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Männer, heiratet kleine, zierliche Frauen — für sie sind Pelzmäntel billiger.
Und kaufen muss man so einen Mantel — so oder so — am Ende ja doch.
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2.1 Von der Ähnlichkeit zum Handeln
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Die magische Ähnlichkeit operierte mit ganzheitlichen Bildern. Der Mensch setzte den Bison mit der Zeichnung gleich und sich selbst im rituellen Tanz mit dem Bison. Doch bei der Lösung ganz praktischer Aufgaben zeigte sich etwas anderes — etwas Einfacheres, Handfesteres.
Die Natur hatte viele menschliche Probleme längst gelöst.
Man musste die fertige Lösung nur noch in die eigene Praxis übertragen.
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2.2 Was man sich von der Natur abgeschaut hat
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Der Mensch des Paläolithikums lebte mitten in der Natur, nicht getrennt von ihr. Tag für Tag, Stunde um Stunde beobachtete er:
Wie ein scharfer Stoßzahn Fleisch zerreißt.
Wie eine Kralle sich in die Haut krallt.
Wie ein Horn den Schutz durchstößt.
Wie ein robuster Knochen Belastung aushält.
Wie ein schalenförmiges Blatt oder eine Schale Wasser festhält.
Wie das Fell eines Tieres die Wärme bewahrt.
Er dachte nicht: „Man müsste ein Messer erfinden“. Er dachte: „Ich brauche etwas, das tut, was ein Stoßzahn tut.“ Und nahm einen Stoßzahn.
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2.3 Der erste funktionale Transfer
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Der einfachste und älteste Transfer besteht darin, fertige Naturformen für ihren unmittelbaren Zweck zu nutzen — nur eben in menschlichen Händen.
Stoßzahn und Klaue wurden zu den ersten schneidenden Werkzeugen.
Hörner — zu den ersten Stoßwerkzeugen.
Felle — zur ersten Kleidung und zum ersten Unterschlupf.
Muschelschalen, Kürbisse und Hörner — zu den ersten Behältern.
Knochen — zu den ersten Griffen und Hebeln.
Der Mensch erfand nichts. Er übernahm nur fertige Lösungen von Mutter Natur.
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2.4 Von der Übernahme zur Modifikation
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Dann begann das eigentlich Interessante. Der Mensch bemerkte: Wenn ein Stoßzahn gut schneidet und sich ein Stein bearbeiten lässt, dann kann man einem Stein die Form eines Stoßzahns geben.
So entstand das erste Messer. Kein Stoßzahn, sondern ein Stein, zugeschliffen wie ein Stoßzahn.
Die Funktion ging von einem Träger auf den anderen über. Das ist schon keine bloße Übernahme mehr, sondern eine Übertragung der Funktion.
Die Schale ahmt zuerst die aneinandergelegten Handflächen nach, dann die Muschel und schließlich das Tongefäß, das nach dem Vorbild der Muschel geformt wurde.
Der Hammer ahmt zuerst die Faust nach, dann den Stein in der Faust und schließlich den Stein, der an einen Stock gebunden ist.
Die Nadel ahmt eine Fischgräte oder einen Pflanzendorn nach.
Jeder Gegenstand, den wir heute in den Händen halten, hat ein Vorbild in der Natur — oft eines, das schon vor Tausenden von Jahren abgeschaut wurde.
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2.5 Warum das eine Methode der Analogie ist
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Hier arbeitet die Analogie nicht auf der Ebene des Bildes (diese Zeichnung ist ein Bison), sondern auf der Ebene der Funktion (dieser Gegenstand funktioniert wie ein Stoßzahn).
Der Mensch erkannte die Ähnlichkeit nicht im Aussehen, sondern in der Funktionsweise. Er übertrug nicht die Form, sondern das Prinzip.
Das ist ein gewaltiger Schritt in der Entwicklung des Denkens. Von der konkreten Ähnlichkeit („Bison als Zeichnung“) zur abstrakten („scharf wie eine Kralle“). Abstraktion entsteht aus der Analogie von Funktionen.
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2.6 Beispiele, die bis heute überlebt haben
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Viele Lösungen, die wir uns von der Natur abgeschaut haben, werden bis heute fast unverändert genutzt.
Die medizinische Spritze mit Nadel — nach dem Vorbild der Schlangendrüse mit ihrem Stoßzahn.
Die Säge — nach dem Vorbild eines gezackten Blattrands oder des Kiefers eines Insekts.
Der Klettverschluss — im 20. Jahrhundert erfunden, aber von der Klette abgeschaut (und damit eine direkte Fortsetzung der Methode).
Der Hebel — er funktioniert nach dem Prinzip eines Gelenks oder einer Wurzel, die einen Stein heraushebelt.
Isolierung — Wolle, Flaum und Federn sind bis heute die besten und oft auch die begehrteren Wärmespender.
Selbst modernes Design, die Bionik, arbeitet mit derselben Methode der funktionalen Übertragung — nur bewusst und technisch verfeinert.
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2.7 Was diese Methode dem Menschen gebracht hat
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Zeitersparnis. Man muss das Rad nicht neu erfinden — die Natur hat die Baupläne längst geliefert.
Zuverlässigkeit. Die Lösungen der Natur haben sich in Millionen Jahren der Evolution bewährt.
Eine Grundlage für Weiterentwicklung. Vom Stoßzahn zum Messer, vom Messer zum Schwert, vom Schwert zur Werkzeugmaschine.
Das Verständnis von Funktion. Der Mensch lernte, nicht nur Dinge zu sehen, sondern auch, was sie tun.
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2.8 Übergang zum nächsten Kapitel
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Indem er fertige Lösungen übernahm, begriff der Mensch schnell, dass sich nicht nur Form und Funktion übertragen lassen, sondern auch soziale Rollen. So entstanden Totems und die Identifikation nach Sippen. Wie der Mensch zum Wolf, Adler oder Bären wurde, darum geht es im dritten Kapitel.
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«Hier ist das Gesetz des Dschungels – unverrückbar wie das Firmament.
Der Wolf lebt, solange er es wahrt,
doch bricht er dies Gesetz, so ist sein Tod gewiss.
Wie ein Geflecht von Lianen windet sich das Gesetz und wächst nach beiden Seiten:
Die Stärke des Rudels liegt darin, dass es nur durch den Wolf lebt,
die Stärke des Wolfs ist die ganze Kraft seines eigenen Rudels».
Rudyard Kipling, «Das Gesetz des Dschungels» (veränderte Übersetzung von W. Toporow).
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3.1 Von der Übernahme der Form – zur Übernahme des Wesens
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Der Mensch lernte, sich bei der Natur fertige Formen auszuleihen: Der Stoßzahn wurde zum Messer, das Fell zur Kleidung, die Muschel zur Schale. Dann lernte er, Funktionen zu übertragen: Ein Stein, zugeschliffen wie eine Kralle, schnitt kaum schlechter als die echte.
Doch früher oder später musste die Frage aufkommen: Lässt sich nicht nur Form und Funktion übertragen, sondern auch die innere Natur, ja das eigentliche Wesen des Tieres? Seine Kraft, seine Gewandtheit, seine List, seine Fähigkeit zu überleben?
Die Antwort lautete: ja. So entstand die Methode der Totem-Identifikation.
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3.2 Totemismus als systematischer Plagiat
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Ein Totem ist nicht bloß ein „Schutztier“. Es ist der Versuch des Menschen, sich ein ganzes Paket natürlicher Lösungen anzueignen, das die Evolution lange vor seinem Erscheinen ausgearbeitet hat.
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Der Wolf ist stark, zäh, lebt im Rudel, folgt dem Leittier und lässt die Eigenen nicht zurück. Ein Mensch, der sich mit dem Wolf identifiziert, versucht, selbst so zu werden. Er kopiert nicht die Form (ein Wolfsfell wird er sich ohnehin überwerfen), sondern das Verhalten, die Hierarchie, die Psychologie, die Ausstrahlung.
Das ist schon keine bloße Übernahme eines Werkzeugs mehr. Es ist die Übernahme einer Lebensweise, einer Denkweise, mitunter sogar eines ganzen „Verhaltenskodex“. Von dem, was man heute Archetyp und egregoriale Anbindung nennt.
Die Totem-Schule ist der erste Versuch der Geschichte, der Natur ein fertiges Überlebenskonzept abzuschauen und es auf ein menschliches Kollektiv zu übertragen.
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3.3 Vom Totem zu philosophischen und militärischen Schulen
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Je komplexer die Gesellschaft wurde, desto feiner wurden die Übernahmen.
Tierstile der Kampfkunst (Wushu, Kung-Fu) sind eine unmittelbare Fortsetzung der Methode der Analogie. Der Mensch streift sich nicht bloß das Fell des Tigers über; er bewegt sich wie ein Tiger, greift an wie ein Tiger, lauert wie ein Tiger, atmet wie ein Tiger. Indem er die äußere Form nachahmt, erschließt er sich die innere Mechanik des Tieres.
Der Tiger – sanfte Kraft und jähe Schärfe.
Der Affe — List und Geschmeidigkeit.
Der Kranich — Balance und Distanz.
Die Schlange — Fluss und Unberechenbarkeit.
Die Gottesanbeterin — Präzision und Zugriff.
Das ist kein Sport. Es ist eine Technik des Überlebens, aufgebaut auf einer tiefen Analyse der Natur.
Die schamanischen Schulen gingen noch einen Schritt weiter. Sie entlehnen der Natur nicht nur Bewegungen, sondern auch Bewusstseinszustände. Der Tanz des Totems ist eine Möglichkeit, in Resonanz mit dem Archetyp des Tieres zu treten und Zugang zu seiner „Psychoenergetik“ zu gewinnen. Für den Schamanen ist das Totem kein Symbol, sondern ein Verbindungskanal.
Der Shintoismus (Japan) ist ein seltenes Beispiel für Totemismus, der sich bis zur Ebene einer Staatsreligion erhalten hat. Kami sind keine Götter im europäischen Sinn. Es sind die Geister von Orten, Erscheinungen, Tieren und Ahnen. Der Mensch steht der Natur nicht gegenüber, sondern ist in sie eingebunden wie ein jüngerer Verwandter. Feste, Rituale, Tempel – all das hat sich bis heute erhalten und verträgt sich erstaunlich gut mit der technologischen Moderne.
Japan ist der beste Beweis dafür, dass totemisches Denken kein Überbleibsel ist, sondern ein Fundament, auf dem man Wolkenkratzer errichten kann.
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3.4 Yakuza-Clans und das tierische Fundament
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Die Yakuza sind ein Phänomen, das sich außerhalb eines totemischen Kontexts kaum begreifen lässt.
Viele Clans bauen ihre Philosophie und die Techniken ihrer Kampfstile auf einer „tierischen“ Grundlage auf. Drache, Tiger, Schlange – das sind nicht einfach nur Symbole auf dem Schild. Darin stecken Technik und Bewegungslehre, Verhaltenskodex, Hierarchie und Strategie. Der Clan denkt sich selbst als Rudel oder Löwenrudel. Die Beziehungen im Inneren folgen Regeln, die man sich von der Natur abgeschaut hat: Anführer, Vertraute, Disziplin, Territorium.
Und es funktioniert. Die Yakuza-Clans gehören zu den widerstandsfähigsten kriminellen Strukturen der Welt. Nicht etwa, weil sie besser bewaffnet wären, sondern weil ihr innerer Aufbau über Millionen Jahre Evolution hinweg geschärft worden ist.
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3.5 Speznas und tierische Stile heute
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Der moderne Speznas gilt scheinbar als Gipfel der Technologie. Doch selbst hier ist das Totem-Denken keineswegs verschwunden.
So nutzt etwa der Speznas in Thailand eine Kampfschule, deren Archetyp der Elefant ist. Nicht etwa, weil die Kämpfer einen Rüssel nachahmen. Der Elefant steht für Kraft, Standfestigkeit, Unaufhaltsamkeit. Durch dieses Bild versetzt sich der Kämpfer in einen Zustand, in dem ihm diese Eigenschaften für den pragmatischen Einsatz verfügbar werden.
GRU, Speznas, Marineinfanterie – in ihrer Ausbildung finden sich bis heute Elemente tierischer Stile (Bewegungsmuster, Sprünge, psychologische Einstimmung).
Kampfkünste, die für das Militär entwickelt wurden, enthielten in der Regel eine Totem-Komponente, auch wenn man das nicht an die große Glocke hängte. Die Embleme vieler Geheimdienste und Spezialeinheiten, auch heraldische Wappen, tragen bis heute nicht ohne Grund die eine oder andere Darstellung von Totems.
Ein Mensch, der sich mit einem Raubtier identifiziert, kämpft anders. In ihm springen Mechanismen an, die die Evolution lange vor dem Auftauchen der Kalaschnikow angelegt hat.
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3.6 Warum das kein Überbleibsel, sondern eine Ressource ist
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Die Verfolgung des Totemismus — durch monotheistische Religionen, die Aufklärung und die Wissenschaft — hat ihn nicht ausrotten können. Warum?
Weil die Methode funktioniert.
Sie gibt dem Menschen Zugriff auf fertige Verhaltensmuster, geschliffen von Millionen Jahren. Der Tiger überlegt nicht, wie er angreifen soll – er weiß es längst, auf der Ebene des Egregors und des Unterbewusstseins. Ein Mensch, der in den Zustand des Tigers eintritt, quält sich ebenfalls nicht mit hamletischen Grübeleien. Er handelt intuitiv und oft erstaunlich treffsicher.
In Situationen, in denen die Zeit zum Nachdenken nur nach Augenblicken bemessen ist – im Kampf, in Verhandlungen, in Gefahr –, erweist sich das totemische halbbewusste Denken als ungleich wirksamer als die logische Starre, in die Angst und Überraschung uns treiben.
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3.7 Die Methode der Totem-Identifikation in Reinform
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Kurz gesagt, funktioniert die Methode so:
In der Natur (oder bei einem bestimmten Tier) ein Bündel von Eigenschaften ausfindig machen, die der Mensch braucht.
Einen Weg finden, diese Eigenschaften nachzubilden – durch das Nachahmen von Bewegung, Atmung, Bild oder Ritual.
Sich mit dem Wesen, das diese Eigenschaften verkörpert, so weit identifizieren, dass die Grenze verschwindet („ich bin nicht wie ein Tiger, ich bin ein Tiger“).
Diesen Zustand nutzen, um die Aufgabe zu lösen.
Das ist keine Magie im primitiven Sinn. Das ist eine Psychotechnologie, die darauf beruht, dass das Gehirn sich durch tiefe Angleichung („Spiegelung“) die Eigenschaften des beobachteten Objekts aneignet.
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3.8 Übergang zum nächsten Kapitel
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Die Totem-Identifikation lehrte den Menschen, sich bei der Natur ganze Verhaltensstrategien abzuschauen. Doch es blieb noch ein Bereich, in dem die Natur dem Menschen offenkundig überlegen war — das Vorhersehen von Zeitläufen und Ereignissen. Wie der Mensch dem Himmel den Kalender abschaute und planen lernte, darum geht es im vierten Kapitel.
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