Vorwort
Um wirklich Liebe empfinden, geben und empfangen zu dürfen, bedarf es meines Erachtens bestimmter Voraussetzungen.
Zunächst bedarf es eines Gesellschaftssystems, in welchem das menschliche Leben geachtet und geliebt wird.
Es bedarf eines Gesellschaftssystems, das frei ist von Existenzangst.
Es bedarf eines Erziehungswesens, in welchem das menschliche Miteinander und Füreinander an erster Stelle steht.
Es bedarf einer Gleichberechtigung und gegenseitigen Achtung.
Es bedarf der konsequenten Einsicht in die Verschiedenheit menschlicher Charaktere.
Es bedarf einer partnerschaftlichen Offenheit.
Es bedarf einer nicht übertriebenen, elterlichen Fürsorge.
Es bedarf der Verfügbarkeit von genügend persönlicher Freizeit in der Entwicklungsphase.
Das bisher einzige Gesellschaftssystem, das die meisten dieser Bedingungen für alle Gesellschaftsmitglieder anstrebt und erfüllt,
ist der Sozialismus.
KhBeyer
Der Roman ist eine Konstruktion
aus gesellschaftlichen Verhältnissen
und
ihre Auswirkung
auf das Zusammenleben
von Individuen.
Alle handelnden Personen,
Orte
und
Gegebenheiten
sind frei erfunden.
Die Basis des Romans sind Erlebnisberichte
Betroffener.
Der Beginn
Eine Selbstständigkeit in der DDR war eher für Personen geeignet, die gern etwas länger und intensiver arbeiten wollten als ihre Mitbürger. Das Konzept der DDR Führung war nicht unbegründet. Die freiwillige Mehrleistung des Unternehmers brachte neben Steuereinnahmen auch innovative Anregungen im Umgang mit schwer verkäuflichen Sortimenten. Bei diversen Handelsabkommen mit Freunden oder wichtigen Handelspartnern fielen bisweilen Produkte an, die in der DDR einfach keinen regen Absatz fanden.
Ein Gastwirt in der DDR hatte neben dem gastronomischen Auftrag, auch einen Handelsauftrag in Form von Straßenverkauf außerhalb der Ladenöffnungszeiten. Heute wird das entweder mit verlängerten Ladenöffnungszeiten oder mittels Tankstellen realisiert.
Der einfachste Weg, ein Gastwirt zu werden, war in der DDR der Weg über die Kommission. Der Betreffende konnte entweder bei der HO oder beim KONSUM, Kommissionär werden. HO und KONSUM waren die beiden führenden Handelsorganisationen der DDR. Mit welchem Partner der zukünftige Gastwirt ein Geschäft eröffnete, hing meist mit der Lage des Betriebes zusammen. KONSUM war eher eine ländliche Handelsgenossenschaft, während sich die HO auf Städte konzentrierte.
Unausgebildet, konnte kein Bewerber in der DDR, Gastwirt werden. Ein Meisterzeugnis erleichterte den Wunsch ungemein.
In meiner Gaststätte gab es nur einen Arbeiter. Das war ich selbst. Ich tat es als Koch genauso wie als Barmann, Verkäufer und Bedienung. Selbst die Reinigung des Betriebes war meine persönliche Aufgabe. Ich war sozusagen, ein Einpersonenunternehmen.
Meine Gasträume boten Platz für einhundert Gäste. Zu DDR Zeiten. Das heißt, unsere Gaststätten wurden auch rege besucht. Nicht wie im Westen, wo selbst der Konsum von zehn Bieren, die Haushaltskasse ins Wanken bringt. Genau aus dem Grund, konnten wir in der DDR, täglich oder fast täglich, unsere zahlreichen Stammkunden bedienen. In dem Zusammenhang bildeten sich familienähnliche Verhältnisse. Bei Reparaturen oder sonstigen Schwierigkeiten, musste ein Gastwirt nicht zu lange suchen. Die Abhilfe war praktisch unter seinen Stammgästen zu finden.
Der Gastwirt des Ortes war Bestandteil des Ortes; aber auch seine Nachrichtenzentrale. Neben dem Frisör, dem Fleischer, Lebensmittelhändler und Bäcker, war der Gastwirt ein Nachrichtenportal. Heute fällt diese Aufgabe dem Internet zu.
Mit dem Wunsch, Gastwirt zu werden, verfolgte ich die Familientradition meiner Eltern. Das Leben in diesem Umfeld gefiel mir und bot sehr viel Raum für kreative Ansätze. Daneben war der Bekannten – und Freundeskreis ungeheuer groß. Genau dieses Leben passte sehr gut zur Philosophie der DDR Staatsführung. Arbeit mit und für den Menschen. Die DDR Gastwirte waren sozusagen, mitunter auch ungewollt, Vollstrecker des sozialistischen Gedankens im Sinne der Arbeiter- und Bauernmacht.
Die Gesetze und deren wirksame Kontrolle, verhinderten Betrug und Missbrauch von Geschäften. Mit einer wirkungsvollen Steuergesetzgebung wurden private Bereicherungen eingeschränkt und ein gesellschaftlicher Nutzen aus dem Engagement gewonnen. Die gesellschaftliche Anerkennung des Berufes Gastwirt war sehr hoch.
Die DDR hatte einer der größten gesellschaftlichen Errungenschaften, der Preisbindung, den Vorrang gegeben. Sämtliche Bewerber auf dem Markt hatten nur eine Art der Konkurrenz: Die Qualität ihrer Produkte. Es gab keinen Preiskampf, keine Ausbeutung deswegen und eine ziemlich wirkungsvolle Planpolitik. Kein Händler konnte zu Lasten seiner Konkurrenz, mehr verkaufen als der Plan für ihn vorsah. Er konnte das nur mittels besserer Qualität, Kreativität und einem allmählichen, planvollen Wachstum im Rahmen gesamtstaatlicher Vorgaben. Eine Gesellschaft, ein Wachstum zusammen.
Selbst der gemeine Beschiss zu Lasten der Kunden, wurde ziemlich wirkungsvoll verhindert. Die festen Preise erforderten auch deren Einhaltung. Gastronomen denken jetzt, sie hätten da genug Spielraum. Irrtum. Der Spielraum war gesetzlich vorgeschrieben. Selbst der Gewichtsverlust durch Schälen und Garen, war erprobt und vorgeschrieben. Dafür gab es Tabellen.
Sämtliche Speisen und Getränke, insbesondere Mixgetränke, sollten kalkuliert werden. Dabei wurde für zehn Portionen kalkuliert; auf den Zehntel Pfennig genau. Ein Rundungsfehler konnte bei einer Prüfung empfindliche Bußgelder auslösen. Die wurden auf zwei Jahre zurück berechnet. Ich habe mich auch mal um einen halben Pfennig verrechnet. Dabei rundete ich die sechste Stelle nach dem Komma falsch. Der halbe Pfennig kostete mich nach einer Betriebsprüfung den Monatslohn eines Dreischichtarbeiters.
Selbstverständlich gab es Kollegen, die beim Umgang mit Zahlen ein paar Probleme hatten. Für die wurden alle Kalkulationen fertig in einem Register angelegt. Das konnte man sich kaufen oder bei Kollegen, abschreiben. Heute gibt es Gastwirte, Bedienungen und Barhilfen, die ohne einem Abrechnungsprogramm in der Kasse, nicht in der Lage wären, eine korrekte Rechnung auszustellen. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied. Die Kalkulationsblätter waren auch gleichzeitig Ratgeber bei der Menügestaltung. Man setzte auf das Baukastenprinzip. Beilagen, Saucen, Fleischgerichte, Desserts und so weiter; alles war einzeln für jede Garmethode aufgeführt. Der Westen braucht dafür noch hundert Jahre.
Im Ort sprach sich schnell herum, dass ich die Gaststätte allein betreibe. Unter meinen Gästen waren schnell Frauen und Männer, die mir Hilfe anboten. Natürlich gegen ein kleines Entgelt.
In der DDR gab es dafür ein Pauschalsystem. Auf diesen Lohn, der nur mit fünf Prozent besteuert wurde, waren viele fleißige DDR Bürger verrückt.
Auf die Art, konnte ich mir gelegentlich eine Putzhilfe leisten. Die freie Zeit nutzte ich für Einkäufe oder für die Verbesserung meiner Gaststätte.
Die einzige Reinigungsarbeit, die an mir permanent hängen blieb, war die Toilettenreinigung. Bei den Mengen Alkohol, die wir unseren Gästen verkauften, kann sich Jeder gut vorstellen, wie die Toiletten am Abend aussahen. Seien Sie gewiss, schon in den ersten zwei Monaten lernte ich nahezu jeden menschlichen Charakter kennen, den eine Gesellschaft zu bieten hat.
Meine jugendlichen und gleichaltrigen Freunde feierten regelmäßig Partys bei mir. Oft kamen Angebote von jungen Frauen und Kolleginnen, mir helfen zu wollen. Das Ganze hatte aber einen Nachteil. Sobald meine Freunde zum Feiern kamen, blieb auch meine Kehle nicht trocken. Meine Mutter, eine gestandene Gastwirtin, empfahl mir, keinen Alkohol mit zu trinken. Dafür habe ich mir dann Flaschen mit Saft oder Tee gefüllt. Diese Getränke mussten dem entsprechenden alkoholischen Getränk, farblich ähneln. In der DDR gab es Sorten aus Rumänien und Bulgarien, die nie von einem Gast verlangt wurden. Genau in so eine Flasche füllte ich die Nachahmung. Etwas Alkohol musste trotzdem rein in das Getränk. Viele meiner Gäste rochen an den Flaschen. Sie hatten die Absicht, mich nachhaltig einzuseifen, um sich diese oder jene Rechnung zu sparen. Andere, vor allem die Stammtischbesucher, versuchten das mit Einzelbestellungen. Damit wollten sie mich provozierend in Stress versetzen in der Absicht, keinen Strich auf den Deckel zu bekommen.
Zu diesen Zeiten wurden die Rechnungen auf dem Bierdeckel erfasst. Ein Bier war ein Strich, für Speisen schrieb ich den Preis und für Schnäpse, ein Kürzel. Die Deckel wurden manchmal weich vom übergetretenen Bierschaum. Bestimmte Gäste versuchten dann, den einen oder anderen Strich zu löschen. Der Gastwirt brauchte also auch ein ungeheuer funktionierendes Gedächtnis. Das Training des ersten Jahres war ganz sicher nicht verlustfrei. Verluste musste der Wirt ausgleichen.
Genau das war aber in der DDR fast ein Kinderspiel. Warum? Der DDR Gastwirt lebte vom Trinkgeld. Nicht von seinem Lohn oder den Prozenten. Mein Lohn für meine Arbeit betrug in etwa eintausend Mark pro Monat.
Nur ein Beispiel. Ein Bier kostete dreiundvierzig Pfennig. Kein einziger Gast ließ sich auf fünfzig Pfennig heraus geben. Das kennen wir erst seit wir den Westen kennen. Die verschenken ihre Gelder lieber an Tankstellen und an Zinsen für ihre Kredite. Keinesfalls darf ein Mitbürger von ihrem Geld leben wollen. Es sei denn, er arbeitet für eine Bank, eine lügende Zeitung oder eine das Recht beugende Versicherung. Das löst aber einen ungeheuren gesellschaftlichen Neid aus. Dafür holt sich ein Westdeutscher eben in der Kaufhalle, palettenweise billigstes Gesöff, das er Bier nennt.
Gesoffen wird nicht etwa in einer Gaststätte. Nein. Dafür gibt es Garagen, Keller und Abfallräume.
Westdeutsche Kultur nennt sich das.
In der DDR galt eben noch ein altes Sprichwort, ein deutsches. Unter Freunden gesoffen, ist Kotzen keine Schande. Wenn man aber keine Freunde und nur Heuchler kennt, ist dieses Sprichwort überflüssig. Westdeutsche Kultur eben. Und schon sind wir bei der vielbeschworenen Freiheit. Das ist Freiheit von dümmsten Großmäulern, die echte Freiheit eben nicht kennen.
Gegen Zwölf, also Mitternacht, war in der DDR, Polizeistunde. Bars, Tanzlokale und ausgewählte Lokale waren davon befreit. Das konnte jeder Gastwirt beantragen. Dafür gab es bestimmte Auflagen, die normalen Gastwirten einfach zu lästig waren. Unsere Gemeindepolizei, der ABV, kontrollierte regelmäßig die Einhaltung der Polizeistunde. Eine sehr vorteilhafte und gute Einrichtung war das. Bisweilen hatte ich Gäste in einem Zustand, der dazu einlud, die Polizeistunde zu missachten. Nicht selten musste ich dafür das Hausrecht bemühen. Volkstümlich würden wir sagen: den Gast rausschmeißen. Leider hatte ich hin und wieder Gäste, denen ich körperlich nicht unbedingt gewachsen war. Und genau da war mir eben der ABV sehr behilflich. Der ABV war ein Gemeindevolkspolizist. Und der kannte eben jeden Bürger der Gemeinde. Oft half nur dessen Erscheinung. Handgreiflich wurde es sehr selten.
Mein Vorbild in der Hinsicht war mein Vater. Er war ziemlich resolut bei der Durchsetzung des Hausrechtes und musste nicht selten von der Familie gebremst werden. In erster Linie ging es darum, zu zeigen, wer der Hausherr und damit, der Platzhirsch ist. Es geht um Respekt.
Zu einer Party bei mir brachte die Clique ein Mädchen mit, das sich mit Joana vorstellte. Zu der Zeit haben schon andere Mädchen versucht, in das Geschäft einzusteigen. Es erschien ihnen interessant genug. Sie putzten bei mir und wollten auf die Art meine Gunst erreichen. Zu der Zeit habe ich noch oft in der Gaststätte geschlafen, wenn es zu spät wurde. Ich stellte mir ein paar Stühle zusammen, und legte mich auf denen zur Ruhe. Hauptsächlich war das aber notwendig, wenn ich größere Gemüselieferungen bekam.
Gemüse kam in der DDR im gesäuberten Erntezustand. Also, nicht gefroren. Um Verluste zu vermeiden, war eben Nachtarbeit angesagt. Interessant war das, wenn Rosenkohl, Karotten oder Schwarzwurzel geliefert wurden. Schwarzwurzel war in der DDR der Arbeiterspargel und äußerst begehrt. Rosenkohl natürlich auch. Entscheidend war die Verhinderung von Verlust. Der wäre zu meinen Lasten gegangen. Lebensmittelverschwendung in den unerträglichen Ausmaßen von heute, gab es nicht in der DDR. Die hätte ich protokollieren müssen und dafür hätte man mir die Hosen straff gezogen. Dazu sollten ausführlich, Verlustprotokolle verfasst werden. Eine recht mühevolle Aufgabe.
Die anderen Freundinnen boten mir schnell an, ich könnte bei ihnen übernachten. Manchmal tat ich das. Vor allem, wenn ich blau war. Zumindest sparte mir das ein Taxigeld oder die Nacht auf den Stühlen. Nicht selten kam es zu sexuellen Belästigungen mir gegenüber, nach heutigem Sprachgebrauch. Auf die Art lernte ich sehr schnell die Schönheit der Verschiedenheit kennen. Unsere Frauen und Mädchen waren nicht zu feige, die Schönheit ihrer Figuren zu präsentieren.
Der Sportunterricht, die Freizeitgestaltung, die Arbeit und die damit verbundene Bewegung, bescherte uns Partnerrinnen, die durchweg gesund, klug, fleißig und schön waren.
Prälat Hinter vom Tölzer Bulle, würde jetzt sagen:
„Die gesegnete Gabe von Schönheit und Klugheit wurde in der DDR mit einhundertzehn Prozent erfüllt.“
Im Westen dagegen, wurden wir mit den misslungenen Auslagen und Versuchen der Kosmetikindustrie und Chirurgie geschockt. Nicht selten wurde versucht, aus Truthennen, Truthähne zu kreieren. Und umgedreht. Leider hat das bis heute noch Keiner am Gehirn probiert. Bei diesen Kreaturen hätte die vollständige Entnahme, keinen Schaden angerichtet. Eher, eine leichte Verbesserung.
Zum Glück, können wir diese Kreaturen in Zeitungsredaktionen, Fernsehen, Rundfunk und Parlamente abschieben. Bei den Kreaturen in den Westparlamenten bin ich mir nicht ganz sicher, ob bisweilen bei einer Gesichtsoperation, nicht das Gehirn mit erwischt oder entfernt wurde. Ich stelle mir gerade vor, wir müssten mit diesen chirurgischen Fehlgriffen arbeiten. Grauenhaft. Sie müssen sich nur vorstellen, wie die Bitte: „Bring mir mal bitte eine Kaffee mit“, aus einem chirurgischen Fehlversuch klingt. Sie würden wahrscheinlich das Auto der Kreatur aufschließen.
Joana half mir bei der Nachtarbeit. Sie putzte mit, schälte mit und sie schlief einmal mit auf den Stühlen.
Irgendwann fuhren Joanas Eltern übers Wochenende nach Thüringen zu ihrer Familie.
„Heute und morgen, kannst Du bei mir mit schlafen.“
Ich tat Joana leid.
Eigentlich hatte ich eine Wohnung, die ich mit einer Familie teilte. Mit meiner Familie. Bei der Planung der Familie war ich leider nur ein praktischer Bestandteil. Zu der Familie kam ich in Ausübung des femininen Hausrechtes: „Ich bestimme, wer der Vater meiner Kinder ist!“.
Ein junger Mann lässt sich bisweilen von Dingen blenden, die das Gehirn restlos ausschalten. Meine erste Frau war sehr lieb, fleißig, schön, gesellig und nicht eifersüchtig. Ich hingegen, war es anfangs. Fast schon krankhaft.
Es musste Etwas getan werden, um das Eifersuchtsgefühl zu brechen. Arbeit. Viel Arbeit. Und genau das führte mich zu dem Plan, eine Gaststätte zu betreiben. Das Eifersuchtsgefühl hatte nicht unbedingt sexuelle Ursachen. Mir war nur die komplette Familienplanung entglitten. Ich wurde so zu einem Hampelmann degradiert. Britta, meine erste Frau, hat mich praktisch, kalt gestellt. Mir half nur der rechtzeitige Ausbruch, um auch meinem Leben einen Sinn zu geben. Ich sah das ja bei meinen Eltern und denen gelang es. Meine Berater waren mir also sicher.
Die Genossen in meinem Betrieb waren eher traurig. Sie hätten mich gern als Ausbilder gesehen. Sie liebten wie unsere Lehrlinge, meine legere Art der Ausbildung. Mir lag die spezielle Begabung meiner Lehrlinge besonders am Herzen. Einer konnte sich in der Kalten Küche oder Patisserie besonders gut bewegen, der Andere in der Restaurantküche. Trotzdem unterstützten mich meine Genossen und Kollegen tatkräftig bei der Umsetzung meines Wunsches nach meiner eigenen Gaststätte. Nicht etwa mit finanziellen Zugaben oder Beziehungen zu Einrichtungsgegenständen. Nein. Mit Ratschlägen. Ich rede von richtigen Ratschlägen und nicht von Klugscheißerei. Jeder Ratschlag der Genossen war hilfreich.
Nach dem Dienst in der Gaststätte gingen Joana und ich zu ihr. Joana stammt aus einer sehr kinderreichen Familie. In der DDR war das keine Seltenheit.
Nach der Abendtoilette kamen wir gleich zur Sache.
„Nimmst Du die Pille?“, war praktisch die erste Frage in der DDR.
„Ja.“
Die üblichen Streicheleinheiten und die herrliche Figur Joanas bescherten uns einen wirklich schönen Abend. Die Erstbesteigung blieb uns erspart.
„Wie hat es Dir gefallen?“
„Das passt. Wir können zusammen gehen.“
Joana wollte von Anfang an mit Vorsatz feststellen, ob es in der Mitte passt. Und wenn die passt, wird der Rest passend gemacht. Ein häufig angewandtes, sehr praktisches DDR Sprichwort. Das klingt jetzt vielleicht zu sachlich. Man könnte fast denken, das Praktikum kommt vor dem Genuss. Und genau damit, lagen wir richtig. Der Rest ist ausbaufähig.
Wir leben unser Leben von der einfachen Seite her. Ohne zu große Erwartungen und Pläne. Obwohl wir gerade in der DDR sehr weit im Voraus planen konnten. Das erleichterte mir das zielgerichtete Sparen auf zukünftige Investitionen. Selbstverständlich konnte ich die in der DDR eine Firma abschreiben. Die Abschreibung wurde aber auch versteuert. Grundmittelsteuer nannte sich das. Eine sehr gerechte Steuer, mit der der Verschleiß von Arbeitsmitteln geplant wurde.
Zuerst stand natürlich die Scheidung von meiner Britta samt meiner Familie an. Ganz arm waren wir nicht. Ich habe drei Jahre in der Sowjetunion gearbeitet. Britta wollte sich nicht scheiden lassen. Die erste schwere Prüfung stand uns damit bevor.
In der DDR wäre die Scheidung an sich kein Problem gewesen. Nur, jetzt kommt die Besatzung, Plünderung der DDR durch die Westbesatzer dazu. Und die bringen ihre missratenen, deutbaren Gesetze mit. Eine Schar von Rechtsverdrehern aus dem Westen überfällt die DDR Bürger und plündert deren Privatkassen mit provoziertem Streit. Faschisten in Nadelstreifen. Und die nehmen das Wort: Recht in den Mund. Mir kraust bei der Vorstellung. Und schon sehen wir es abwandern, das schwer verdiente Geld.
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