Читать книгу «Der fromme Chaot auf Gemeindefreizeit» онлайн полностью📖 — Adrian Plass — MyBook.
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Ein Mann, der in eine Evangelical Community Church (evangelische Gemeinschaftskirche – gibt es denn noch eine andere Sorte?) in unserem Ort ging, lud mich zu einem Treffen der Jugendgruppe ein, die er damals leitete. Colin hatte ein paar meiner Kolumnen gelesen und dachte, das würde seinen jungen Leuten bestimmt Spaß machen. Ich war da nicht so sicher. „Junge Leute“ machen, anders als Erwachsene, keinen Hehl daraus, wenn sie sich langweilen. Das ist ja auch ihr gutes Recht, aber es ist eine Katastrophe für angehende Schriftsteller, die ihnen etwas vorlesen wollen, das witzig sein soll, aber vielleicht gar nicht ist. Schließlich gibt es für Humor nur eine einzige Nagelprobe.

Ich ging trotzdem hin. Sie lachten. Sie lachten sogar eine Menge. Es war ein sehr zufriedenstellender Abend, und ich fasste Mut.

Wie sich herausstellte, war Colin, der mit Nachnamen Saunders hieß, an der Organisation von Spring Harvest nicht unwesentlich beteiligt. Das ist ein großes christliches Familienfestival, das damals auf mehreren im Land verteilten Ferienlagerplätzen stattfand. Ob ich wohl Lust hätte, fragte er, einen dieser Veranstaltungsorte im nächsten April zu besuchen, um die Urlauber dort zu unterhalten? Für Kost und Logis für mich und meine Familie würde gesorgt sein. Nur die Reisekosten müssten wir selbst tragen.

Dazu Ja zu sagen, kam mir so vor, als hätte ich mich bereit erklärt, im Dunkeln Golf zu spielen. Das Ganze war mir ein einziges Rätsel. Ein beängstigendes Rätsel. Eine großartige Möglichkeit, mich vor einer riesigen Menschenmenge zu blamieren.

Drei Monate später stiegen wir mit unseren drei Kindern, unseren Koffern, unserem Fahrgeld für hin und zurück – sowie ein paar Pfund extra für Notfälle – und Eis am Stiel in einen Bus nach Prestatyn. Die Fahrt schien ungefähr sechs Monate zu dauern. Wir waren schlagkaputt, als wir mit unseren drei kleinen Kindern in Prestatyn ankamen, nur um festzustellen, dass wir auch noch einen Tag zu früh dran waren und die Nacht in einer dieser in die Jahre gekommenen Frühstückspensionen an der Küste verbringen mussten, in denen die Teppiche an den Wänden dicker sind als die auf dem Fußboden. Für die Übernachtung ging das Geld drauf, das wir für die Rückfahrt vorgesehen hatten, aber ich schätze, so ist das nun einmal, wenn man im Dunkeln Golf spielt. Augen zu und durch, hieß die

Devise. Eine andere Wahl hatten wir nicht.

Mein erster „Auftritt“ in Prestatyn war ein Albtraum, zumindest am Anfang. Ich stand in einer riesigen Halle an einem Mikrofon, geblendet von Scheinwerfern, vor mir ungefähr ein Hektar Tanzfläche, die mich von den Hunderten von Leuten da ganz hinten trennte, von denen keiner die leiseste Ahnung hatte, wer ich war. Sie alle warteten darauf, dass ich anfing, witzig zu sein. Ein Muskel in meinem Bein pulsierte so heftig, dass ich sicher war, man konnte es hören. Meine Oberlippe klebte an meinen Zähnen, und mein Mund war so trocken wie die Wüste Gobi. Ich krächzte ein paar Worte. Nichts. Ich krächzte noch ein paar. Dann funkelte irgendwo in der Dunkelheit ein kaum merkliches Kichern auf.

Aber das schien der auslösende Funke für den Rest des Publikums zu sein. Sekunden später loderte der ganze Saal vor Gelächter. Die heilsame Wirkung einer positiven Reaktion auf Humor ist sehr bemerkenswert. Pulsierende Beine werden beruhigt und gekräftigt. Oberlippen lösen sich von Schneidezähnen, und trockene Münder werden wie durch Zauberei wieder feucht. Ich hatte die Leute mit Sachen, die aus meinem wirren Kopf entsprungen waren, zum Lachen gebracht! Das war die ganze Geschichte, und es fühlte sich großartig an.

Am Ende des Abends kam ein Haufen junger Mädels zu Bridget und mir herüber, um mit uns zu sprechen.

„Das muss doch bestimmt zum Kaputtlachen sein, wenn man mit ihm zusammenlebt“, sagte eine von ihnen zu meiner Frau.

„Oh ja“, erwiderte Bridget. Wahrscheinlich ließ sie sich im Zeitraffer noch einmal die Ereignisse der letzten beiden Jahre durch den Kopf gehen. „Es ist wirklich zum Kaputtlachen, wenn man mit ihm zusammenlebt. Wir stehen morgens auf und lachen uns kaputt. Dann lachen wir beim Mittagessen und auch den ganzen Nachmittag und Abend hindurch, und manchmal lachen wir auch noch die ganze Nacht. Ja, du hast recht. Wir lachen eigentlich nur …“

Die anderen Lesungen in Prestatyn waren ebenso erfolgreich, aber schließlich ging unser Aufenthalt zu Ende, und wir mussten uns der Tatsache stellen, dass wir schlicht und einfach kein Geld mehr für die Heimfahrt hatten. Ich weiß nicht, was das über uns aussagt, aber weder Bridget noch mir kam je der Gedanke, irgendjemanden von Spring Harvest zu bitten, uns bei diesem Problem auszuhelfen. Vielleicht war es einfach so, dass man finanzielle Hilflosigkeit nicht so leicht wieder loswird, wenn man sie sich einmal angewöhnt hat.

Just, als wir am Tag unserer theoretischen Abreise gepäckbeladen und ziemlich ratlos die High Street entlangwanderten, bot sich uns eine unwahrscheinliche Lösung. Einer von uns bemerkte eine Werbung in einem Schaufenster. Für jeden Mars-Riegel, den man dort kaufte, gab es einen Gutschein für den Bus dazu. Wir legten alle silbernen und kupferfarbenen Münzen zusammen, die wir besaßen, und brachten es auf insgesamt etwas über vier Pfund. Damit konnten wir zwanzig Mars-Riegel kaufen und – o unbegreifliches Wunder! – genügend Gutscheine für sämtliche Fahrkarten für unsere Busfahrt sammeln. Ein echter Erfolg, aber der Nachteil der Sache wird Ihnen nicht entgangen sein. Für diese unendliche Reise stand uns Fünfen nur ein einziges Lebensmittel zur Verfügung. Zwar mochten wir Mars alle gern, schon seit jeher, aber unsere sehr einseitige Ernährung wurde im Lauf der Stunden dann doch ein wenig deprimierend.

Da sich die Kolumne im Family Magazine steigender Beliebtheit erfreute, wurde ich von meinem Bücherverleger gefragt, ob ich nicht Lust hätte, die Kolumnen zu einem gleichnamigen Buch auszubauen. Natürlich hatte ich Lust. Aber wie wäre es, aus dem „Secret“ ein „Sacred“ zu machen? Der Verlag war einverstanden.

Ich schrieb das Tagebuch eines frommen Chaoten in einem alten Wohnwagen am hinteren Ende unseres Gartens, und Bridget schickte die handgeschriebenen Blätter an den Verlag. Wir hatten keine Ahnung, wie sich das wohl als Buch verkaufen würde. Im folgenden Frühjahr erschien es, und wieder einmal wurde ich zu Spring Harvest eingeladen (diesmal nach Minehead), um Auszüge daraus zu präsentieren. Am Tag nach meiner Ankunft schlug jemand vor, ich könnte doch mal hinüber zu den Büchertischen gehen, um Exemplare meines neu erschienenen Werkes zu signieren.

Schon machten sich wieder die Nerven bemerkbar. Bestimmt würde niemand mein Buch kaufen. Und selbst wenn, signieren lassen würde es sich ganz sicher niemand. Schweren Herzens schleppte ich mich zu der Signierveranstaltung und hielt den Kopf gesenkt, während ich mich an den kleinen Tisch setzte, an den die Käufer kommen sollten, um sich ihre Bücher signieren zu lassen. Zehn Minuten, dachte ich, dann bin ich hier weg. Zehn Minuten Peinlichkeit, dass sich die Fußnägel aufrollen, und dann ist alles vorbei. Zwei dieser Minuten vergingen. Eine Stille schien sich auszubreiten. Waren schon alle gegangen? Ich hob den Kopf.

Alle hatten ein Exemplar meines Buches in der Hand. Zwei Stunden lang signierte ich Bücher; dann kehrte ich im tiefsten Schockzustand in das Chalet zurück, wo Bridget, die Jungs und unsere gerade erst geborene kleine Tochter darauf brannten, zu hören, wie es gelaufen war.

Wie war es gelaufen? Nun, was meine Zukunftsaussichten anging, hatte ich eben noch bei null gestanden. Und nun war plötzlich etwas da – und es sah so aus, als könnte mehr daraus werden.

Es wurde mehr daraus. Für Bridget und mich zeigen das die letzten zweieinhalb Jahrzehnte, in denen wir geschrieben und überall auf der Welt zu Leuten gesprochen haben, eindrücklich. In den letzten drei Jahren waren wir beide eng an der „Auferstehung“ von Scargill House beteiligt, einem Tagungs- und Freizeitzentrum in North Yorkshire. Dort haben wir gelernt, falls wir es nicht schon vorher wussten, dass das Lachen, wenn es darum geht, anderen wirklich zu helfen, ganz gewiss nicht nur ein armseliger Ersatz für ernsthafte Seelsorge ist (was immer das sein mag). Das Lachen und die Liebe, so wird uns immer wieder aufs Neue vor Augen geführt, sind unverzichtbar für Leute, denen niemand einen nachvollziehbaren theologischen Erklärungsrahmen für ihre Verzweiflung anbieten kann.

Diese Erkenntnis, in der alles gipfelt und bestätigt wird, was wir in den letzten siebenundzwanzig Jahren erlebt haben, ist wahrscheinlich der Grund, warum dieses Buch ganz anders ist als die frühen Tagebuch-Veröffentlichungen. Ich bin weit davon entfernt, so unglücklich zu sein, wie ich es damals war, aber die Wahrheit ist, dass ich das Leben, die Arbeit, die christliche Gemeinde und Gott viel lustiger und gleichzeitig viel ernster finde als jemals zuvor. Vielleicht bin ich ein bisschen erwachsener geworden, und darum trifft dasselbe auch auf den Adrian aus dem Tagebuch zu. Wir beide sind ja ein und derselbe, nur noch mehr.

Wenn es einen Gott gibt – und es hat immer mehr den Anschein, als ob das der Fall sein könnte –, müssen wir uns ein paar Dinge bewusst machen. Zum Beispiel, dass er nicht nach ganz tollen Christen sucht, sondern nach unzulänglichen Nachfolgern mit der Bereitschaft, gehorsam zu sein. Oder, dass das ungezwungene Gesicht des christlichen Lebens das wahre

Gesicht ist, mit dem Jesus in dieser Welt wirkt und schon immer gewirkt hat. Deshalb ist der Adrian in diesem Buch in der Lage, zwar furchtsam, aber doch beständig und treu der Belastung einer möglichen Tragödie in seinem Leben zu begegnen, während er zugleich hilflos den absurden und enervierenden Annäherungsversuchen von Minnie Stamp ausgesetzt ist – einer neuen Tagebuch-Figur, die wild entschlossen ist, Adrian bei jeder sich bietenden Gelegenheit Seelsorge und Trost angedeihen zu lassen, ob er deren nun bedarf oder nicht.

Dunkelheit und Licht. Tränen und Gelächter. Minnie Stamp und Heldentum. Tragik und Auferstehung. Albernheit und Heil. Dies sind die Schmerzen und Freuden des Weges mit Jesus, und so wird es immer sein.

Ich sollte hinzufügen, dass meine Schilderung von Scarleeswanvale zwar gewiss nicht als Porträt von Scargill House gedacht ist, aber manche Leute zweifellos den einen oder anderen Pinselstrich wiedererkennen werden.

Ich hoffe, Sie haben beim Lesen dieses Buches ebenso viel Spaß wie ich beim Schreiben.

Eben kam mir übrigens eine Frage in den Sinn. Was wäre gewesen, wenn ich nicht Adrian hieße?