Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass aus Sicht von Gemeindelebenskünstlern und -künstlerinnen nur drei Aspekte eines jeglichen christlichen Buches von Bedeutung oder Interesse sind. Diese sind das Cover, der Rückumschlag und die ersten zwei oder drei Absätze. Der eigentliche Inhalt, den man sich immer noch im letzten Moment aus den Fingern saugen kann, nachdem die eigentliche Arbeit getan ist, ist kaum von Belang. Viele christliche Autoren, die nichts von formaler Gemeindelebenskunst verstehen, vergeuden ihre Zeit damit, gewissermaßen das Rad neu zu erfinden. Angesichts dessen ist es für Gemeindelebenskünstler und -künstlerinnen leicht ersichtlich, wie wesentlich es für die Leser ist, vor der Erkenntnis geschützt zu werden, dass sie im Begriff sind, dasselbe Buch zum fünften oder sechsten Mal zu lesen, wenn auch in leicht veränderter Form.
Die Titelgestaltung und insbesondere der Titel selbst sollten die Verheißung enthalten, ein Problem zu lösen, dass für seine Unlösbarkeit berüchtigt ist. Mein bisher erfolgreichstes Buch trug einen packenden Titel in leicht erhabenen, pechschwarzen Großbuchstaben auf weißem Hintergrund.
ZWEIFEL ZERSTÖREN
Wie Sie in weniger als sechs Wochen zu einem totalen, unerschütterlichen Glauben kommen
Außerdem enthält das Cover einen weiteren starken Anreiz für potenzielle Leser:
Ein lebensveränderndes Buch …
Diese nützliche Aufschrift, die natürlich vor der Abfassung des Buches ausgewählt wurde, stammt aus einem Vorrat universell verwendbarer Coverphrasen, die ich im Lauf der Jahre zusammengestellt habe (die vollständige Liste ist erhältlich beim Institut für Gemeindelebenskunst zum Preis von drei Pfund einschließlich Porto und Verpackung). Fügen Sie stets die drei Punkte am Ende der Phrase hinzu, da sie durchblicken lassen, dies sei nur ein winziger Auszug aus einer viel längeren und vollständigeren Liste von Komplimenten von irgendjemandem.
Einige weitere Möglichkeiten:
Ein gigantischer Schritt nach vorn für die gesamte christliche Gemeinde …
Strahlendes Licht für die, die in der Dunkelheit leben …
Ein außergewöhnlicher/umwerfender/erstaunlicher / gewaltiger Triumph …
Eine Botschaft direkt aus dem Himmel …
Worte des Lebens, der Heilung und der Inspiration …
Ein Buch, das buchstäblich die Achse der Erde verschieben wird …
Die endgültige Antwort auf alle geistlichen Fragen …
Gott selbst hat dieses Buch geschrieben …
Der Rückumschlag sollte eine Zusammenfassung des Inhalts des Buches enthalten, meist »Klappentext« genannt, und überschwänglich positive Kommentare von (möglichst bekannten) Leuten, denen vor dem Erscheinen eine Kopie des Manuskriptes zugesandt wurde.
Der Klappentext kann ebenso wie der Inhalt des Covers vor dem Buch selbst geschrieben werden. Zweifel zerstören wurde (von mir) folgendermaßen beschrieben:4
»In diesem Buch nimmt sich Durham Steadman vor, einen Bereich des Glaubens auszugraben und gründlich zu erforschen, der in der Vergangenheit vernachlässigt oder mit Gleichgültigkeit behandelt wurde. Andere Bücher zu diesem Thema stellen Fragen. Steadman spricht furchtlos die Antworten aus. In einer Reihe leicht verständlicher Abschnitte wird jeder Aspekt des Problems bearbeitet und auf eine Weise geklärt, die den Rastlosen Ruhe und dem sehnsuchtsvollen Herzen Erfüllung bringen wird.«
Mit den Empfehlungen von berühmten Leuten ist es ein wenig kniffliger. In meinem Fall zum Beispiel fielen die Reaktionen auf die Manuskripte, die mein Verlag verschickte, durchweg so negativ aus, dass ich ein wenig kreativ kürzen musste, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Hier ist eine Abschrift des Originals einer Kritik, aus der ich einige Kommentare für den Rückumschlag von Zweifel zerstören herausgriff. Die Teile, die schließlich auf der Rückseite des Buches zitiert wurden, sind hervorgehoben.
»Dieses Buch ist nicht nur entsetzlich schlecht geschrieben; das Manuskript war auch, als ich es aus dem Umschlag nahm, mit einer ekelhaften, marmeladenähnlichen Substanz verschmiert. Ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen, weil die erste Seite an meinen Fingern festklebte. Dies, verbunden mit den abscheulichen und schwachsinnigen Gedanken, die in dem Buch zum Ausdruck kommen, brachte meinen ganzen Organismus durcheinander; es hielt mich die ganze Nacht über wach. Ich sollte hinzufügen, dass ich es besonders unerhört finde, dass Sie als Verlag mir in Ihrem Begleitbrief weismachen wollen, Steadman sei ein Christ von seltener Genialität. Ich bilde mir über solche Dinge gern meine eigene Meinung. Ich weiß nicht genau, was das Gegenteil von »Genialität« ist, aber was immer es ist, dass Steadman über diese Eigenschaft verfügt, dürfte feststehen. Durch eine gewaltige Willensanstrengung und rein aus Pflichtgefühl habe ich es tatsächlich geschafft, dieses Buch bis zum Ende zu lesen. Eine herkulische Leistung! Es ist absoluter Müll! Meine Empörung nahm stetig zu, während ich mich durch den negativen Sumpf dieses grauenhaften Buches kämpfte. So außer mir war ich, dass ich hinterher das Manuskript Seite für Seite in den Kamin steckte, und als Steadmans Worte vor meinen Augen aufloderten, konnte ich endlich Frieden finden. Bitte beachten Sie, dass ich nicht den Wunsch habe, noch weitere Bücher der inkompetenten Scharlatane zu rezensieren, die für Ihr Haus schreiben. Dies ist mein letzter Brief an Sie, und ich werde Kopien an alle meine Freunde verschicken, um sie davor zu warnen, sich mit einem Verlag einzulassen, der sich nicht entblödet, eine so unglaubliche Eruption dummen Gefasels zu veröffentlichen.
Alec Delve – Maidstone
Das letzte Erfordernis ist ein starker, verlockender Einstieg von einem oder zwei Absätzen, um den Blick des potenziellen Lesers zu fesseln. Zweifel zerstören fing folgendermaßen an:
»Von der riesigen goldgelben Himmelskuppel brannte die Sonne erbarmungslos nieder auf das Metall der Eisenbahnschienen, an die ich mit Händen und Füßen gefesselt war. Unter Hohngelächter und Freudengeheul waren die Angehörigen des kriegerischen Aswari-Stammes auf ihren Kamelen in die ewige, gnadenlose Wüste davongeritten und hatten mich allein und hilflos zurückgelassen. Nun wurde die lange Stille, die nach ihrem Verschwinden eingetreten war, durchbrochen vom Schnaufen und Dröhnen einer riesigen Dampflokomotive, die unerbittlich durch die dünne Wüstenluft in meine Richtung rollte. Keine Chance, dass der metallene Riese rechtzeitig zum Stillstand kommen würde, selbst wenn der Gobadi oder Lokführer wach genug war, meinen hilflosen Körper durch die vor Hitze flimmernde Luft auszumachen. Verzweifelt versuchte ich mich schreiend bemerkbar zu machen, doch meine schwächlichen Rufe wurden durch das Donnern des nahenden Ungeheuers zu Fetzen zerblasen. Das Einzige, was zwischen mir und dem sicheren Tod stand, war mein Glaube an einen Gott, der Wunder tun kann.
›Hilf mir!‹, schrie ich heiser aus meiner von der trockenen Luft ausgedörrten Kehle. ›Hilf mir, Gott!‹
Keine dreißig Meter mehr entfernt, folgte das Ruß speiende Ungeheuer donnernd dem einspurigen Gleis. Ich kniff meine Augen fest zu und wartete auf das abrupte Ende. Jetzt konnte mich gewiss nichts mehr retten …5
Ich war hierher ins Zentrum der Wüste Gobi gekommen als Mitglied eines Missionsteams, dessen Aufgabe die Übersetzung und Verteilung usw. usf.«
So einen Einstieg brauchen Sie. Natürlich müssen Sie dann noch den Rest des Inhalts schreiben. Das mag sich nach einer ermüdenden Plackerei anhören, aber es muss nun einmal eine bestimmte Anzahl von Seiten gefüllt werden, ehe das Ergebnis zutreffend als »Buch« bezeichnet werden kann. Aber womit Sie sie füllen, spielt eigentlich keine Rolle. Tippen Sie einfach etwas ein und schicken Sie es ab. Solange Sie das Cover und die ersten paar Absätze richtig hinbekommen haben, kann Ihnen nichts passieren.
Gemeindelebenskunst und Dichtung
Vielen Dank an Steadman für diese Beiträge. Soviel ich weiß, hat sich dieser große Gemeindelebenskünstler noch nie an Dichtung versucht, doch in den frühen Achtzigerjahren hat sich Jerome Sandman, der in unserem alten Institutsquartier in Frome in Kreativer Gemeindelebenskunst ausgebildet wurde, auf Gemeindeveranstaltungen und Festivals einen beachtlichen Namen als Dichter gemacht. Die Gedichte, die er schrieb und vortrug, waren, wie er selbst im privaten Gespräch zugab, zufällig zusammengewürfelt und vollständig sinnfrei; doch seine Gewohnheit, in Boxershorts und Boxhandschuhen aufzutreten und sein Make-up und seine Frisur so zu gestalten, dass er dem einstigen britischen Schwergewichtsmeister Joe Bugner (siehe Abbildung) so ähnlich wie möglich sah, hatte etwas unnachahmlich, schockierend Bizarres an sich. Dazu kam, dass sein Vortragsstil so eindringlich und düster-bedeutsam war, dass das christliche Publikum ihm gebannt lauschte und manches Mal von seinen Lesungen zutiefst bewegt war. Hier ist eine Probe seiner Arbeit. Das Gedicht trägt den Titel »Refrain, erblasst und antiquiert«.
Refrain, erblasst und antiquiert,
du hast den blauen Schmerz verschlungen
und hast das Lügenband geschlungen
siebenfach um das Schneegeviert.
Von perlschimmernden Feldern her
dringt über Belgiens Schreckgesichter
das Zucken greller Sternenlichter
durch rote Nacht bis hin zum Meer.
Fürchte den Regen, scheu den Dorn,
bleib fern von den verseuchten Teichen,
und gibt ein Engel dir ein Zeichen,
so beuge dich des Raben Zorn.
Ich weiß von Sandman selbst – und sehe keinerlei Grund, an seiner Behauptung zu zweifeln –, dass diese lächerliche Aneinanderreihung von Wörtern seine Zuhörer regelmäßig zu Tränen rührte. Eine Frau sagte ihm, nachdem sie es gehört habe, habe sie zum ersten Mal den Zusammenhang von Prädestination und freiem Willen richtig verstanden. Ein anderer Zuhörer spendete spontan einen Pooltisch für die Seemannsvereinigung.
Eine Stilrichtung christlicher Lyrik, an der sich wohl fast jeder Gemeindelebenskünstler erfolgreich versuchen kann, ist die sogenannte Gegensatzliste, oder kurz GSL. Hierzu ist lediglich erforderlich, dass jede Zeile einen irgendwie gearteten Gegensatz enthält. Ein solches Gedicht kann kurz oder lang sein, ganz nach Wunsch. Elaine Broadwater aus Haywards Heath, die ihre beliebten Werke vor Christen in ihrem eigenen Wohnort und im ganzen Bereich von East Sussex vorträgt, hat uns freundlicherweise erlaubt, als Beispiel hier ihr Gedicht »Gott ist« zu zitieren, entnommen aus ihrer Sammlung mit dem Titel Gedichte von oben, unten, hier, dort, überall und nirgendwo (erhältlich beim Institut für Gemeindelebenskunst zum Preis von acht Pfund fünfzig je Band, einschließlich Porto und Verpackung – siehe Abbildung).
Gott ist das weiche Herz aus Granit
die kalte Glut im Feuer
Er ist die Zukunft der Vergangenheit
die Wahrheit auf des Lügners Zunge.
Gott ist die Weisheit der Toren
die Stille der Gezeiten
der Sommer im Winter
der Demut stolzes Angesicht.
Gott ist die Morgendämmerung zur Nacht
das Lächeln hinter finsterer Miene
der Berg im Tal
der Pfad, der hinab in die Höhe führt.
Gott ist der Sturm, der die Stille einhüllt
der Stern am leeren Himmel
die Stimme, die das Schweigen bricht
das Leben, das niemals erstirbt.
Gott ist der Regen, der die Wüste überflutet
der umsonst bezahlte Preis
der Vogel, der, wo keine Vögel fliegen, fliegt
das Finden des Verlorenen.
Vor der endgültigen Entscheidung, »Gott ist« in diesem Jahresbericht zu veröffentlichen, rief ich Elaine an und gab ihr behutsam (ich wollte ihr ja auf keinen Fall zu nahe treten) zu verstehen, das Gedicht habe vielleicht doch ein wenig zu viel Ähnlichkeit mit einem wirklich guten Gedicht. Sollte man es in einem Bericht veröffentlichen, der ausschließlich von Gemeindelebenskünstlern und -künstlerinnen gelesen wird, die zu Recht mehr Wert auf Effekt als auf Substanz legen? Elaine lachte herzhaft und wies mich darauf hin, sie habe etwa eine halbe Stunde gebraucht, dieses »Gedicht«, so wie es ist, zu schreiben.
»Ich hätte ewig so weitermachen können«, sagte sie. »Schwarz, weiß, klein, groß, flach, tief, Liebe, Hass, man schmeißt einfach alles in mehr oder weniger sinnvoller Reihenfolge zusammen, wirft ein paar Alliterationen ein und bingo! Schon hat man ein Gedicht, fertig zur Veröffentlichung und zum Vortragen. GSL ist ein Kinderspiel. Jeder sollte es mal versuchen.«
Die hohe Kunst der schwammigen Wörter
Für Gemeindelebenskünstler und -künstlerinnen, die sich für Die hohe Kunst der Kommunikation interessieren, war es bei der Vorbereitung ihrer Ansprachen und Vorträge schon immer sehr nützlich, dass es eine erhebliche Anzahl »schwammiger« Wörter gibt, die in der Welt der christlichen Kommunikation im alltäglichen Gebrauch sind. Andere haben gezeigt, dass dies auf jeden Fall im Bereich der Chorus- und Choraltexte gilt, doch wie wir sehen werden, ist eine viel umfassendere Anwendung möglich. Die Wörter, mit denen wir es hier zu tun haben, mögen an sich sehr bedeutungsvoll sein, doch bei ihrer Verwendung durch erfahrene Praktiker der Gemeindelebenskunst kann ihr Sinn zum Verschwimmen gebracht und praktisch austauschbar gemacht werden. Einige der nützlichsten Beispiele, die wir schon im Bericht des letzten Jahres veröffentlicht haben, sind hier aufgelistet:
Gnade
Liebe
Gehorsam
Glaube
Wahrheit
Hoffnung
Mut
Ehrfurcht
Demut
Friede
Die bemerkenswert flexible Natur dieser Begriffe lässt sich anschaulich machen, wenn wir uns die Variationen in Sätzen wie dem folgenden genau anschauen:
»Wenn wir die Saat der GNADE in dem guten Boden der LIEBE ausstreuen und sie mit dem belebenden Regen des GEHORSAMS bewässern, werden wir schließlich die reiche Ernte des GLAUBENS einbringen.«
Ausgedehnte und lückenlos dokumentierte Experimente haben gezeigt, dass die übergroße Mehrzahl der Gruppen und Gemeinden diese unverhohlen sinnfreie Aussage fraglos akzeptiert, besonders wenn sie mit einem einfachen Diagramm veranschaulicht wird (siehe Diagramm). Schließlich ist sie reichlich von Wörtern durchsetzt, die allgemein als »okay« akzeptiert sind, und scheint auch nicht weniger Sinn zu ergeben als das meiste Zeug, das sie zu hören gewohnt sind. Tatsache ist jedoch, dass die Reihenfolge, in der die Schlüsselwörter verwendet werden, wenig bis gar keine Auswirkungen auf die allgemeine Aussage des Satzes hat. Zum Beispiel könnte man sich entscheiden, sie einfach umzudrehen.
»Wenn wir die Saat des GLAUBENS in dem guten Boden des GEHORSAMS ausstreuen und sie mit dem belebenden Regen der LIEBE bewässern, werden wir schließlich die reiche Ernte der GNADE einbringen.«
Nimmt man zwei Wörter heraus und füllt die Lücken mit wahllosen Ersatzwörtern aus der »schwammigen« Liste, so macht das nicht den geringsten Unterschied, außer dass dadurch der Gemeindelebenskünstler oder die Gemeindelebenskünstlerin in der Lage ist, (wahrheitsgemäß) zu behaupten, er oder sie verkünde etwas Neues.
»Wenn wir die Saat des GLAUBENS in dem guten Boden der DEMUT ausstreuen und sie mit dem belebenden Regen der HOFFNUNG bewässern, werden wir schließlich die reiche Ernte der GNADE einbringen.«
Natürlich werden wir das. Und selbst wenn wir alle vier Wörter austauschen, wird dieser Teich verbaler Undurchsichtigkeit so still und unbewegt bleiben wie eine dunkle Glasscheibe.
Schauen Sie sich unser letztes Beispiel an:
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