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Der fromme Chaot auf Gemeindefreizeit

1 PLANUNG, PANIK UND MINNIE STAMP

Habe beschlossen, mein Tagebuch aus seinem Schlummer zu erwecken, um in einem kurzen Memorial die Höhepunkte der Gemeindefreizeit festzuhalten, die Dennis mich zu organisieren gebeten hat. Dennis Strang hat vor zwei Jahren den guten Edwin Burlesford als Vorsteher unserer Gemeinde abgelöst. Er ist ein großartiger Prediger und im Allgemeinen ein sehr guter Mann. Ich muss allerdings sagen, wenn er nicht gerade in Aktion ist, dann ist er einer der gelassensten Menschen, denen ich je begegnet bin. In jeder Situation, ob formell oder informell, drinnen oder draußen, ungeachtet des Wetters oder des Anlasses oder irgendwelcher Schwierigkeiten, die sich zeigen mögen, wirkt er wie jemand, der gerade auf den Malediven in der Sonne badet. Unser erstes Gespräch über diese Gemeindefreizeit letztes Jahr war ein gutes Beispiel dafür.

DENNIS: (so, als schirmte er mit einer Hand sein Gesicht von der Sonne ab und riebe sich mit der anderen gemächlich Sonnencreme auf die Brust, obwohl wir in Wirklichkeit im Eingang des Gemeindehauses stehen und es draußen in Strömen regnet) Ach, Adrian, was hältst du davon, irgendwann nächstes Jahr zusammen mit Anne eine Gemeindefreizeit zu organisieren?

ICH: (etwas bestürzt) Äh, nun, das könnte man machen – ja, das würde wahrscheinlich gehen. So eine richtige Gemeindefreizeit haben wir noch nie gemacht, glaube ich. Äh, was ist denn da im Einzelnen zu tun, Dennis?

DENNIS: (bringt gerade noch die Energie auf, um zu antworten, bevor er seinen Strohhut über die Augen zieht und wegdöst, begleitet vom Ruf der Möwen, die hoch über seinem Kopf kreisen) Ach, nicht viel. Du suchst etwas aus, wo wir hinfahren können, stellst das Programm auf und lässt dir ein Thema einfallen. „Wo bleibt die Liebe“ wäre eine Idee. Dann sagst du allen Bescheid, rechnest aus, was es kostet und kümmerst dich um den Transport. Solche Sachen halt. Genau deine Kragenweite, Adrian. Okay? Zzzzzzzz …

ICH: (leise, um ihn nicht zu wecken) Okay. Alles klar. Gut. Prima. Machen wir.

War ein bisschen nervös, wie ich das Anne beibringen sollte. Nachdem ich eine Weile zu Hause war, sagte ich: „Ach übrigens, Dennis hat mich gefragt, was ich davon halte, eine Wochenendfreizeit für die Gemeinde zu organisieren.“

Anne blätterte ungerührt ihre Zeitschrift um und sagte: „Interessant. Na ja, Fragen kostet ja nichts, oder? Du kannst ja mal darüber nachdenken.“

Pause.

„Ja.“

„Was?“

„Ja, ich kann darüber nachdenken, zumal ich mehr oder weniger schon gesagt habe, dass ich es mache.“

Anne legte ihre Zeitschrift nieder.

„Was heißt ‚mehr oder weniger‘? Mehr? Oder weniger?“

Fing an zu labern.

„Na ja, vielleicht eher etwas mehr als weniger. Weniger weniger als mehr. Eigentlich schon recht weit oben auf der Skala von weniger bis mehr.“

„Was!“

„Es könnte sein, dass ich unbeabsichtigt den Eindruck erweckt habe, dass äh …“

Wenn Anne einen tiefen Atemzug durch die Nase tut, so wie in diesem Moment, und zwischen zusammengepressten Lippen ihr unverwechselbares „Mm!“ hervorstößt, weiß ich immer schon, dass mir nichts Gutes blüht.

„Was, bitte, hast du ‚unbeabsichtigt‘ getan? Du hast ihm gesagt, du machst es, oder?“

Pause.

„Oder, Adrian?“

„Nun ja, Dennis meinte, es wäre genau meine Kragenweite.“

Anne schob ihre Zeitschrift zur Seite und sah mich einen Moment lang an, ohne etwas zu sagen.

„Liebling, weiß Dennis überhaupt, welche Kragenweite du trägst? Hat er sich je deinen Kragen genauer angeschaut? Hat er auch nur die leiseste Ahnung, wie viele deiner Hemden ich schon wegschmeißen musste, mein Schatz, weil die Flecken am Kragen von deinen unrettbar in den Sand gesetzten Projekten unmöglich wieder rauszukriegen waren? Du hast ein paar wunderbare Talente, mein Süßer, aber das Organisieren von Veranstaltungen gehört wirklich nicht dazu.“

„Es ist nicht so schlimm, wie es sich anhört, weil …“

Verlor plötzlich allen Mut. Wenn mir die „Lieblinge“ und „Schätze“ und „Süßen“ nur so um die Ohren fliegen, dann ist es an der Zeit, die Waffenrüstung Gottes abzulegen und mich etwas wärmer anzuziehen.

„Weil was?“

„Äh, weil er eigentlich gefragt hat, ob wir beide das machen wollen, und ich gesagt habe …“

„Weil du gesagt hast, wir machen das.“

„Sozusagen, ja.“

„Du hast gesagt, wir machen das.“

„So ähnlich.“

„Du hast gesagt, wir machen das.“

„Beinahe.“

„Du hast gesagt, wir machen das.“

„Ja.“

Bisschen frostige Stimmung den Rest des Tages. Egal, was ich sagte, egal, zu welchem Thema ich mich äußerte, alles wurde geradewegs in den Kanal „Du hast gesagt, wir organisieren die Gemeindefreizeit“ umgeleitet.

„Soll ich den Fernseher anschalten? Jetzt kommt deine Lieblingssendung, die mit dem Kaufhaus.“

„Meinst du wirklich, wir haben Zeit zum Fernsehen? Sollten wir nicht lieber die Gemeindefreizeit planen, von der du gesagt hast, dass wir sie organisieren werden?“

„Ich bringe mal kurz den Müll raus.“

„Nein, lass mich das lieber machen. Am Ende triffst du noch draußen auf dem Bürgersteig irgendjemanden, der dich bittet, irgendeine Aufgabe zu übernehmen, und du sagst zu; und dann haben wir nicht mehr genug Zeit, um die Gemeindefreizeit zu organisieren, von der du gesagt hast, dass wir die Verantwortung dafür übernehmen werden …“

Wurde nach einer Weile ein wenig ermüdend. War froh, als es Zeit zum Schlafengehen war.

Kam am nächsten Morgen nach unten und traf Anne fröhlich vor sich hin summend in der Küche an. Sie steckte gerade Brot in den Toaster.

„Tut mir leid, dass ich gestern Abend so stinkig geworden bin. Gerald hat angerufen.“

„Ach ja?“

„Ja. Ich habe ihm von Dennis’ Vorschlag erzählt, und er meinte, seine Gemeinde und unsere könnten sich doch für eine Wochenendfreizeit zusammentun. Sie haben schon irgendwo gebucht, und von St. Jims kommt nur eine recht kleine Gruppe mit. Offenbar sind in dem Heim noch jede Menge Betten frei. Ist natürlich nicht unbedingt ein gutes Zeichen.“

Sie warf einen Blick auf den Notizblock, der auf dem

Regalbrett neben dem Toaster lag.

„Das Haus nennt sich Einkehrstätte Friedenshof Scarleeswanvale. Das ist in einem Dorf namens Stanwick. Von der Entfernung her nicht so ideal, aber wir werden Mühe haben, so kurzfristig noch etwas näher Gelegenes zu kriegen. Gerald sagt, dieses Scarleeswanvale hätte in letzter Zeit ein paar Probleme gehabt, aber offenbar bieten sie für Gemeinden ordentliche Preisnachlässe an, um wieder mehr Gäste zu bekommen.“

Plötzlich sah sie mich flehend an. Aaaah … welche Erleichterung. Wenn Anne mich flehend ansieht, ist es, als bräche die Sonne im Triumph hinter einer Wolke hervor.

„Adrian, das wäre doch toll! Josey und Cameron kommen auch mit, sagt Gerald. Dann sind wir alle zusammen. Und ich fände es faszinierend, ein paar von seinen Leuten mal woanders zu sehen als bei Ihnen zu Hause. Was meinst du?“

Nickte ernst und bedachtsam und versuchte dabei so auszusehen, als wäre das eine Entscheidung, die reiflicher Überlegung bedürfte.

„Nun, das muss ich natürlich mit Dennis besprechen. Bei solchen Sachen darf man nichts überstürzen, weißt du, Anne. Man muss die Leute auf dem Laufenden halten, wenn du verstehst, was ich meine. Sich verantwortungsvoll verhalten und so.“

Mit einem süßen Lächeln erwiderte Anne: „Möchtest du deinen Orangensaft im Glas oder über den Kopf, Liebling?“

Rief Dennis am Nachmittag zu Hause an und trug ihm die Idee vor. Hätte schwören können, dass im Hintergrund leise rauschende Wellen zu hören waren, die sanft gegen einen tropischen Sandstrand schlugen.

„Finde ich klasse“, sagte er träge und schob sein Glas dem kubanischen Barkeeper hin, um sich noch eine Piña Colada mit etwas mehr Rum und etwas weniger Ananas machen zu lassen. „Hört sich großartig an, Adrian. Mach das. Grüß mir Anne.“

Er legte auf. Weg. Wahrscheinlich war er ein bisschen spät dran, um unten am Strandgrill noch etwas von den Riesengarnelen und den Wildschweinsteaks zu ergattern.

Ab da war ich wirklich begeistert. Anne hängte sich richtig in die Sache rein, Gott sei Dank. Sie konnte schon immer gut organisieren. Überall lagen Listen herum, die sie sich machte, und sie plauderte lebhaft am Telefon mit Josey und Gerald.

Ich freue mich riesig, dass Josey und Cameron, mein sechzehnjähriger Enkel, mit Gerald zur Gemeindefreizeit kommen würden. Cameron steckt voller Überraschungen, wenn Sie wissen, was ich meine.

Und Josey – Josey. Ich weiß noch genau, wie wir unserer damals noch zukünftigen Schwiegertochter erstmals begegneten. Gerald und Josey waren sich nähergekommen, nachdem sie am Ridcliffe Hall Theological College in Camford ein gemeinsames Seminar besucht hatten. Anne und ich sollten sie und Gerald an einem Freitagabend in einem Restaurant in der Barton Road, ganz in der Nähe des Colleges, treffen. Ich war lächerlich nervös. Was sie wohl von mir halten würde? Was hatte sie von meinem Sohn über mich zu hören bekommen? Dann standen wir uns in der Lobby des Restaurants gegenüber. Sie war ziemlich klein und sehr hübsch, hatte kurze dunkle Haare und die ruhigsten, freundlichsten blauen Augen, die ich je gesehen habe.

Sie flüsterte: „Bist du so nervös wie ich?“

„Ich vergehe vor Angst“, erwiderte ich.

Sie hakte sich bei mir unter, stellte sich auf die Zehenspitzen und gab mir einen Kuss auf die Wange. So hat sie es seither immer gemacht. Seit diesem Tag sind Anne und ich hingerissen von ihr, und daran hat sich nie etwas geändert.

Komische Sache mit der Liebe. Man denkt, man verstünde was davon, aber in Wirklichkeit weiß man immer nur ein kleines bisschen über einen winzigen Teil davon. Man bildet sich ein, die verschiedenen Arten der Liebe zu kennen. Als Sohn, als Bruder, als Ehemann, als Vater, als Freund – aber es gibt immer Überraschungen. So eine war Josey. Sie fand einen Platz in mir, an dem noch niemand wohnte, und zog dort ein.

Wahrscheinlich stimmt mit mir irgendetwas nicht. Ich weiß noch, wie ich einmal versuchte, mit meinem Freund Richard darüber zu reden, als Anne und ich mit den Cooks in der Nähe von Middleton-in-Teesdale im Urlaub waren, kurz nachdem Gerald und Josey ihre Verlobung bekannt gegeben hatten. Richard und ich gingen den Wanderweg zum High Force Waterfall hinunter, nachdem es in diesem Teil der Grafschaft Durham vierzehn Tage lang in Strömen geregnet hatte. Nachdenklich und offensichtlich nicht laut genug sagte ich zu ihm: „Denkst du manchmal über die vielen verschiedenen Arten von Liebe nach, Richard?“

„Ja“, erwiderte er mit Nachdruck und versuchte, das lauter werdende Rauschen der Wasserfälle zu übertönen, „das tue ich. Ich glaube, ich kann immer noch eine ganze Menge davon aufzählen. Ich habe sie früher auswendig gelernt. Das war so eine Art Hobby von mir.“

„Was?“

„Willst du ein paar hören, die ich noch weiß?“

Richard Cook? Verschiedene Arten der Liebe? Auswendig lernen? Ich war fasziniert. Da denkt man, man kennt jemanden …

„Ja, klar, leg los.“

„Willst du sie in alphabetischer Reihenfolge haben? So habe ich sie mir eingeprägt.“

„Äh, ja, von mir aus, wie du willst.“

„Ackerzwiebel, Blumenzwiebel, Brutzwiebel, Feldzwiebel, Gartenzwiebel …“

Ich brüllte wie ein Wahnsinniger gegen Wind und Wasser an.

LIEBE, NICHT ZWIEBEL, RICHARD!“ Richard schritt unbekümmert weiter in die Gischt voran und zählte dabei laut und mechanisch seine Zwiebeln auf.

„Hyazinthenzwiebel, Jakobszwiebel, Kartoffelzwiebel …“

„LIEBE! LIEBE!“

„Küchenzwiebel, Lauchzwiebel, Lilienzwiebel, Mäusezwiebel …“

Gab auf. Es kam mir vor, als wäre ich in ein anderes, völlig fremdartiges Paralleluniversum geraten. Um es vorsichtig auszudrücken: Unter einem unaufhaltsamen Wasserstrom zu stehen und dabei einem nicht weniger unaufhaltsamen, alphabetisch geordneten Strom von Namen jeder je entdeckten oder gezüchteten Spezies von Zwiebeln auf diesem Planeten zu lauschen, dürfte wohl ziemlich nahe am Ende des Spektrums meiner surrealen Erlebnisse einzuordnen sein.

Freute mich nicht ganz so riesig, als ich eines Abends einen

Anruf von Minnie Stamp erhielt, bei dem sie mir mitteilte, sie sei fest entschlossen, mit zur Freizeit zu kommen.

Minnie ist eine Grundschullehrerin, die sich vor ein paar Monaten unserer Gemeinde angeschlossen hat. Sie ist Mitte dreißig, eher dünn als schlank, und Kopf, Oberkörper und Beine scheinen bei ihr nie eine gerade Linie zu ergeben. Wahrscheinlich liegt das daran, dass sich immer irgendein Teil ihres Körpers vor ungebetenem Mitgefühl krümmt. Außerdem – ich weiß, man sollte auf so etwas gar nicht achten – hat sie ein kleines

Problem damit, den Buchstaben „R“ auszusprechen, besonders dann, wie ich mir in meinem Fieberwahn einbilde, wenn sie meinen Namen sagt. Eigentlich ganz hübsch auf ihre rührselige, Gänseblümchenkränze flechtende Art, aber sie geht mir ziemlich auf den Wecker, vor allem, weil sie auf jede Äußerung von mir so reagiert, als wäre ich zu ihr in die Seelsorge gekommen.

Letztes Jahr zum Beispiel fragte ich sie in der Gemeinde, ob sie irgendetwas zu dem Erntedankfestabend beitragen wollte, dessen Organisation ich übernommen hatte. Sie legte ihren Kopf zur Seite und kräuselte ihre Augenwinkel zu einer fürsorglichen, mitfühlenden Miene.

„Och Adrian“, sagte sie, „will niemand bei deinem kleinen Picknick mitmachen?“

„Was? Äh, ja, nein, ich meine, es gibt kein Problem, Minnie. Es haben sich schon eine ganze Menge Leute eingetragen, vielen Dank. Es ist auch eigentlich kein Picknick, und ein kleines schon gar nicht. Vor allem ist es nicht mein Picknick. Ich will ja nur …“

„Das gibt dir einen Vorwand, um auf Leute zuzugehen und dich mit ihnen zu unterhalten, nicht wahr, Adrian?“

Was für schwachsinnige Knirpse lässt unser Staat denn von dieser Frau unterrichten, lieber Himmel?

„Minnie, ich habe es nicht nötig …“

„Wir haben dich doch alle lieb, Adrian. Gott liebt dich durch uns. Das weißt du doch, oder? Du brauchst dich nicht winzig klein und verloren zu fühlen. Du bist einer von den Leuten, die ich Gottes arme kleine Heinzelmännchen nenne, wie du dich immer abrackerst und plagst, damit wir dich bemerken. Aber wir bemerken dich doch, und wir haben dich ganz, ganz doll lieb!“

Sie befeuchtete ihre Fingerspitze mit der Zunge und berührte mich damit spielerisch an der Stirn. Hätte sie geahnt, wie dicht dieses arme kleine Heinzelmännchen daran war, ihrem Gesicht mit dem nächsten greifbaren stumpfen Gegenstand eine neue Form zu geben, so wäre ihr das Mark in den Knochen gefroren. Fragte hinterher Anne, wie es sein konnte, dass mir wegen einer solchen Banalität dermaßen die Zornesader schwoll. Warum zum Geier empfinde ich so ein starkes Bedürfnis, mich gegenüber einer Person zu rechtfertigen, die mir jedes Mal, wenn wir uns begegnen, ihre offenkundig lachhaften Einsichten überstülpt?

Ihre Antwort? „Adrian, ich finde, meistens geht es uns überhaupt nichts an, was andere über uns denken. Allerdings hast du tatsächlich etwas von einem armen kleinen Heinzelmännchen an dir. War mir bisher gar nicht aufgefallen. Ich muss mal Gerald fragen, wie er darüber denkt.“

Hmm.

Nachdem ich an dem betreffenden Abend Minnie am Telefon begrüßt hatte, sagte sie: „Du hörst dich ja ganz grummelig-brummelig an, Adrian. Würde über deinem grummelig-brummeligen Tag die helle Sonne aufgehen, wenn ich dir sagen würde, dass ich mit zu diesem Gemeindedingsda komme und dir helfe? Genau das mache ich nämlich!“

Konnte ja jetzt schlecht sagen: „O Gott, nein! Nein, im Gegenteil, ich wünschte, wie hätten einen speziellen Anti-Zuschuss-Fonds, um Leute wie dich dafür zu bezahlen, dass sie wegbleiben.“

Stattdessen sagte ich: „Oh, das ist – das ist schön, Minnie, wirklich schön. Ich trage dich in die Liste ein.“ Fügte hoffnungsvoll noch hinzu: „Du möchtest doch wirklich gern mitkommen, oder?

Nicht, dass du vielleicht denkst, du müsstest, weil wir Probleme hätten, genügend Teilnehmer zu finden …“

„Ehrenwerter Mister Adrian Plass!“, unterbrach sie mich mit gespielter Strenge. „Minnie sagt, du sollst schnurstracks ins Badezimmer gehen, dich im Spiegel anschauen und sagen: ‚Ich bin eine leuchtende Kerze an Gottes Weihnachtsbaum, und alle lieben es, wie ich funkle.‘ Versprichst du mir das?“

„Also, ich …“

„Versprochen?“

„Ach, na schön …“

Als ich abends aus dem Bad kam und ins Bett stieg, fragte ich Anne: „Anne, liebst du es, wie ich funkle?“

Ein Moment Schweigen.

„Nicht gerade dein herausragendes Merkmal, mein Liebling“, sagte sie.

Ha! Dachte ich mir’s doch.

Ich muss sagen, wenn man so eine Veranstaltung zu organisieren hat, merkt man, dass es in der Gemeinde einen Haufen Leute gibt, die sich vorstellen, dass es im Leben darum ginge, möglichst heiter und gelassen von einer Komfortzone in die andere zu segeln. Leute, die einem bisher immer völlig entspannt und hilfsbereit vorgekommen sind, entwickeln plötzlich alle möglichen Ecken und Kanten, die von Leuten wie mir, die eigentlich noch nie so recht wussten, was sie taten, erst einmal geglättet und abgeschmirgelt werden müssen. Die Liste der Kommentare und Fragen liest sich sehr interessant, besonders, wenn ich die Antworten hinzufüge, die ich darauf gegeben hätte, wenn ich kein Christ und nicht mit einer Frau verheiratet wäre, die sich um die Endkorrektur meines Lebens kümmert.

„In welcher Richtung steht das Bett in meinem Zimmer? Ich kann nicht schlafen, wenn meine Füße nach Norden oder Osten zeigen. Ich sollte hinzufügen, dass ich auch dann nicht schlafen kann, wenn mein Kopf nach Süden oder Westen zeigt. Gut schlafe ich dagegen, wenn meine Füße nach Süden oder Westen zeigen oder wenn mein Kopf nach Norden oder Osten zeigt.“

Ja, sicher, keine Sorge. Alle Betten in Scarleeswanvale sind auf Drehscheiben angebracht, wie ein drehbares Tischtablett, und lassen sich in jede beliebige Richtung ausrichten.

„Sind Traumfänger erlaubt? Ich leere jeden Morgen die Albträume aus meinem Traumfänger in die Tonne aus, damit ich für die nächste Nacht vorbereitet bin.“

Ah ja, natürlich, ich hatte ganz vergessen, dass Jesus ja zu seinen Jüngern gesagt hat: „Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben, auch keine Reisetasche und keine Schuhe, aber auf keinen Fall dürft ihr eure Traumfänger vergessen. Schließlich sind sie eine unerschöpfliche Quelle inneren Friedens und nicht etwa ein Haufen Bockmist.“

„Kommt Eileen Jessop auch mit? Wir haben kaum ein Wort miteinander geredet, seit sie sich 2011 auf der Weihnachtsfeier der Gemeinde über meine besondere Baisertorte lustig gemacht hat, und ich wüsste nicht, wie sich das in absehbarer Zeit ändern sollte.“

Ja, Ihre liebe Schwester in Christus Eileen wird ebenfalls dabei und gern bereit sein, die Vergebung zu empfangen, die Sie als Christin ihr sicher nicht versagen werden, der es geboten ist, ihre Feinde zu lieben und ihnen zu vergeben. Ist das nicht schön?

„Mir war nicht klar, dass die Wochenendfreizeit eine Übernachtung einschließt.“

Tut mir leid, meine Schuld. Wahrscheinlich war das Wort „Wochenende“ etwas missverständlich, nicht wahr? Ich kann verstehen, dass das etwas verwirrend für Sie gewesen sein muss. Unbegreiflicherweise haben alle anderen es mühelos verstanden.

„Wir müssen doch dabei nicht irgendetwas tun, oder?“

Lieber Himmel, nein. Natürlich nicht. Wir werden alle das gesamte Wochenende über still und friedlich in unseren Zimmern sitzen, bis wir uns gefahrlos wieder auf den Heimweg begeben können.