen Zeit in Sibirien.

"Unsere warme Stube habt Ihr also gebaut?", fragt der Gastwirt.

"Außer etwas persönlichem Stolz ist uns nicht viel geblieben", antworte ich ihm.

"Naja. Das ist die Zeit für einen guten Metaxa."

Christos geht in die Küche und kommt mit einem Metaxa wieder. Den haben wir schon in der DDR schätzen gelernt. Ein edles Gesöff.

"Läuft Dein Geschäft gut, Steffen", fragt Christos.

"Besser als ich je gedacht hatte."

"Was machst Du denn", frage ich ihn.

"Ja. Ich verkaufe Dildos."

"Und das funktioniert?"

"Naja. Neben Karin habe ich noch zwei Freunde, die Du auch von der Trasse kennst. Die helfen mit."

"Und Ihr könnt gut leben davon?"

"Das Auto ist jedenfalls bezahlt. Wie ich das sehe, könnte Joana auch bald diese Helfer benötigen. Bei dem Druck, den Du hast, sicher."

Steffen hat schon irgendwie recht. Joana bestätigt das mit ihrem Blick. Karin sagt zu Joana: "Ich muss an die frische Luft. Gehen wir eine Runde?"

Mein Gott. Wenn ich Karin so hinter her schaue. Steffen bemerkt das.

"Kannst Du Dich noch gut erinnern?"

"Lass uns einen Metaxa ein und wir vergessen den Stress erst mal für einen Tag."

Christos lässt die Flasche gleich auf dem Tisch stehen. Irgendwie hat der ein Abkommen mit Steffen. Das hinterfrage ich nicht.

"Wie ich das sehe, bist Du momentan ziemlich klamm."

"Das ist schon recht bescheiden ausgedrückt", antworte ich.

"Du musst versuchen, Allianzen aufzubauen. Bei Deinen Beziehungen geht das sicher."

"Naja. Ratschläge bringen jetzt erst mal Nichts. Wir müssen erst mal eine neue Gaststätte bekommen."

"Die Kredite von diesem Pack sind teuflisch. Pass auf!"

"Du hast es ohne geschafft."

"Natürlich. Ich habe nur im richtigen Moment angefangen. Aber jetzt brauchen wir schon auch fast eine Lagerhalle."

"Und die Steuer?"

"Die waren bei mir schon vier Mal die Bücher prüfen. Komisch. Bei meinen Westnachbarn waren die noch nie. Die haben sich schnell, billig, freie Wohnungen gekauft. Seit dem schlafen in unserer Nachbarschaft, Flüchtlinge und Migranten. Viele Russlanddeutsche. Die wollen fast Alle wieder nach Hause."

"Da hast Du ja Glück. Deine Nachbarn verstehst Du gut."

"Du wirst staunen. Es sind auch Tataren dabei."

"Jetzt vermisse ich schon fast den schönen Ural."

"Jaja. Die Maikäfer -, Ameisen – und Mückensaison."

"Vergess die Holzböcke nicht. Schwein vom Grill und das Brot von Hermann."

Karin und Joana kommen zurück.

"Wir gehen inzwischen", sagt Karin zu Steffen.

"Was? Zu Fuß?"

"Aber sicher. Joana möchte etwas testen."

"Naja. Dann saufen wir eben noch ne Runde", sagt Steffen zu mir.

"Lass doch die Zwei mit dem Auto fahren. Sie können uns dann abholen. Besoffen können wir eh nicht fahren."

"Darauf einen Metaxa", ruft Steffen, der sichtlich etwas angeheitert wirkt.

Karin lächelt zu dem Geschehen. Sie kennt das noch aus Trassenzeiten. Ich freue mich so sehr darüber, gerade die Zwei zusammen zu sehen. Ein Paar wie aus dem Bilderbuch.

"Deine Joana ist eine sehr schöne Frau. Wann willst Du heiraten. Wir kommen sicher."

"Ich weiß nicht, ob wir überhaupt heiraten oder heiraten müssen. Die neuen Gesetze geben mir schwer zu Denken."

"So, wie ich das sehe, braucht Ihr nicht heiraten. Ihr gehört einfach zusammen."

"Das sehe ich und Joana auch so."

"Wenn Ihr wieder beisammen seid, fahren wir zusammen zu Christos nach Griechenland."

"Einen Urlaub könnten wir schon gebrauchen. Bei dem Theater."

Die Flasche ist fast leer. Christos bringt die nächste und setzt sich jetzt auch etwas mit zu uns. Er hat im Lotto gewonnen und baut zu Hause ein Hotel. Er bleibt nicht mehr hier. Ehrlich gesagt, hat er auch nicht das Gemüt, um in so einer Stadt zu hausen. Das stellt sich schon nach den ersten Worten so dar. Das Heimweh foltert Christos. Miriam, seine Frau, kommt gerade zu uns. Miriam ist eine schöne Frau, die etwas maskulin wirkt. Typisch, südländisch. Christos springt sofort auf und macht ihr Platz, als sie kommt. Er holt sich einen Stuhl.

"Das Möbel ist von uns zu Hause" betont er. "Handarbeit."

"Nehme es wieder mit. Es passt nicht zu den Herren hier. Die schmeißen Alles, was ihnen nicht passt, ins Feuer."

Christos lacht und Miriam nickt. Steffen sagt, Christos wäre Mitglied der KKE.

"Also, liebe Genossen", antworte ich ihm.

"Das kannst Du für voll nehmen."

Miriam steht auf, rennt in die Küche und kommt mit einem Dessert wieder.

"Bei den Mengen Metaxa, braucht Ihr sicher einen Kuchen."

Sie hat einen Hefekuchen in der Hand, der dem Panettone sehr ähnelt. Die Stücken werden abgerupft. Sehr schön.

Karin und Joana kommen uns abholen. Es gibt Küsschen und das Versprechen, Christos und Miriam zu Hause zu besuchen. Christos und Joana helfen mir etwas beim Hinaus gehen. Ich bin besoffen. Steffen schleppt sich bis an die Tür, wo ihn die Beiden auch abholen.

Karin fährt sehr gut und flüssig. Das erinnert mich an meine Fahrlehrerin, die auch Rennen gefahren ist und jetzt als Taxifahrerin arbeitet. Sie hat auch Busse gefahren. Karin hat an der Trasse auch gelegentlich unseren Bus gefahren. Wie sie mit dem Schalthebel umgeht, sucht Ihresgleichen.

Sie tippt den Hebel an, wie eine Fee. Und das funktioniert. Wir kommen bei Steffen zu Hause an. Seine Wohnung ist eigentlich nur ein Nest. Die Eltern haben ein Häuschen gebaut zu DDR Zeiten. Dort hat er sicher auch sein Lager. Mit dem Fahrstuhl fahren wir fast bis nach ganz Oben. Einen Stock tiefer wohnen Steffen und Karin. Das Haus wirkt leer und ziemlich ruhig. Ich frage Steffen, wie das kommt.

"Die sind alle weg gezogen. Investoren haben viele Wohnungen gekauft. Die wollen wahrscheinlich zu viel."

Die Wohnung ist das Büro von Steffen. Sie schlafen im Wohnzimmer. Im Schlafzimmer zeigt mir Steffen sein Fotostudio. Dort machen sie die Fotos von den Produkten, die er anbietet. Schön.

Joana sagt, sie ist schon fertig geduscht. Sie wirkt etwas müde, aber gleichzeitig ziemlich zufrieden und aufgeweckt. Sonst rennt sie nervös, wie aufgezogen umher. Sie kichert etwas, als ich ihre den Hintern streichel und einen Gute Nacht Kuss gebe.

Steffen lädt mich ein, noch einen kleinen Schluck aus der Hausbar zu trinken.

"Aber wirklich nur etwas Süßes."

"Ich habe etwas Besseres."

Karin will sich auch schon hinlegen. Das Wohnzimmer ist jetzt unser. Karin geht zu Joana. Steffen und ich trinken noch etwas. Wir schalten den Fernseher an und schauen Filme vom Videorecorder. Filme von der Trasse. "Die habe ich kopiert von meiner Kamera."

Es sind wirklich feine Filme dabei mit echter Künstlerprominenz aus der DDR. Sehr schön waren die Filme mit den russischen Tanzgruppen und Künstlern. Wir könnten fast eine Woche am Stück, Filme anschauen. So viele hat Steffen gefilmt. Mir ist das dort kaum aufgefallen.

Steffen weckt mich. Wir haben acht Uhr. "Frühstück", ruft er.

Karin hat für mich vier Eier gekocht. Joana hat ihr verraten, dass ich, wenn ich früh esse, nur Kaffee, Tabak und Eier brauche. Steffen fragt mich, ob ich immer noch meine Zigaretten rolle.

"Das ist Familientradition. Unsere Familie hat schon immer Tabak angebaut."

"Zeig mir mal, wie Du das machst."

Ich zeige es ihm. Zuerst rolle ich Watte oder Krepppapier zu einer Art Zigarette. Aus den Zigaretten schneide ich die Filter. Die rolle ich neu mit Tabak zusammen und rauche eine verkürzte Filterzigarette. Schon zu DDR Zeiten hatten Köche wenig Zeit zum Rauchen. Und die russischen Belomorkanal und Herzegowina Flor waren mir dabei ein Vorbild geworden.

"Sollen wir Euch wieder zu der komischen Treuhand fahren?"

"Mir wäre das Recht", antwortet Joana.

"Hoffentlich finden wir unser Auto wieder."

"Wo habt Ihr denn geparkt?"

Ich beschreibe Steffen, wo unser Wartburg steht.

"Hoffentlich ist er noch da", scherzt er.

Als würde uns Jemand einen Wartburg klauen. Noch zumal, einen mit dem alten Zweitaktmotor.

"Ich hab hier schon Pferde kotzen sehen."

Wir haben den Parkplatz unweit des Palastes der Republik gewählt. Der ist leicht zu finden und gut bewacht.

Wir fahren und der Abschied von den Zweien fällt uns schwer. Wir würden sofort da bleiben. Karin gibt mir ein Küsschen und bei der Berührung erinnere ich mich an die seidenweiche Haut von Karin. Nicht mal bei unseren Kindern habe ich so eine Haut berührt. Was macht sie für diese Haut? Die war schon in der Sowjetunion so unbeschreiblich weich. Steffen küsst Joana und mir gibt er einen Händedruck mit dem dringenden Wunsch, uns wieder sehen zu wollen. Karin hat Joana ein großes Päckchen mit gegeben. Ich frage nicht, was drinnen ist. Ich kann es mir denken.

Steffen fragt mich noch zum Abschied, ob ich noch Rolf und Kato aus Rostock kenne.

"Die wollen Dich auch unbedingt mal treffen. Ich kümmere mich mal drum."

"Bis dann, Ihr Lieben."

Jetzt wird es Zeit, in den heiligen Tempel zu schreiten.

Im Foyer des Tempels stehen dieses Mal ein paar bewaffnete Polizisten. Sie haben ein kleines Maschinengewehr am Körper. Was soll das? Ist schon die Gestapo eingezogen?

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