Читать бесплатно книгу «Die Taube» Александра Дюма полностью онлайн — MyBook

Ich erinnerte mich, daß ich in meiner Tasche ein Fläschchen Melissenwasser hatte. Ich goß ihm einige Tropfen auf die Lippen.

Er schien sich wieder ein wenig zu beleben.

– Wo ist er, im Namen des Himmels? fragte ich ihn,

– Ich weiß es nicht, antwortete er.

– Haben Sie ihn fallen sehen?

– Ja.

– Todt oder verwundet?

– Verwundet.

– Was ist aus ihn geworden?

– Man hat ihn fortgetragen.

– Nach welcher Seite?

– Nach der Seite von Fondeille.

– Die Leute des Königs oder die Leute des Herrn von Montmorency?

– Die Leute des Herrn von Montmorency.

– Und dann?

– Ich weiß von diesem Augenblicke an nichts mehr. Ich wurde selbst verwundet, mein Pferd wurde getödtet, ich fiel. Als die Nacht hereingebrochen, schleppte ich mich bis hierher, denn ich hatte Durst. Als ich an dem Bache ankam wurde ich ohnmächtig, ohne ihn erreichen zu können. Zu trinken! zu trinken!

– Geben Sie ihm jetzt zu trinken, er hat Alles gesagt, was er wußte.

Ich schöpfte Wasser in Ihrem Hute, die Soldaten hoben ihm den Kopf auf, ich näherte das Wasser seinen Lippen, er trank begierig drei oder vier Schluck, dann warf er sich zurück, stieß einen Seufzer aus und streckte sich.

Er war todt.

– Sie sehen, daß Sie gut gethan haben, ihn sprechen zu lassen, bevor Sie ihm zu trinken gaben, sagte der Soldat, indem er den Kopf. des armen Armand losließ, der schwer auf den Boden zurückfiel.

Ich blieb einen Augenblick lang regungslos, indem ich mit gefühlloser Bewegung die Arme rang.

– Was machen wir jetzt, Madame? fragte mich der Gärtner.

– Weißt Du, wo Fondeille liegt? fragte ich ihn.

– Ja.

– Dann laß uns nach Fondeille gehen.

In dem ich mich hierauf nach dem Soldaten umwandte, fragte ich:

– Wer geht mit mir?

– Wir! sagten sie alle drei.

– So kommt denn.

Wir stiegen wieder zu dem Gipfel des Hohlweges hinauf, dann gingen wir nach der Wiese hinab.

Ein Offizier machte an der Spitze von ungefähr zwölf Soldaten eine Runde; meine Begleiter sahen sich an und sprachen leise mit einander.

– Was sagen Sie? fragte ich.

– Wir sagen, daß dort ein Offizier ist, der Ihnen Auskünfte geben könnte.

– welcher?

– Dieser da.

Und sie zeigten mir den Kapitän, welcher die Runde führte.

– Und warum könnte er mehr Auskünfte geben?

– Weil er gerade hier gekämpft hat.

– Dann lassen Sie uns zu im gehen.

Und ich that einige rasche Schritte in der Richtung des Offiziers.

Ein Soldat hielt mich zurück.

– Aber,. . . sagte er.

Warum halten Sie mich zurück? fragte ich ihn.

– Sie wollen um jeden Preis Auskünfte haben? fragte der Soldat.

– Um jeden Preis.

– Wer der auch sein möge, der sie Ihnen gibt?

– Wer er auch sein möge.

– Dann will ich den Kapitän rufen.

Und er that nun auch einige Schritte voran.

– Kapitän Beteran? sagte er.

Der Offizier blieb stehen und versuchte die Dunkelheit mit dem Blicke zu durchdringen.

– Wer ruft mich? fragte er.

– Man wünscht Sie zu sprechen, mein Offizier.

– Wer das?

Eine Dame.

Eine Dame! zu dieser Stunde, auf dem Schlachtfelde?

Warum nicht, mein Herr, wenn diese Frau auf dem Schlachtfelde denjenigen sucht, den sie liebt, um ihn zu verpflegen, wenn er nur verwundet ist, um ihn zu begraben, wenn er todt ist?

Der Offizier näherte sich; er war ein Mann von dreißig Jahren. Als er mich erblickte, nahm er seinen Hut ab, und ich sah ein sanftes und aus gezeichnetes, mit blonden Haaren umgebenes Gesicht.

– Wen suchen Sie, Madame? fragte er mich.

– Anton von Bourbon, Grafen von Moret, antwortete ich.

Der Offizier sah mich aufmerksamer an, als er es bis jetzt gethan hatte.

Indem er hierauf leicht erbleichte, fragte er mit bebender Stimme:

– Den Grafen von Moret? Sie suchen den Grafen von Moret?

– Ja, den Grafen von Moret; diese wackeren Leute haben mir gesagt, daß Sie mir besser als irgend Jemand sichere Nachrichten über das geben könnten, was ihm zugestoßen ist.

Er blickte die Soldaten an, und sein Blick sprühte eine doppelte Flamme unter seinen gerunzelten Augenbraunen.

– Ah! mein Kapitän, sagte der eine von Ihnen, es scheint, daß er der Verlobte dieser Dame ist, und sie will wissen, was aus ihm geworden ist.

– In des Himmels Namen1 mein Herr, rief ich aus. Sie haben den Grafen von Moret gesehen, Sie wissen etwas über Ihn; sagen Sie mir das, was Sie über ihn wissen.

– Madame, hier ist das, was ich davon weiß: Man hatte mich mit meiner Compagnie Carabiniers abgesandt, um den Hinterhalt zu maskieren, der dort in dem Hohlwege war; wir sollten uns nach dem ersten Feuer zurückziehen, um den Feind in denselben eindringen zu lassen. Der Herr Graf von Moret, der darauf hielt, seinen Muth zu zeigen, da er sich noch in keinem Gefechte befunden hatte, griff uns verwegener Weise an und begann den Angriff, in dem er einen Pistolenschuß auf. . . meiner Treue! Madame, ich sehe nicht ein, warum ich lügen sollte. . . – indem er einen Pistolenschuß auf mich that. Die Kugel der Pistole schnitt die Feder meines Hutes ab. Ich erwiderte den Schuß und hatte das Unglück, weit richtiger zu schießen.

Ich stieß einen Schrei des Schreckens aus.

– Sie sind es? äußerte ich, indem ich einen Schritt zurück that.

– Madame, sagte der Kapitän, der Kampf ist rechtschaffen. gewesen. Ich glaubte, nur mit einem einfachen Offizier der Armee des Marschall Herzogs zu thun zu haben. Wenn ich gewußt hätte, daß der, welcher mich angriff, ein Prinz und daß dieser Prinz der Sohn König Heinrich IV. war, so hätte ich zuverlässig weit eher mein Leben zu seiner Verfügung gestellt, als mich an dem seinigen zu vergreifen. Aber erst als er fiel, hörte ich ihn ausrufen: »Zu mir, Bourbon!« Nun ahnte ich, daß sich ein großes Unglück zugetragen hätte.

–O, ja! rief ich aus, ein großes Unglück. Aber am Ende ist er todt?

–Ich weiß es nicht, Madame; in diesem Augenblicke begann das Gewehrfeuer. Meine Carabiniers wichen dem Befehle gemäß zurück, den sie erhalten hatten. Ich wich mit ihnen zurück und sah, daß man den Grafen blutend und ohne Hut forttrug.

O! seinen Hut, hier ist er!

Und ich drückte ihn leidenschaftlich an meine Lippen.

– Madame, sagte der Kapitän mit einem Schmerze, der nicht geheuchelt war, ertheilen Sie mir Ihre Befehle. Wie kann ich, nachdem ich ein so großes Unglück verursacht habe, ich will nicht sagen büßen, sondern Ihnen in Ihren Nachforschungen nützlich sein? Reden Sie, und ich werde Alles von der Welt thun, um Ihnen zu helfen.

–Ich danke, mein Herr, sagte ich, indem ich versuchte, meine Herrschaft über mich, selbst wieder anzunehmen, aber Sie vermögen nichts für mich; als mir die Richtung anzudeuten, in welcher man den Grafen Fortgetragen hat.

In der Richtung von Fondeille, Madame, antwortete er, aber schlagen Sie zu größerer Sicherheit den. Weg ein, den Sie hundert Schritte weit von hier zu Ihrer Rechten finden werden, eine Viertelmeile weit von hier werden, Sie ein Haus antreffen, in welchem Sie sich erkundigen werden.

– Es ist gut, sagte ich zu dem Gärtner. Sie verstehen, nicht wahr?

– Ja, Madame.

– Gehen wir.

– Ich könnte Madame Pferde anbieten, wagte der Offizier schüchtern zu sagen.

–Ich danke, mein Herr, antwortete ich, ich habe Sie um Alles das gefragt, was ich von Ihnen zu wissen wünschte, und Sie haben mir alle die Dienste erwiesen, die Sie mir erweisen konnten.

Ich vertheilte eine Hand voll Louis d'or unter die drei Soldaten.

Zwei entfernten sich, aber der dritte wollte mich durchaus nach de« angedeuteten Hause führen.

Ich ging rasch in der Richtung dieses Hauses. Ich konnte indessen dem Verlangen nicht widerstehen, ein letztes Mal, indem ich mich umwandte, den durch Ihr Blut geweihten Boden zu begrüßen, und ich sah den Kapitän regungslos und die Augen auf mich geheftet auf dem Platze bleiben, wo ich ihn verlassen hatte, indem er mir wie ein von Gefühllosigkeit getroffener Mann nachblickte.

Wir kamen an dem Hause an. Auf der ganzen Strecke hatten wir auf unserem Wege liegende Leichen angetroffen, aber ich war schon an dieses Schauspiel gewöhnt, und ich ging festen Schrittes in dem blutigen Grase, das mir bis an die Kniee reichte, fast auf Menschen.

Wir erreichten das Haus; es war mit Verwundeten beider Parteien angefüllt, welche auf auf dem Boden ausgebreiteten Stroh lagen. Ich betrat dieses Asyl des Schmerzes, ich befragte die Sterbenden mit der Stimme, wie ich die Todten mit dem Blicke befragt hatte, auf meine dringenden Bitten erhob sich ein Sterbender auf den Ellbogen.

– Den Grafen von Moret, sagte er, ich habe ihn in der Kutsche von Monsieur vorüber kommen sehen.

– Todt oder verwundet? fragte ich.

– Verwundet, sagte der Sterbende, aber er wer wie ich, er war verwundet nicht mehr werth als todt.

– Mein Gott! rief ich aus, und wohin führte man ihn?

–«Ich weiß es nicht; nur habe ich einen Namen nennen hören.

–Welchen?

– Den der Frau von Ventadour, und der Wagen hat einen Feldweg eingeschlagen.

– Ja, ich verstehe; er wird sich zu Frau von Ventadour nach der Abtei von Prouille haben führen lassen; so ist es, ich danke, mein Freund.

Und indem ich einige Louis d'ors neben ihm zurückließ, verließ ich das Haus, indem ich zu dem Gärtner sagte: Nach der Abtei von Prouille.

Die Abtei von Prouille lag ungefähr zwei Meilen weit von dem Orte, wo wir uns befanden. Das Pferd des Gärtners war vor Erschöpfung gefallen. Es war unmöglich, sich eine Kutsche, selbst nicht einmal einen Karren zu verschaffen. Außerdem hätten alle diese Nachforschungen Zeit weggenommen. Ich empfand keine Ermüdung, wir brachen zu Fuß auf.

Kaum hatten wir eine Viertelmeile zurückgelegt als der Regen zu fallen begann und das bis dahin nur drohende Gewitter ausbrach. Aber ich war ganz mit Ihnen beschäftigt, ich fühlte den Regen nicht, ich hörte das Gewitter nicht, ich setzte in Mitte der Ströme von Wasser, die um mich herum rieselten, bei dem Scheine der Blitze, welche zuweilen die Landschaft erleuchteten, um sie wie am hellen Tage zu sehen, meinen Weg fort. Wir kamen an einer großen Eiche vorüber. Der Gärtner bat mich inständigst, mich einen Augenblick unter sie zu stellen und unter diesem Obdache abzuwarten, bis das Gewitter sich besänftigt hätte; ich schüttelte den Kopf und setzte meinen Weg fort, ohne ihm zu antworten; eine Minute nachher schlug der Blitz in die Eiche ein, zerschmetterte sie und verzehrte die Trümmer.

Ich begnügte mich mit der Hand zu zeigen, was sich zugetragen hatte.

– Es ist wahr, Madame, sagte er, Sie sind von dem Himmel beschützt, und da Ihnen Gott die Kraft verleiht, so lassen Sie uns gehen.

Wir gingen also noch ungefähr während einer Stunde. Nach Verlauf einer Stunde zeigte uns ein Blitz die Abtei, wohin wir uns begaben. ich beschleunigte den Schritt und wir kamen an.

Alles schlief in der Abtei oder that als ob es schliefe. Ich habe seitdem immer diesem so tiefen Schlafe der Pförtnerin, der Schwestern und der Äbtissin selbst nicht getraut.

Man machte mir endlich auf, aber mit taufend Vorsichtsmaßregeln. Es ist augenscheinlich, daß man, als man uns klopfen hörte, den Besuch irgend eines verirrten Corps oder irgend einer plündernden Horde gefürchtet hatte. Ich beeilte mich, mich zu erkennen zu geben, und sogleich erkundigte ich mich nach Ihnen.

Die Schwester Pförtnerin wußte nicht, was ich sagen wollte, Sie versicherte, Sie nicht gesehen zu haben, nicht einmal zu wissen, daß Sie verwundet wären.

Ich verlangte mit Frau von Ventadour zu sprechen.

Man führte mich zu ihr.

Ich fand sie ganz angekleidet. Bei dem Lärme, den wir gemacht hatten, hatte sie sich angekleidet da sie nicht wußte, wer diesen Lärm machte. Ich glaubte zu bemerken, daß sie bleich und zitternd war.

Sie schob diese Blässe und dieses Zittern auf die Furcht, die sie gehabt hätte, als sie klopfen, hörte, daß es Soldaten mit bösen Absichten sein.möchten, welche klopften.

Ich beruhigte sie; ich sagte ihr, wie ich von, Saint-Pons aufgebrochen, wie ich auf dem Schlachtfelde angekommen wäre, wie ich die Stelle wiedergefunden hätte, auf welcher Sie gefallen waren. Ich zeigte ihr ihren Hut, den ich immer noch in meiner krampfhaft geschlossenen Hand hielt. Ich sagte ihr die Auskünfte, welche mir der Sterbende gegeben hatte, und beschwor sie am Ende im Namen des Himmels, mir das zu sagen, was sie von Ihnen wüßte.

Sie antwortete mir, daß man mich ohne Zweifel hintergangen hätte, oder auch daß die Kutsche, nachdem sie den Weg nach der Abtei eingeschlagen, sich entweder zur Rechten oder zur Linken in irgend einen Weg verirrt hätte, der auf diese Straße führte, was Sie anbeträfe, so hatte sie Sie nicht gesehen, sie hatte nicht einmal von Ihnen sprechen hören.

Ich ließ meine Arme herabsinken und legte mich auf einen Sessel, der sich dort befand, meine Kräfte hatten mich mit der Hoffnung verlassen/

Die Aebtissin rief ihre Frauen, man zog mir meine Kleider aus, welche mir durch den Gewitterregen am Leibe klebten, ich hatte meine Schuhe in dem Kothe der Straßen gelassen, und, ohne es zu bemerken, hatte ich eine Meile barfuß zurückgelegt, man brachte ein Bad, in welches man mich legte und worin ich eine Art von Erstarrung sank, die einer Ohnmacht glich.

Ich kam wieder zu mir, indem ich sagen hörte, daß man die Kutsche den Weg nach Mazéres hatte einschlagen sehen. Ich erkundigte mich, man hatte diese Anzeige von einem Landsmanne, der am Abend Milch nach dem Kloster gebracht hatte.

Die Äbtissin bot mir ihren eigenen Wagen und ihre Pferde in der Voraussetzung an, daß ich meine Nachforschungen fortsetzen wolle.

Ich nahm an.

Man brachte mir nun Kleider. denn da ich die ersten Strahlen des Tages aufgehen sah, so wollte ich keinen Augenblick verlieren, um meinen Weg fortzusetzen; es war um so mehr möglich, daß Sie sich nach Mazéres hatten führen lassen, als Mazéres ein festes Schloß war, von dem man sagte, daß es zu Herrn von Montmorency hielte.

Frau von Ventadour gab mir ihren eigenen Kutscher, und wir brachen auf.

In Villeneuve-le-Comat, in Payrac, in Saint-Lamette erkundigten wir uns; nicht allein hatte niemand etwas gesehen, sondern man wußte in diesen drei Dörfern auch noch nicht, daß die Schlacht bei Castelnaudary stattgefunden hätte.

Wir setzten nichtsdestoweniger unseren Weg bis Mazéres fort. Dort mußten die Auskünfte bestimmt sein; die Thore waren bewacht, die, welche diese Thore bewachten, gehörten Herrn von Montmorency an: sie hatten daher keinen Grund, die Anwesenheit des Grafen von Moret bei ihnen zu verhehlen.

Wir kamen an den Thoren an; man hatte keine Kutsche gesehen, Man wußte nicht, daß der Graf von Moret verwundet wäre; wir überbrachten die erste Nachricht von der Schlacht bei Castelnaudary.

Wir hatten bald den Beweis, daß diese Antwort wahr sei, denn ein Offizier eilte mit verhängten Zügeln herbei, indem er im Namen von Monsieur meldete, daß Herr von Montmorency gefangen wäre, daß Herr von Rieux verwundet wäre, kurz, daß Alles verloren sei und daß jeder an sich zu denken hätte.

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