Zweiter Teil:
Die hohe Kunst der effektiven Kommunikation
Es ist unser unerschütterlicher Glaube, dass fast jeder Gemeindelebenskünstler oder jede Gemeindelebenskünstlerin, wie genussvoll unwissend oder herrlich träge auch immer, in der Lage ist, über jedes biblische oder geistliche Thema zu sprechen, zu schreiben oder zu predigen, solange sie sich mit den Ratschlägen und Hinweisen vertraut machen, die uns die Meister dieser Kunst in Vergangenheit und Gegenwart zur Verfügung stellen. Durham Steadmans vorzügliches, wenn auch rätselhaft betiteltes Buch Sin Bull Hit (erhältlich beim Institut für Gemeindelebenskunst zum Preis von vierzehn Pfund einschließlich Porto und Verpackung) ist unserer Meinung nach weit und breit das beste Standardwerk. Wir beginnen diesen Abschnitt mit Beispielen aus Steadhams Ratschlägen.
Seien Sie originell
Von Zeit zu Zeit kann es für Gemeindelebenskünstler und -künstlerinnen notwendig sein, einen Vortrag oder eine schriftliche Arbeit abzuliefern, die langweilig, steif und von bleischwerer Orthodoxie ist. Die sinkenden Auflagen vieler unserer christlichen Zeitschriften sind an sich schon ein Tribut an die unermüdlichen Anstrengungen wenig bekannter, aber sehr engagierter Absolventen des Instituts für Gemeindelebenskunst in Frome und neuerdings in Great Malvern. Doch diese unbesungenen Helden würden sicherlich zustimmen, dass es in der Hauptsache unsere Aufgabe ist, mit der Originalität unserer Herangehensweise an die Schrift, an Bücher und historische Gestalten zu blenden und zu beunruhigen, auch wenn wir so gut wie nichts über sie wissen. Dies lässt sich auf verschiedenerlei Weise bewerkstelligen, doch eine der ergiebigsten Methoden ist es, einfach einem Buch, einem Schriftsteller oder einem berühmten Christen vorzuwerfen, es mangele ihnen gerade an der Qualität, die sie bislang ausgezeichnet hat.
Ein anschauliches Beispiel, das ich selbst mit vorzüglichem Erfolg in Ansprachen und Bibelarbeiten verwendet habe, betrifft den Propheten Jona. Aus Mut und Loyalität, so betone ich immer wieder, habe Jona sich in Tarsis eingeschifft, und nur eine Mischung aus Feigheit und schierem Ungehorsam habe ihn schließlich dazu veranlasst, in Ninive zu predigen. Beiläufig erwähne ich dabei auch, es sei nicht unbedingt so, dass der große Fisch Jona verschlungen habe, sondern in einem sehr realen Sinne habe Jona den großen Fisch verschlungen.
»Wagen wir es«, so frage ich die Gruppe oder Gemeinde, vor der ich spreche, »zuzulassen, dass wir der Wahrheit ins Gesicht sehen, die hinter dieser Geschichte steckt, die wir zu kennen und zu verstehen glauben, oder werden wir uns hinter blutleeren Konventionen verstecken und Gott und einander verschämt zuflüstern, dass uns die Wahrheit nicht interessiert? Meine Freunde, hören Sie die Herausforderung? Und werden Sie ihr folgen?«
Meistens folgen sie ihr tatsächlich, und ganz ehrlich, wenn Sie diesen Kniff erst einmal beherrschen, wird Ihnen die biblische Welt und die christliche Welt im Allgemeinen zu Füßen liegen. Es gibt so viele Möglichkeiten, wenn Sie sich die Mühe machen, die Bücher der Bibel, historische Gestalten und bekannte Schriftsteller aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Beispiele aus der Bibel:
Apostelgeschichte: Schwer zugänglich und undurchschaubar theoretisch, ohne viel Dramatik oder realistische Handlung.
Offenbarung: Eine nette Abwechslung nach all den schwer zu durchdringenden Büchern, wahrscheinlich das klarste und einfachste von allen.
Prediger: Ein zum Brüllen komisches Buch, geschrieben von einem echten Optimisten. Heitert mich immer wieder auf und erinnert mich daran, dass sich das Leben eben doch lohnt. (Manchmal lasse ich mich von Leuten dabei beobachten, wie ich schmunzelnd über dem Buch des Predigers sitze und gelegentlich den Kopf zurückwerfe und in schallendes Gelächter ausbreche.)
Psalmen: Ohne wirkliche lyrische oder musikalische Qualität. Befassen sich vorwiegend mit banalen Themen und versäumen es, die Tiefen emotionaler Not der Menschen, die sich nach Gott sehnen, auszuloten. Kaum ein Bewusstsein oder eine Anerkennung für die dunkle Seite der menschlichen Erfahrung.
Ruth: Schwer beladen mit Rauheit und Brutalität. Unsympathische, lieblose Hauptfiguren, die den Leser an der Menschheit im Allgemeinen und an den Frauen im Besonderen verzweifeln lassen.
1. Mose: Hinterlässt beim Leser den tiefen Wunsch, mehr über die Anfänge, die Ursprünge der Schöpfung, die anfängliche Freundschaft zwischen Gott und seinem Volk und darüber zu erfahren, was denn die Seligkeit dieser Beziehung schließlich zerstört hat.
Klagelieder: Zu lustig.
Philemon: Zu lang.
Jesaja: Zu kurz.
4. Mose: Zu emotionsgeladen.
Hiob: Im Stil sehr prosaisch und ein deprimierender Hinweis darauf, dass Männer und Frauen, die aus eigener, bewusster Schuld heraus in die Irre gehen, sehr oft nicht bereit sind, auf die vorzüglichen Ratschläge weiser Freunde zu hören.
Hoheslied: Eine leidenschaftslose Abhandlung über die intellektuellen und praktischen Probleme des formellen Umgangs zwischen Männern und Frauen. Ach, käme doch etwas von den sinnlichen, sexuellen Aspekten menschlicher Beziehungen darin vor!
Jakobus: Eine Ermahnung, dass unser Verhalten und Handeln im Vergleich zu unserem Glauben von geringer Bedeutung ist.
Genau dasselbe Vorgehen wenden Sie auf historische Gestalten an:
Martin Luther: Konformistischer Theologe, dem jeder Sinn für geistliche Erneuerung abging.
John Wesley: Ein Mann, dessen Leben und Wirken gekennzeichnet und möglicherweise beeinträchtigt war durch seine barsche Weigerung, zu reisen und zu lehren, weil er, wenn er unterwegs war, seine Frau so sehr vermisste.
Juliana von Norwich: Frau aus East Anglia, die sich so sehr in Alltagsdingen verzettelte, dass sie nie dazu kam, die abstrakteren, mystischen Aspekte des Glaubens zu erkunden.
Thomas Morus: Staatsmann und Schriftsteller, dessen Leben und Tod ein deutlicher Hinweis auf die negativen Folgen sind, die es haben kann, wenn wir unsere Prinzipien aufgeben.
General Booth: Ein respektloser, frivoler Mensch, der, wäre er nicht ständig auf der Suche nach Gelegenheiten gewesen, allen möglichen Leuten Streiche zu spielen, vielleicht viel zum Wohl der leiblichen und geistlichen Bedürfnisse einfacher Arbeiter hätte tun können.
Pater Pio: Ein kleiner Angeber. »Schaut alle her! Ich habe die Stigmata! Habt ihr die auch? Nein? Haha, dachte ich mir!«
Und dann sind da natürlich noch die christlichen Schriftsteller:
C. S. Lewis: Die fantasielosen, einfallslosen Schriften dieses Mannes hätten von etwas tieferer Gelehrsamkeit und mehr philosophischer Intuition profitieren können. Was Leser wirklich wollen und brauchen, ist, in eine neue und andersgeartete Welt geführt zu werden.
Aiden Wilson Tozer: Hätte ruhig etwas strenger und weniger versöhnlich sein können. Spielt denn das Kreuz überhaupt keine Rolle?
Gerard Manley Hopkins: Wo bleibt die Launigkeit?
Gilbert Keith Chesterton: Wo bleibt das Paradox?
William Barclay: Wo bleiben die biblischen Andachten?
Augustinus von Hippo: Ist ja schön und gut, wenn er davon predigt, unser Leben zu ändern und Erlösung zu suchen, aber wir wären vielleicht eher bereit gewesen, ihm zuzuhören, wenn Augustinus ein bisschen offener über sein eigenes früheres Leben gesprochen hätte. Hatte er zum Beispiel jemals eine Konkubine oder etwa uneheliche Kinder? Dürfen wir das erfahren?
Paulus: Unzulänglich gebildet und ohne jeden Hang zum Briefeschreiben, könnte man zu dem Schluss kommen, dass dieser antriebslose Dauerzweifler zuließ, dass sein Mangel an Zuversicht unnötige Barrieren zwischen den Heiden und dem Evangelium aufrichtete, das sie so dringend brauchten.
Entdecken Sie Probleme, wo keine sind
Viele Christen haben, seltsam schwebend zwischen Furcht und Lust, ein Gespür oder einen Instinkt dafür, dass das Böse in den unwahrscheinlichsten Nischen und Spalten des Alltags lauern und darauf warten könnte, den arglosen Gläubigen von hinten zu überfallen. Gemeindelebenskünstler und -künstlerinnen, die andere durch das gesprochene oder geschriebene Wort beeinflussen wollen, sollten sich dieser Neigung bewusst sein und sie hin und wieder bei ihrer Arbeit ins Spiel bringen. Als Beispiel führe ich einige Leseproben aus einem Zeitschriftenartikel an, den ich für die Frühjahrsausgabe 2001 der Zeitschrift Christliche Alpha-Familien des 21. Jahrhunderts geschrieben habe. Er zog über hundert Dankesbriefe nach sich und sorgte, wie ich in aller Bescheidenheit andeuten möchte, vermutlich dafür, dass sich in jener ganzen Jahreszeit erheblich weniger christliche Menschen in der Landschaft verstreut fanden.
»Fallera« oder »Fall nicht rein!«
Durham Steadman beleuchtet die versteckten Gefahren eines einfachen Frühlingsspaziergangs
Sie machen sich auf zu einem netten Spaziergang, um einen jener herrlichen Frühlingstage zu genießen, die wir alle so sehr lieben. Der Himmel ist blau, die Sonne lacht, und Lämmchen tollen auf den Weiden um ihre Mütter herum. Die blauen, gelben und weißen Blüten spüren, dass der lange, kalte Winter endlich zu Ende ist, und öffnen vorsichtig ihre zutraulichen Gesichter, um die Wärme der Aprilsonne in sich aufzunehmen und zu genießen. Die ganze Schöpfung scheint über das allenthalben neu aufbrechende Leben zu jubeln. Was könnte unschuldiger und reiner sein als ein Spaziergang durch die Frühlingslandschaft? Da ist doch sicher nichts dabei, was einem arglosen Gläubigen Sorgen machen müsste – oder?
Eilen Sie vorbei
Plötzlich fällt Ihr Blick auf eine Stelle am Wegesrand, die von einem grünen Gewächs überzogen ist. Sie knien sich hin, um sich das genauer anzusehen, fasziniert von den kleinen, herzförmigen Blättern, von denen jeweils drei auf den hauchzarten Stielen angeordnet sind. Es handelt sich um die zu den Leguminosen gehörige Futterpflanze der Gattung Trifolium, volkstümlich »Klee« genannt, und dem Satan vertraut als unauffälliges Mittel, um Gläubige zur Sünde zu verführen. Ist jenes seltene vierblättrige Exemplar, das Sie dort gerade außerhalb der Reichweite Ihrer Hand entdecken, ein heidnisches Glückssymbol? Und wenn? Unser Vertrauen ruht nicht auf oberflächlichem Aberglauben, wenn auch der Teufel stets versuchen wird, uns mit solchen Versuchungen den Kopf zu verdrehen. Ziehen Sie Ihre Hand zurück und eilen Sie in Zukunft an dem Klee vorbei, wenn Sie Gott wahrhaft ehren möchten.
Graue Himmel
Aber es kann doch sicher nichts schaden, so fragen Sie, wenn ich mich im weiteren Verlauf meines Spaziergangs an dem herrlich leuchtenden Blau des wolkenlosen Himmels erfreue?
Mag sein, lieber Freund, aber möchte uns nicht der Herr daran erinnern, dass es viele Brüder und Schwestern gibt, die aus Niedergeschlagenheit oder Verzweiflung nichts als graue Himmel über den trostlosen Horizonten ihres Lebens sehen? Wollen Sie jene Menschen in Not so schnell um Ihres eigenen Vergnügens willen vergessen? Die Augen des Fleisches mögen einen blauen Himmel sehen, doch richten Sie in Gehorsam und geschwisterlicher Liebe die Augen Ihres Geistes auf schwarze, dräuende Wolken, die den Himmel füllen und das Land mit Sturm und Hagel und peitschendem Regen bedrohen. Erfahren Sie die wahre Freude des Gehorsams.
Okkulte Formen
Nun, möchten Sie mir jetzt vielleicht sagen, ich will gerne in diesen Dingen gehorsam sein, aber es ist doch sicher nichts Falsches daran, still dahinzuschlendern und die Bäume und Felder und die wilden und zahmen Geschöpfe zu betrachten, an denen ich vorbeikomme?
Lassen Sie mich mit einer Gegenfrage antworten. Soll die Schrift gar keinen Einfluss darauf haben, wie wir unser Leben führen? Im zweiundzwanzigsten Kapitel des zweiten Buches der Könige lesen wir von dem achtjährigen König Josia: »Und er tat, was dem Herrn wohlgefiel, und wandelte ganz in dem Wege seines Vaters David und wich nicht davon ab, weder zur Rechten noch zur Linken.«
Und so müssen natürlich auch wir wandeln. Brüder und Schwestern, würden Sie sich zur Linken und zur Rechten wenden, während Sie durch die Landschaft wandern, so würden Sie die Weisheit dieser Schriftmahnung erkennen. Sie würden Äste sehen, verwrungen zu gequälten okkulten Formen, Rinder, gehörnt wie der Teufel selbst, Kaninchen, die vom Geist der Unzucht besessen sind, und knospende Früchte, die einst den tropfenden Saft der Verführung und der Sünde symbolisieren werden.
Fünf hilfreiche Hinweise für die Planung
Ihres Frühlingsspaziergangs
(1) Riskieren Sie niemals einen Spaziergang über Land ohne Begleitung. Es ist viel leichter, das Böse und die Versuchung zu bekämpfen, wenn Sie von einem gleichgesinnten Freund begleitet werden.
(2) Machen Sie sich nicht in der Absicht auf den Weg, aus Ihrem Spaziergang irgendwelche persönliche Befriedigung zu schöpfen. Geben Sie das ganze Unterfangen an Gott ab, bevor Sie aufbrechen, und lassen Sie ihn entscheiden, welcher Gebrauch am besten davon zu machen ist.
(3) Vermeiden Sie es, irgendetwas anzuschauen. Warum wollen Sie sich unnötige Probleme einhandeln? Schauen Sie nur gerade aus und beten Sie um Schutz vor allem, was Sie umgibt. Wie wäre es, wenn Sie und Ihr Freund sich einigen, abwechselnd mit geschlossenen Augen zu gehen?
(4) Erliegen Sie nicht der Versuchung, sich sklavisch an eine Karte oder Wegbeschreibung zu halten. Der Herr ist es, der uns führt, und er wird dafür sorgen, dass wir an dem Ziel ankommen, das er uns bestimmt hat. Wie spät und dunkel es auch werden mag und wie verirrt und hungrig und verwirrt wir uns auch fühlen mögen, verlassen Sie sich darauf, dass dies nur Lügen sind, die uns entmutigen sollen, und dass wir, wenn wir treu am Glauben festhalten, genau dort ankommen werden, wo Gott uns haben möchte.
(5) Vergessen Sie nicht, es zu genießen!
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