Ein weiteres Problem waren Leute, die es sich anders überlegten.
„Es tut mir leid, ich hatte vergessen, dass ich da schon einen Termin hatte.“
„Uns ist klar geworden, dass wir uns das nicht leisten können, und Almosen wollen wir auf keinen Fall annehmen.“
„Ich muss mich vertan haben. Ich dachte, es wäre ein anderes Wochenende/Monat/Jahr/Jahrzehnt.“
„Ich habe Zweifel und ich will es den anderen nicht verderben.“
„Tut mir leid, aber wir haben gerade eine neue, lebendigere Gemeinde entdeckt, die unseren Bedürfnissen besser entspricht.“
„Ja, wissen Sie, mir war nicht bewusst, dass ich dann ja Emergency Room verpasse.“
Also ehrlich!
Deshalb fand ich es auch so erfrischend, als William Ebson eines Tages anrief, um für die Freizeit zuzusagen. Er und seine Frau Lorna sind erst kürzlich zu unserer Gemeinde gestoßen. Er hat eine lange, spitze Nase, die von vorne betrachtet leicht nach links gebogen ist, und sie hat eine noch längere Nase, die nahezu im gleichen Winkel nach rechts gebogen ist. Sie scheinen ein recht munteres Ehepaar zu sein (sie wollten unbedingt wissen, ob es in der Einkehrstätte auch Doppelzimmer gibt!), sodass ich annehme, dieses Gesichtsverschiebungsphänomen könnte die Folge eines häufigen und leidenschaftlichen Nasenkontakts sein. Schwer zu sagen. Jedenfalls tat es richtig gut, nach all den Ausflüchten endlich jemanden ohne Wenn und Aber sagen zu hören, er würde zur Freizeit mitkommen.
„Na prima!“, sagte ich zu Anne. „Nach dem ganzen Herumgeeiere, das ich mir anhören musste, ist es eine Riesenerleichterung, wenn jemand mal eine klare Entscheidung trifft. Da kommt einem die Arbeit gleich viel leichter vor.“
„Ist das das Pärchen mit den Nasen, von dem du da redest?“, fragte Anne.
„Genau. Warum?“
„Die sind ein bisschen flatterhaft, Schatz. Da muss man mit allem rechnen.“
Widersprach. Hätte es besser wissen müssen.
Zeichnete jeden weiteren Anruf auf.
Anruf von Lorna Ebson. Bedauerlicherweise hätten sie und ihr Mann William beschlossen, sich zu trennen, weshalb sie nicht zur Freizeit mitkommen würden. Sehr traurig und unerwartet, aber solche Dinge passieren. Strich die beiden von meiner Liste.
Anruf von William Ebson. Nach vielen Gebeten habe er die geistliche Gewissheit, dass er und Lorna durch die Gnade Gottes wieder zusammenfinden und deshalb nun doch nur Gemeindefreizeit mitkommen würden, wenn das noch ginge. Großartige Neuigkeit! Setzte die Ebsons wieder auf meine Liste.
Anruf von Lorna Ebson. William und Gott seien vielleicht der Meinung, sie seien wieder zusammen, aber sie sehe das anders. Ob ich sie von der Liste streichen oder aber William ein Einzelzimmer zuweisen könnte, falls er unbedingt allein mitkommen wollte? Strich sie als Paar von der Liste und trug mit Bleistift ein Einzelzimmer für William ein.
Anruf von William Ebson, der bestätigte, er werde bei der Gemeindefreizeit ein Einzelzimmer benötigen. Trug ihn mit Tinte ein.
Anruf von Lorna Ebson. Sie und William hätten sich gerade getroffen und miteinander gebetet, und es habe ein machtvolles Versöhnungswunder stattgefunden. Sie würden sich nun doch nicht trennen und benötigten wie ursprünglich erbeten ein Doppelzimmer bei der Gemeindefreizeit. Setzte beide wieder auf die Liste. Löschte Williams Einzelzimmer mit Tipp-Ex.
Inzwischen habe ich den Namen „Ebson“ so oft geschrieben, dass er zu einem bedeutungslosen Wort geworden ist. Interessanterweise ist mir das schon einmal mit dem Wort „Kord“ passiert. Es schwirrte mir im Kopf herum wie eine Biene, die in einer Schachtel gefangen ist.
„Kord, Kord, Kord, Kord, Kord, Kord …“
Brachte mich schier zum Wahnsinn.
Traf Gerald und sagte beiläufig. „Mir geht schon die ganze Woche das Wort ‚Kord‘ im Kopf herum.“
„Wieso das denn?“
„Ach, das spielt keine Rolle. Was ich sagen wollte, ist, dass ich es jetzt schon so oft vor mich hingesagt habe, dass ich kaum noch weiß, was es bedeutet.“
Darauf Gerald: „Ach, erzähl mir nichts, Paps! Das kannst du ja wohl nicht vergessen haben, oder? Du weißt ganz genau, dass das eine Art Straße ist, die aus quer über ein Sechseck gelegten Baumstämmen besteht.“
Zu verdattert um zu widersprechen. Griff bei nächster Gelegenheit zum Duden, um nachzuschlagen. Wie kommt der bloß auf solche Ideen? Als ich mich am nächsten Morgen anzog, sagte Anne: „Du hast schon lange nicht mehr deine Baumstammhosen angehabt, Liebling. Ich habe sie dir übers Sechseck gelegt …“
Heutzutage weiß man nie, ist das Telepathie oder SMS?
Letzten Endes gab ich es auf, mich zu fragen, ob die Ebsons mitkommen würden. Wir haben sie angemeldet und hoffen das Beste. Überlege dauernd, ob es wohl ihre gemeinsamen Nasenaufhängungsprobleme waren, die sie ursprünglich zusammengeführt haben.
Als ob ich nicht schon genug Probleme hätte, setzte Dennis eines Abends kurz den Schnorchel ab und sagte, er finde, es wäre bestimmt sehr hilfreich, gegen Ende der Freizeit eine Plenarrunde durchzuführen. Ob ich Lust hätte, dabei die Leitung zu übernehmen?
Darauf ich: „He, ja, klar, gute Idee! Das mache ich sehr gern. Fand ich schon immer ganz toll – Plenarrunden, meine ich. Geht doch nichts über so eine gute alte Plenarrunde. Ja, prima!“
Während er in den Schlaf abdriftete – wahrscheinlich zu einem träumerischen Tauchgang, um sich an den schillernden Farben tropischer Fische und natürlicher Korallen zu ergötzen –, empfand ich den dringenden Wunsch, ich hätte direkt gesagt, dass ich nicht weiß, was eine Plenarrunde ist. Warum mache ich so etwas immer noch? Warum tue ich mit Mitte sechzig immer noch so, als wüsste ich über Dinge Bescheid, von denen ich in Wirklichkeit keine Ahnung habe? Was ist eine Plenarrunde? Keinen Schimmer. Hört sich irgendwie nach Planen oder Planieren an. Muss nachschlagen, sobald ich dazu komme. Nur gut, dass es Google gibt.
An einem Samstag kam Gerald vorbei, um über die Planung der Freizeit zu sprechen. Zeigte ihm ein Buch namens Geistliches Ethos schaffen von einem gewissen Denver Mountainberger, das ich mir gekauft habe. Ein Amerikaner, glaube ich.
Gerald warf einen Blick darauf und sagte: „Hm, komisch, oder? Schon wieder eine Nummer eins auf den internationalen Bestsellerlisten. Wie kommt es eigentlich, dass jedes christliche Taschenbuch aus Amerika, das ich je gesehen habe, Nummer eins auf den internationalen Bestsellerlisten ist? Das kann doch nicht bei allen stimmen, oder? Ich meine, per definitionem müssten doch schließlich manche Bücher Nummer zwei, drei, vier und so weiter sein, damit andere die Nummer eins sein können, oder?“
Gerald hatte schon immer die Neigung, lieber die kleinen Abzweigungen zu erkunden, statt friedlich die Hauptstraße entlangzutuckern.
In einem Kapitel mit dem Titel „Eine ganz besondere Zeit“ schildert Mountainberger, wie die Mitglieder seiner Gemeinde während einer Wochenendfreizeit eine ihrer Mahlzeiten in völliger Stille einnahmen, mal abgesehen von der inspirierenden geistlichen Musik, die am hinteren Ende des Speisesaals spielte. Das Ergebnis war, sagt er, eine „Vertiefung der Bande zueinander und zu Gott, eine wahrhaft herzerwärmende Zeit, voller Liebe, Gnade und geistlicher Harmonie durch die zwar lautlose, aber umso beredsamere Begegnung unserer Blicke.“
Dachte mir, das könnten wir bei unserer Freizeit ja auch mal versuchen. Las den kurzen Abschnitt abends im Bett Anne vor. Sie gähnte, runzelte die Stirn und sagte: „Wie vertieft man denn Bande? Müsste man sie nicht eher stärken oder festigen oder so? Die Stelle, die du gerade vorgelesen hast, hört sich so an, als ob sich die Bande in die Haut einschneiden.“
Bewahrte meinen Gleichmut und sagte: „Darauf kommt es doch jetzt gar nicht an. Was hältst du allgemein davon, dass wir eine Mahlzeit schweigend einnehmen?“
Sie gähnte abermals. „Ach, ich weiß nicht … es ist ja schließlich eine Familienfreizeit, nicht? Was machen wir mit den Kindern?“
Ich erwiderte: „Na ja, ganz ehrlich, wenn Eltern ihre Kinder im Laufe eines ganzen Wochenendes nicht einmal eine Stunde lang im Zaum halten können, dann stimmt doch etwas nicht mit dem Ganzen – mit Eltern, die das nicht schaffen. Aber spricht dich dieser Gedanke einer wahrhaft herzerwärmenden Zeit voller Liebe, Gnade und geistlicher Harmonie denn nicht an?“
Darauf Anne: „Doch, klar, hört sich wunderbar an. Gerade deshalb denke ich ja, dass eine schweigende Mahlzeit bei einer Familienfreizeit wahrscheinlich keine so gute Idee ist.“
Fragte am nächsten Morgen Gerald, was er von meiner Idee mit der Schweigemahlzeit hielt. Ich sagte: „Mama scheint nicht sehr erpicht darauf zu sein, aber sie sieht auch nicht immer alles richtig. Zum Beispiel dachte sie dieses Jahr irgendwann mal, sie hätte unrecht, aber dann stellte sich heraus, dass sie sich irrte. Da sieht man ja, dass sie nicht immer recht hat.“
Verschwand auf die Toilette, bevor er etwas dazu sagen konnte. Schaute mich noch einmal um und sah, wie er mir erstaunt hinterhersah. Schön zu wissen, dass man seinen eigenen Sohn nach all den Jahren noch beeindrucken kann.
Bevor Gerald sich nach dem Mittagessen auf den Heimweg machte, fragte ich so beiläufig wie möglich: „Macht ihr bei euch in der Gemeinde viele Plenarrunden, Gerald, oder … oder nicht?“
„Na ja – manchmal schon, denke ich, ja. Wieso fragst du?“
„Ach, weißt du, ich habe mich nur gefragt, was für interessante Dinge bei denen passiert sind, die du geleitet oder organisiert oder – gemacht hast?“
Er sah mich an, nachdem er Anne, die gerade das Geschirr in die Spülmaschine räumte, einen Blick zugeworfen hatte.
„Nun ja, abgesehen von allem anderen kommt es darauf an, dass die Wassertemperatur genau richtig ist, Paps. Meinst du nicht auch, Mama?“
„Oh ja, die muss stimmen.“
„Die Wassertemperatur?“
„Ja“, fuhr Gerald fort. „Ich meine, wenn du jedem einzelnen Teilnehmer persönlich wirklich gründlich die Füße waschen willst, dann musst du darauf achten, dass das Wasser nicht zu heiß und nicht zu kalt ist und dass es während der ganzen Waschung warm genug bleibt. Um genügend Handtücher musst du dich natürlich auch kümmern. Wenn du das richtig machst, kann alles Mögliche passieren.“
„Klar. Klar. Klar …“
O Graus! Allen die Füße waschen? Die Füße jedes einzelnen Teilnehmers? Wirklich gründlich? Hätte man mich vor die Wahl gestellt, glaube ich, hätte ich mich lieber einschließen und zwingen lassen, jede jemals gedrehte Folge von EastEnders anzuschauen, bis ich alle Drehbücher auswendig kenne.
Hörte Anne und Gerald lachen, als sie sich ein paar Minuten später draußen auf der Eingangstreppe verabschiedeten. Als Anne wieder hereinkam, fragte ich sie, was denn so witzig gewesen sei.
Darauf sie: „Ach, nichts, Liebling. Nichts Wichtiges. Ehrlich.“
Hmm.
Ziemlich frustrierende Neuigkeit heute Morgen, nur wenige Tage vor unserer Gemeindefreizeit. Alf Sanderson ist ein alter Freund von uns und einer der Kirchenvorsteher von St. Peters, der Gemeinde, die uns für die Freizeit den Referenten und die Kindermitarbeiter zur Verfügung stellen soll.
Alf rief an und sagte, die Gemeinde von St. Peters habe so etwas wie eine Implosion erlitten. Überrascht mich eigentlich nicht sehr. Unmittelbar offensichtlich, dass James Galston, ihr Pfarrer, der seit ein paar Monaten im Amt ist, sich in einem anscheinend unvermeidlichen „anglikanischen Frühling“ befindet – das ist so ähnlich wie der arabische Frühling, nur in Miniaturform und von spezifisch anglikanischer Art. Mein Sohn, der mit James auf dem Seminar war, schildert ihn als einen von den Leuten, denen es nicht das Geringste ausmacht, über die theologische Bedeutung der Liebe zu diskutieren und gleichzeitig Kaninchen zu erwürgen, und die wahrscheinlich mit Gemeindegliedern ähnlich umgehen würden, wenn sie eine Lücke im Kirchengesetz fänden, die das zuließe.
Gerald hatte James in seiner früheren Gemeinde besucht und erzählte, wie er durch den Haupteingang hereinkam und ihn im Gespräch mit, so Geralds Beschreibung, „einem von diesen total weißen, pummeligen Mädchen, die ihre Pfarrer immer als seelischen Mülleimer benutzen“, antraf. Kaum hatte er Gerald gesehen, schleuderte Galston das arme Mädchen mehr oder weniger von sich. Sie hatte Glück, dass er sie nicht gleich erwürgte, meine Gerald. Sie flog quer über den Mittelgang, prallte am Ende einer Kirchenbank ab und stand dann, nachdem sie sich den Staub ein wenig abgeklopft hatte, ein wenig verbeult und mit einer Schafsgeduld da, um zu warten, bis ihr erwählter Mülleimer wieder verfügbar wäre.
Wir wussten, dass es zwischen dem Pfarrer und den guten Leuten von St. Peters zu wachsenden Konflikten gekommen war, insbesondere, seit er verfügt hatte, dass die Mitglieder der Jugendgruppe ein Glaubensbekenntnis unterzeichnen mussten, bevor sie im Einkaufszentrum Weihnachtslieder singen durften. Allerdings hatten wir nicht geahnt, dass die Lage schon so dramatisch war.
„Ich fürchte“, sagte Alf trübselig, „es war die Sache mit eurer Freizeit, an der sich der Funke letzten Endes entzündet hat. Pfarrer Galston sagt, ihm hätte niemand gesagt, dass David und die beiden Damen zu euch kommen würden, um eure Gruppen zu leiten. Er wurde stinkwütend und schickte überall Nachrichten herum, in denen er Leute dafür kritisierte, dass sie Entscheidungen treffen, ohne ihn zu konsultieren, wo er doch die Verantwortung für das Ganze tragen solle. Nun ja, in eurer Gemeinde müssen sich die Leute so etwas nicht anhören, oder? Ich habe noch versucht, ihm zu verstehen zu geben, dass das vielleicht nicht der ratsamste Weg sei. Aber nichts zu machen. Daraufhin fingen die Leute an, mit E-Mails um sich zu sprühen wie ein Haufen wild gewordener Feuerwehrleute mit Hochdruckschläuchen. Letztendlich versuchte der Pfarrer, mit der Faust auf den Tisch zu hauen. Er sagte David und June und Valerie rundheraus, sie dürften nicht zu euch kommen. Dann ging natürlich die Granate richtig hoch, und das Maß war voll. Am kommenden Wochenende gibt es ein Riesengemetzel von einer Gemeindeversammlung …“
„ … bei dem David und die anderen auf jeden Fall dabei sein müssen.“
„Tut mir wirklich leid, Adrian.“
„Nicht deine Schuld, Alf. Ich hoffe sehr, die Versammlung bringt was. Gottes Segen dafür.“
Was wäre das für ein tolles Team gewesen. Katastrophe! Muss ganz neu überlegen.
Gute Nachricht, was die Referenten für unsere Freizeit angeht – hoffe ich. Gestern rief ich in Scarleeswanvale an, um den Leuten dort unser Thema mitzuteilen und zu fragen, ob sie Leute aus der Gegend dort kannten, die sich für unsere Freizeit zur Verfügung stellen könnten. Bekam heute Morgen eine E-Mail vom Hausleiter, einem Mann namens Alan Varney. Geschrieben im Stil alter Telegramme, bei denen man sich so kurz und abgehackt wie möglich fassen musste, weil man pro Wort zur Kasse gebeten wurde.
„Mr. Plass. Büro hat sich lokal erkundigt. Referent nur für zwei Blöcke am Samstagvormittag gefunden. Stanley Blorgan. Zwei Kindermitarbeiterinnen. Megan Stride und Sarah Pile. Hier nicht bekannt, aber verfügbar. Ja oder nein? Varney.“
Las die Mail Gerald am Telefon vor.
Er sagte: „Hmm, ziemliche Plaudertasche, der Mann, was? Dieser verführerisch poetische Tonfall. Aber eigentlich haben wir ja kaum eine Wahl, oder, Paps? Wir wollen nicht, dass unsere eigenen Leute alles andere verpassen, weil sie es machen müssen. In der Not schmeckt jedes Brot, oder wie man sagt. Lass uns das so machen.“
Erzählte Anne davon. Sie sagte: „Blorgan, Stride und Pile, ja? Hört sich an wie eine von diesen verruchten Anwaltskanzleien bei Charles Dickens. Trotzdem, es wird schon gut gehen.“
Hoffentlich.
Versuchte, Dennis anzurufen, aber er war nicht da. Ich hinterließ ihm eine Nachricht nach einem Signalton, der eine unheimliche Ähnlichkeit mit der höchsten Saite einer Ukulele hatte …
Na ja, vertrau auf Gott und halt die Augen weit offen, wie mein Großvater immer sagte.
Immerhin eine sehr gute Nachricht. Pater John, ein Mönch aus einem immer kleiner werdenden Orden in Scarborough und ein alter Freund von Edwin, kommt zur Freizeit! Großartig! Dieser Mann ist mit seiner wunderbaren Mischung aus erfrischender Alltäglichkeit und schrulliger Mystik im Lauf der Jahre für Anne und mich zu einer Art Leuchtfeuer geworden. Sein Gott scheint viel netter und erheblich pfiffiger zu sein als der, den die meisten von uns zu kennen meinen. Hatte ihm ins Blaue hinein eine kurze Nachricht geschickt und gefragt, ob er kommen könne. Nun schickte er mir einen wunderbaren Brief.
Lieber Herr Plass,
ich werde allmählich lächerlich alt. Die Hoffnung in mir schwillt immer noch an wie ein Ballon, während mein Körper schrumpft, als wäre er mit der falschen Temperatur gewaschen worden. Immerzu sage ich den Leuten, die nächste Sache, bei der ich mitmache, werde für mich das letzte Mal sein, aber dann kommt es doch immer wieder anders – bisher jedenfalls. Ja, ich komme gern zu Ihrer Gemeindefreizeit. Ich weiß, dass der liebe Edwin nicht dabei sein wird. Er hat inzwischen seine letzten Dinge auf dieser Welt erledigt und ist als Pionier losgezogen, um herauszufinden, ob all das, was wir zu glauben behaupten, wirklich wahr ist. Vielleicht interessiert es Sie zu hören, dass ich immer noch Kontakt mit Victoria und Stenneth Flushpool habe – und sogar noch regelmäßiger mit der entzückenden jungen Andromeda, die inzwischen natürlich nicht mehr ganz so jung ist, außer im Vergleich zu mir. Dafür ist sie noch entzückender geworden und erheblich nützlicher für Gott obendrein, nachdem nun ihre herrlich streitbare Natur unter seiner Herrschaft steht. Ich vermute, diese alten Freunde werden wahrscheinlich nicht bei Ihnen sein, aber es würde mich sehr freuen, Sie und die liebe Anne und Gerald und Josey noch einmal wiederzusehen. Cameron muss jetzt ja schon richtig erwachsen sein. Ein zweiter Gerald? Wehe dir, Kirche! Wehe dir, Welt!
Natürlich widerstrebt es mir sehr, in der Frage der Teilnahme gegen den Willen Gottes zu handeln. Deshalb bin ich einem vor vielen Jahren von Ihnen beschriebenen Beispiel gefolgt und habe mich um Gottes Führung bemüht. Ich schlug Gott also in aller Demut vor, falls er nicht einverstanden sei mit meiner Teilnahme, möge er mich dies durch ein Zeichen wissen lassen: General Booth möge heute um 11.36 Uhr in einem purpurnen Rolls-Royce vor unserem Tor vorfahren und „The Laughing Policeman“ singen. Seit 11.35 habe ich mit angehaltenem Atem durchs Fenster hinausgespäht, aber jetzt ist es 11.38, und da der ehrwürdige General nie an Porphyrophobie litt und von unwandelbarer Pünktlichkeit war, schreibe ich Ihnen mit Freude diesen Brief. Bis bald!
Liebe Grüße an alle,
Pater John
Die Zeit vergeht wie im Flug! Morgen brechen wir auf nach Scarleeswanvale. Kaum zu fassen! Ich hoffe, es klappt alles. Früher war ich immer optimistisch bei allem, wozu Gott mich aufforderte. Dann ging ich durch eine Phase, in der ich dachte, alles müsse immer schiefgehen, weil das nun einmal so oft der Fall gewesen ist. Heute weiß ich, dass Dinge selten so gut laufen, wie ich es erwarte, aber auch fast niemals so schlimm ausgehen, wie ich es befürchte.
Habe eben den letzten Absatz Anne gezeigt und sie gefragt, ob das auf ein Wachstum im Glauben hindeute.
Ihre Antwort? „Ja, Liebling, du hast inzwischen fast aufgeholt. Gut gemacht.“
Ist das ein Kompliment?
Jedenfalls werde ich von morgen an versuchen, stündlich alles Wichtige aufzuzeichnen, was sich auf der Freizeit tut. Das könnte eine nützliche Vorlage für Leute werden, die in Zukunft ähnliche Veranstaltungen organisieren.
О проекте
О подписке
Другие проекты