Читать книгу «Methoden der Analogie» онлайн полностью📖 — Petr Krylov — MyBook.

Von da an stirbt Wissen nicht mehr mit dem Greis. Es bleibt in Ton, Stein und Papyrus bewahrt. Die Menschheit erhält unmittelbaren Zugang zu den Erfahrungen ihrer Vorfahren – ohne den Umweg über die mündliche Überlieferung mit all ihren Verzerrungen.

Dieser Sprung ist die direkte Folge einer bis zum Äußersten getriebenen Methode der Ähnlichkeit: Wenn ein Bild einen Gegenstand vertreten kann und ein Zeichen ein Bild, dann tritt am Ende das Zeichen an die Stelle der Wirklichkeit. Und mit dieser ersetzten Wirklichkeit lässt sich arbeiten, ohne die Höhle überhaupt zu verlassen.

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5.6 Bildhafte Schulen als Hüter der Archetypen

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In Kulturen, in denen die Schrift bildhaft geblieben ist – also hieroglyphisch –, hat sich auch eine besondere Art des Denkens erhalten. Die philosophischen Schulen Chinas, Japans und Tibets operieren nicht mit Begriffen, sondern mit archetypischen Bildern.

Das Dao ist der Weg. Man kann es nicht definieren, man kann nur die Richtung zeigen.

Yin und Yang sind keine Begriffe, sondern Bilder: Schatten und Licht, Berg und Tal, Frau und Mann.

Die fünf Wandlungsphasen sind keine Elemente, sondern Zustände der Materie: Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser.

Dasselbe gilt für die hermetische Tradition, für die Heraldik und für das Tarot. Jedes Symbol ist eine Verdichtung von Sinn, die sich nicht in einer einzigen Definition erschöpfen lässt. Man kann es nur entfalten, so wie sich ein Hieroglyphenzeichen zu einer ganzen Geschichte aufblättert.

Platon nannte das die Welt der Ideen. Die Welt der Dinge sind nur blasse Schatten, geworfen von idealen Urbildern. Hieroglyphe, Rune, Tarot-Arkanum – sie alle sind der Versuch, die Idee selbst festzuhalten: die Superposition, den facettenreichen Sinn, das Hologramm, nicht bloß ihren Schatten.

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5.7 Was wir erkannt haben

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Die Schrift entstand nicht als Erfindung, sondern als natürliche Fortsetzung der Methode der Analogie auf der Ebene des Denkens.

Welche Art von Schrift sich herausbildet – hieroglyphisch oder alphabetisch –, hängt davon ab, welche Gehirnhälfte in einer Kultur den Ton angibt.

Runen sind womöglich ein seltener Fall, in dem beide Ansätze miteinander verschmelzen.

Bildschriften haben die Verbindung zum archetypischen Denken bewahrt – jenem Denken also, das in alphabetisch geprägten Kulturen verloren ging oder in den Bereich von Mythen und Legenden abwanderte.

Die Schrift wurde zum ausgelagerten Gedächtnis der Menschheit: Sie machte es möglich, Wissen zu sammeln und weiterzugeben, ganz unabhängig von der Lebensspanne seiner Träger.

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5.8 Übergang zum nächsten Kapitel

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Indem der Mensch den Gedanken im Zeichen festhielt, gewann er die Möglichkeit, Gebilde zu schaffen, die zuvor undenkbar waren. Der nächste Schritt besteht darin, diese Fähigkeit auf den Maßstab des ganzen Kosmos zu übertragen. Wie Menschen Tempel und Pyramiden nach dem Vorbild des Himmels bauten, darum geht es im sechsten Kapitel.

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Kapitel 6. Kosmische Projektion (keltisch) – der Tempel als architektonisches Modell der Welt.

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– Schon gehört? Stonehenge hatten sie tatsächlich als eine Art Kalenderchen gedacht!

Kannst du dir vorstellen, was die wohl für Kuckucksuhren hatten?

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6.1 Der Himmel als Uhr

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Wenn man lange in den Nachthimmel blickt, merkt man irgendwann: Er steht nicht still. Die Sterne treiben langsam von Osten nach Westen, die einen gehen auf, die anderen unter. Auch Sonne und Mond sind in Bewegung, nur folgen sie ihren eigenen, komplizierteren Bahnen. Schaut man noch genauer hin, scheint sich der Sternenhimmel um einen bestimmten Stern – den Polarstern – zu drehen, als wäre er das „Zentrum des Universums“.

Für die Menschen der Antike war diese Bewegung nichts Abstraktes. Von ihr hing alles ab: wann der Nil über die Ufer trat, wann der richtige Stern aufging, damit man säen konnte, wann der Tag der Tagundnachtgleiche kam. Der Himmel funktionierte wie ein gigantisches Uhrwerk – nur dass der gesamte Himmelsbogen das Zifferblatt war und Sonne, Mond und Planeten die Zeiger.

Die Aufgabe der Priester war im Grunde eine einzige: zu lernen, die Signale dieses Mechanismus zu lesen und aus den kosmischen Rhythmen vorherzusagen, was als Nächstes geschehen würde.

Genauer gesagt: die irdischen Angelegenheiten – Landwirtschaft, Weinbau, Viehzucht, Navigation – mit ihnen in Einklang zu bringen.

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6.2 Wozu der Staat das braucht

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Heute wirkt die Astronomie wie eine reine, abstrakte Wissenschaft, weit weg vom Alltag.

In der Antike war sie jedoch eine Technik des Überlebens und der Herrschaft.

Die Landwirtschaft brauchte einen präzisen Kalender: wann man sät, wann man erntet, wann mit dem Anschwellen der Flüsse zu rechnen ist.

Religion und Macht waren an die himmlischen Zyklen geknüpft: der Pharao als Sohn der Sonne, der Kaiser als Herrscher kraft des Mandats des Himmels. Wer den Kalender beherrschte, beherrschte das Ritual. Wer das Ritual beherrschte, beherrschte die Menschen.

Navigation – nach den Sternen orientierte man sich auf dem Meer wie in der Wüste.

Steuern und Buchführung verlangten ein einheitliches Zeitsystem: Wann waren Abgaben einzuziehen, wann begann das Jahr?

Wann begann die Aussaat, wann die Ernte, wann trieb man das Vieh von den Sommer- auf die Winterweiden und so weiter.

Die Priester wurden zu den ersten professionellen Astronomen. Ihr Wissen war geheim, denn es verlieh Macht. Und zum Rechnen brauchten sie nicht nur Tabellen, sondern auch Instrumente.

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6.3 Die ersten architektonischen Rechner

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Lange vor dem Mechanismus von Antikythera begannen Menschen, steinerne Observatoriumsbauten zu errichten, die wie analoge Rechenmaschinen arbeiteten.

Das Prinzip ist einfach: Richtet man ein Bauwerk präzise nach den Himmelsrichtungen und nach den entscheidenden Punkten von Auf- und Untergang der Gestirne aus, zeigt es die Zeit von selbst an – durch Schatten, Licht oder die Stellung eines Sterns in einer Öffnung.

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Die bekanntesten Beispiele:

Stonehenge, England (ca. 3000–2000 v. Chr.). Der Ring aus tonnenschweren Steinen ist auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende ausgerichtet. Einige Forscher meinen, dass die Anlage sogar die Vorhersage von Mondfinsternissen ermöglichte.

Die Pyramiden von Gizeh, Ägypten (ca. 2560 v. Chr.). Die Große Pyramide ist mit einer Genauigkeit von einem Zwanzigstel Grad nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Die Schächte im Inneren der Pyramide zielen auf bestimmte Sterne – so ist etwa der Schacht der Pharaonenkammer auf den Oriongürtel ausgerichtet, der mit Osiris gleichgesetzt wurde.

Der Tempel des Amun-Re in Karnak, Ägypten. Die Achse des Tempels ist auf den Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende ausgerichtet. An einem bestimmten Tag fiel ein Sonnenstrahl durch den ganzen Tempel und erleuchtete das Heiligtum. Dieser Augenblick galt in der Antike als Beginn des Neuen Jahres.

Chichén Itzá, Mexiko (ca. 600–900 n. Chr.). Die Pyramide des Kukulcán ist so gebaut, dass an den Tagundnachtgleichen der Schatten ihrer Stufen den Eindruck einer kriechenden Schlange hervorruft.

Newgrange, Irland (ca. 3200 v. Chr. – älter als die Pyramiden!). Am Tag der Wintersonnenwende dringt ein Sonnenstrahl durch eine schmale Öffnung und beleuchtet die innere Halle genau 17 Minuten lang.

Die Präzision dieser Bauwerke ist verblüffend. Die Pyramiden von Gizeh sind mit einer Abweichung von weniger als 0,1° an den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Stonehenge erfasst die Sonnenwenden mit einer Genauigkeit von wenigen Winkelminuten. Dafür musste man jahrzehntelang Beobachtungen anstellen und über ausgefeilte geometrische Kenntnisse verfügen.

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6.4 Präzession und der magnetische Pol — der Schlüssel zur Datierung

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Hier wird es erst richtig interessant.

Die Erde ist keine perfekte Kugel, und ihre Achse dreht sich nicht nur langsam, sondern taumelt auch wie ein Kreisel. Dieses Phänomen nennt man Präzession. Ein vollständiger Umlauf durch den Tierkreis dauert etwa 26.000 Jahre. Durch die Präzession verschieben sich die Punkte der Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden langsam entlang des Tierkreises, und der Polarstern war nicht immer der Himmelspol.

Außerdem wandern auch die magnetischen Pole der Erde über den Globus – und das noch chaotischer als die geografischen.

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Für die Archäoastronomie sind die zodiakale und die magnetische Präzession ein einzigartiges Instrument.

Ist ein Tempel auf den Aufgang eines bestimmten Sterns oder auf den Punkt der Sonnenwende ausgerichtet, lässt sich mit heutigen Berechnungen ermitteln, wann genau diese Ausrichtung stimmte. Mit anderen Worten: Der Stein selbst kann verraten, wann man ihn gesetzt hat.

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Beispiele:

Der Tempel des Amun-Ra in Karnak. Zeigt seine Achse auf den Sonnenaufgang am Tag der Wintersonnenwende, dann führen die Berechnungen auf eine Datierung um 2000–2500 v. Chr. – was mit den archäologischen Befunden übereinstimmt.

Stonehenge. Die Ausrichtung auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende weist auf ein Datum um 2000 v. Chr. hin (gemessen an der Hauptbauphase).

Einige ägyptische Tempel, die auf den Stern Sothis (Sirius) ausgerichtet sind, erlauben eine Datierung auf konkrete Jahre mit einer Genauigkeit von etwa einem Jahrzehnt.

Doch es gibt auch Rätsel. Einige megalithische Bauwerke (etwa Göbekli Tepe in der Türkei, 10.000 v. Chr.) zeigen Ausrichtungen, die Forschende bislang nicht eindeutig deuten können.

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Offenbar hängt das mit dem periodischen Wechsel der magnetischen Pole der Erde zusammen – und damit auch mit einem regelrechten „Purzelbaum“ des Planeten, samt allen Folgen, die das nach sich zieht. In der Bibel ist das als die „Sintflut“ bekannt.

Mit einer Periode, die ein Vielfaches des Präzessionszyklus im Tierkreis ist.

Das heißt: alle ~25 776 oder ~12 888 Jahre.

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6.5 Provokante Fragen

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Sobald man zu rechnen beginnt, tauchen Fragen auf, auf die die offizielle Geschichtsschreibung keine einfachen Antworten parat hat.

Die erste Frage: Gewicht und Transport.

Die Große Pyramide besteht aus Blöcken von 2 bis 80 Tonnen Gewicht. Das Gesamtgewicht liegt bei rund 6 Millionen Tonnen. Wie hat man sie transportiert und mit millimetergenauer Präzision in Position gebracht, sodass die Fugen zwischen den Blöcken nicht mehr als 0,5 mm betragen?

Die zweite Frage: die Genauigkeit der Ausrichtung.

Die Abweichung bei der Ausrichtung der Pyramiden nach den Himmelsrichtungen liegt unter 0,1°. Das setzt entweder langwierige astronomische Beobachtungen voraus oder Kenntnisse der Geodäsie, die laut Lehrbüchern erst Jahrtausende später auftauchte.

Dritte Frage: der Sternenhimmel.

Die Schächte in der Cheops-Pyramide sind auf den Oriongürtel (nach Süden) und auf Alpha des Drachen (nach Norden) ausgerichtet. Doch wegen der Präzession stimmten diese Richtungen nur in einer bestimmten Epoche exakt. Die Berechnungen ergeben etwa 2500 v. Chr. – was der Bauzeit entspricht. Doch wer hat diese Winkel berechnet – und wie? Wozu brauchte man eine solche Genauigkeit, wenn die Schächte vermauert waren und nie für Beobachtungen genutzt wurden?

Vierte Frage: Wissen, das nicht in die Geschichte passt.

Die Erbauer kannten die Länge des Jahres mit einer Genauigkeit von nur wenigen Minuten. Sie kannten die Präzessionsperiode (die erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde). Sie wussten, dass die Erde eine Kugel ist (schon Platon schrieb darüber — aber wer hat es die Ägypter gelehrt?). Sie beherrschten eine Mathematik, mit der sich Winkel bis auf Bogensekunden genau berechnen ließen.

Woher?

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6.6 Was wir mit Sicherheit wissen

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Über Theorien von Paläokontakten, Atlantiden und Außerirdischen kann man streiten. Aber die Fakten bleiben Fakten:

Über die ganze Welt verstreut stehen steinerne Observatorien, die vor Tausenden von Jahren errichtet wurden.

Sie sind mit einer Präzision auf den Himmel ausgerichtet, die hohe Mathematik und langwierige Beobachtungen voraussetzt.

Sie arbeiteten wie analoge Computer und ermöglichten es den Priestern, die entscheidenden Daten des Jahres präzise zu bestimmen.

Sie verbanden Religion, Macht und Wirtschaft zu einem einzigen System.

Einige von ihnen sind bis heute nicht vollständig entschlüsselt.

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6.7 Fazit für das Buch

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Die kosmische Projektion ist eine Methode, bei der Architektur zum Instrument wird, um den Himmel zu erkennen. Der Mensch blickt nicht einfach nur zu den Sternen hinauf. Er errichtet ein steinernes Modell der Himmelsmechanik, um sich selbst in ihren Lauf einzuschreiben. Die Pyramide ist kein Grabmal, sondern eine Uhr. Der Tempel ist kein Ort des Gebets, sondern ein Empfänger für himmlische Signale.

Und diese Methode funktionierte. Sie schenkte Kalender, Berechenbarkeit, Macht. Und ganz nebenbei hat sie uns Rätsel hinterlassen, die wir bis heute nicht lösen können.

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6.8 Übergang zum nächsten Kapitel

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Wenn die Pyramiden den Himmel im Außen nachbildeten, dann lag das nächste Modell im Inneren des Menschen. Wie der Mikrokosmos beschaffen ist und warum das Blut nach demselben Gesetz fließt wie die Flüsse – davon im nächsten Kapitel.

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