Читать книгу «IM AUGE DES FEUERS» онлайн полностью📖 — Robert Blake Whitehill — MyBook.
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Kapitel 2

Timon Pardue schoss gerade sein vorletztes Pferd nieder. Er war ganz kurz davor, so etwas wie Bedauern zu empfinden. Das führte dazu, dass sein Abzugsfinger eine Picosekunde zögerte, bevor der Hahn seines Henry-Gewehrs auf das Zündhütchen der geladenen Patrone prallte und Bucky zu Boden ging. Der Schecke war lahm, zum Reiten oder als Packtier nicht mehr zu gebrauchen, aber Pardue hatte trotzdem leichte Gewissensbisse. Das war mehr, als der frühere Sheriff von Cochise County, Arizona, für die meisten menschlichen Wesen empfand. Bucky hatte immerhin stets seine Pflicht erfüllt und das wollte etwas heißen.

Pardue schlachtete Bucky unter dem gelassenen Blick seines letzten Pferdes, Popper. Nach einer kurzen Katzenwäsche in dem kleinen Bach, der sich durch den Arroyo nahe seines Camps schlängelte, hauchte er der Glut seines Lagerfeuers neues Leben ein und bereitete sich auf eine Nacht vor, die genauso wie die letzten ungefähr sechzig Nächte verlaufen sollte (er hatte beschlossen, dass es ihm beim Vergessen half, die Tage nicht mehr zu zählen), seit er aus Frust seine Dienstmarke abgegeben hatte und aus seinem Büro in Bisbee marschiert war. Nach acht Jahren treuen Dienstes war er in einer Abstimmung der Liberalen in Bisbee und dieser angeblich legal eingewanderter Latinos in Douglas abberufen worden, aber er war davon überzeugt, dass es einige Ungehörigkeiten in manchen der Wahllokale gegeben hatte. Die Jungs in Fort Huachuca waren daran gehindert worden, für ihn zu stimmen, da sie wegen eines ungelegenen Terrorismus-Alarms ihre Basis nicht hatten verlassen dürfen. Pardue hätte dahingehend nachgeforscht, wenn es ihm nicht scheißegal gewesen wäre. Und er hatte sich selbst geschworen, dass dies der Fall war.

Seit dieser furchtbaren Nacht stapfte er zwischen den Ausläufern der Chiricahua-Berge umher, begleitet von Bucky, Popper und einem Muli namens Arschloch, welches Pardue zuerst erschossen und gegessen hatte, hauptsächlich, um sich des faulen Gemüts des Tieres zu entledigen, da es sich stur geweigert hatte, sein Gepäck zu tragen. Er hatte das Maultier demokratischer Neigungen verdächtigt oder vielleicht hatte es dem Symbol dieser politischen Partei für Pardues Geschmack einfach zu ähnlich gesehen. In einem Akt posthumer Rache hatte das alte Tier noch dazu fürchterlich geschmeckt, selbst nach der Zugabe großzügiger Mengen getrockneter Chilischoten aus seinen Vorräten. Pardue war beinahe eine Woche schlecht gewesen, nach nur zwei Portionen des zähen Fleisches.

Zu streng im Umgang mit illegalen Einwanderern, das war es, was ihm vorgeworfen wurde. Profiling hatten sie es genannt. Timon Pardue sah sich selbst und die loyalen Mitglieder seiner Abteilung als die letzte Verteidigungslinie der Vereinigten Staaten gegen eine Invasion von Kriminellen, die von Sonora, Mexiko, nach Norden rollte. Erweiterte Grenzpatrouillen wie in San Diego und El Paso waren in Cochise County noch nicht veranlasst worden, beziehungsweise waren sie nicht sehr erfolgreich gewesen, obwohl die Zoll- und Grenzschutzbehörde, Customs and Border Protection, der größte Arbeitgeber in der Stadt Naco war. Pardue glaubte, dass das CBP mehr zur Zufriedenheit des Kongresses in Washington als zur Effektivität an der Grenze ausgelegt war.

Als Sheriff hatte Timon Pardue also alle seine Männer mit der Aufgabe betraut, sämtliche verdächtigen Personen anzuhalten, mit besonderem Augenmerk auf Dokumentations- und Einwanderungsstatus der fraglichen Personen. Das Problem mit den illegalen Einwanderern war nicht neu, die Anschuldigungen der Voreingenommenheit hingegen schon. Die ganze Geschichte wurde schließlich in den Medien wieder aufgekocht, als die neu ernannte Vorsitzende des Bezirksgerichts bei einer Routinekontrolle festgenommen worden war und ein langes Wochenende im Gefängnis von Bisbee verbracht hatte, bevor irgendjemand begriffen hatte, wer sie war, abgesehen von sauer und hispanisch.

Die ehrenwerte Richterin war vom diensthabenden Polizisten nämlich für eine Prostituierte gehalten worden, trotz der Tatsache, dass er sie nahe einer einsamen Landstraße aufgegabelt hatte, fern von jeglicher potenzieller Kundschaft. Sie schwor dem Polizisten, dass ihr Teleskop, welches sie für ihr Hobby der Amateur-Astronomie verwendete, gleich hinter dem nächsten Hügel stand. Ihre Jacke, in der sich ihr Ausweis befand, lag gleich daneben. Sie hatte sich nur kurz vom Teleskop entfernt, um sich zu erleichtern. Es war diese kompromittierende Position, in der der Polizist sie schließlich entdeckte, nachdem er von dem Rancher, der das Grundstück besaß, auf einen Herumtreiber aufmerksam gemacht worden war.

Ebenso wie das Teleskop und ihre Jacke mit dem Ausweis war auch ihr Lexus LX zum Zeitpunkt ihrer Festnahme nicht zu sehen gewesen. Trotz der empörten Proteste der Richterin hatte der Beamte es abgelehnt, auf der zweifellos vergeblichen Suche nach diesen Gegenständen im Dunkeln herumzutappen. Vasquez‘ Behauptung, eine Richterin zu sein und keine Prostituierte, wurden letzten Endes bestätigt, als ihr Lexus am folgenden Montagmorgen auf dem Abschlepphof des Bezirks eintraf und der Fahrzeugschein von einem Mitarbeiter überprüft wurde, der manchmal Telemundo schaute.

Zu Pardues Bestürzung hatte Richterin Vasquez viele gute Freunde bei der örtlichen Niederlassung des spanischen Fernsehsenders. Sie war außerdem gut befreundet mit dem obersten Staatsrichter des Gerichtshofs von Arizona, der sie damals ins Amt erhoben hatte. Ihre Geschichte verbreitete sich wie ein Lauffeuer in den Medien, sogar bei Fox News, die Sheriff Pardue daraufhin förmlich unter den Zug warfen und ihn diffamierten, um selbst weniger als Sprachrohr der Koch-Brüder und Rupert Murdoch zu erscheinen. Pardue wurde daraufhin an den Pranger gestellt. Das war acht Monate her. Die daraus resultierende Abstimmung verlief nicht gut für ihn. Oh, man, sie würden Timon Pardue noch vermissen. Er hatte nur noch keine Ahnung, wie sehr.

Kapitel 3

Blackshaw hatte keine Ahnung, wohin er wollte. Er hatte eine ziemlich gute Vorstellung davon, wo er nicht sein wollte. Zum ersten Mal in seinem Leben kam ihm die Chesapeake Bay wie ein Sumpf vor. Er konnte seine eigene Abscheu überhaupt nicht verstehen … diese neue Geringschätzung seiner wunderschönen Heimat. Vielleicht war der Grund auch viel simpler, als ihm lieb war. Alles, was er kannte, jeder, den er liebte, und jeder Ort, der sich tröstend und lebensspendend für ihn anfühlte, war nun von seinen eigenen Gefühlen der Reue verschmutzt.

Er richtete Miss Dotsy nach Südwesten. Der Himmel war klar und die Wellen schwappten mit einer behutsamen Schaukelbewegung, die ihn immer weiter ins Unbekannte trieb. Dann fiel Blackshaw auf, was passiert war. Irgendwann in den letzten vierundzwanzig Stunden hatte er sich offenbar selbst in den Einsatz geschickt, und das ganz ohne irgendwelche Befehle von oben. Er war anscheinend auf der Suche nach Ärger.

Der Windy Point Jachthafen in Calvert County, Maryland, brummte, obwohl es ein Wochentag war. Zur Zeit war Hochsaison. Der Hafenvorsteher hatte aber noch einen Platz für die Saison frei und Blackshaw zögerte nicht lange. In einem Büro gleich neben dem Jachtausrüster, ein äußerst übertriebener Name für den Windy Point Köderladen, schälte Blackshaw vor dem Manager Geldscheine von einem Bündel, bis Miss Dotsys Unterbringung für den Sommer und den Herbst beglichen war. Mit der Anweisung, Miss Dotsy winterfest zu machen, sollte er sich bis November nicht gemeldet haben, ließ er noch mehr Bares springen. Und er hinterlegte außerdem einen Umschlag. Falls er bis zum nächsten Frühling nicht zurück sein sollte, enthielt dieser Umschlag ein Blatt Papier mit einem Namen und einer Telefonnummer. Die darauf genannte Person war bevollmächtigt, Miss Dotsy nach Begleichung jeglicher offener oder unerwarteter Rechnungen abzuholen. Abgesehen von den Standard-Nachlassdokumenten der Navy war Blackshaw noch nie so nahe daran gewesen, für den Fall seines Ablebens vorzusorgen, wenn man die paar Minuten vergaß, in denen er in das gefährliche Ende einer geladenen Flinte gestarrt hatte.

Nun, da Miss Dotsy in guten Händen war, benutzte Blackshaw das Telefon des Managers, um ein Taxi zu rufen. Er schwang seinen Rucksack wieder über seine Schulter, lief zum Eingang des Jachthafens und wartete dort. All das, während er sich größte Mühe gab, sich nicht mit seinem Vater zu vergleichen.

Kapitel 4

Bucky schmeckte ganz okay nach Timon Pardues Einschätzung, aber trotzdem würden Chili-Pferdesteaks niemals an die Köstlichkeiten von Sammys Hot Dog Company an der Bundesstraße 92 herankommen. Seine Feldflasche voller Jack Daniels half ihm beim Herunterspülen. Im Exil, auch im selbstauferlegten Exil, waren Annehmlichkeiten zu genießen und gewisse Standards dennoch aufrechtzuerhalten.

Er hatte sich gut ausgerüstet, bevor er in die Wildnis gezogen war, und hatte sich deshalb nicht neu bevorraten müssen. Der Mangel an menschlichem Kontakt, selbst so geringem, wie er einem beim Schnapskaufen widerfuhr, machte sich mit der Zeit deutlich bemerkbar. Pardue redete mittlerweile schon mit seinen schwindenden Tieren und dachte sich nichts weiter dabei. Mit genug Jack Daniels würde es nicht mehr lange dauern, bis er seine Hosen hochkrempelte und die Sterne anschrie, überzeugt davon, den ungesehenen Massen undokumentierter Eindringlinge aus dem Süden Angst einzujagen. Bevor er das Bewusstsein verlor, murmelte er etwas an die undankbaren Bürger von Cochise County und widmete ihnen ein Gebet, in dem er ihnen die Beulenpest und andere Demütigungen an den Hals wünschte.

Da das übliche Ziel des Abends schon fast in Reichweite war, brauchte Pardue ein paar Sekunden, um zu begreifen, dass diese neue Stimme nicht seine eigene war, und auch um seine Glock zu ziehen.

Auf nichts Bestimmtes zielend, lallte er mürrisch:»Wer ist da? Zeig dich gefälligst!«

Die Antwort, gedämpft von dazwischenliegenden Felsen, die der Sprecher wohlweislich zwischen sich und den bewaffneten, betrunkenen Pardue platziert hatte, kam sofort.»Ich bin’s, Timon. Sam Wimble. Nicht schießen, bitte! Nimm die Waffe runter, okay?«

«Zeig mir deine Hände«, knurrte Pardue.»Und komm schön langsam ins Licht, wo ich dich sehen kann.«

Es war beinahe Schlafenszeit für Pardue. Er hatte das Feuer deshalb runterbrennen lassen. Wimbles Wampe und die staubigen Spitzen seiner Cowboy-Stiefel waren das Erste, was Pardue zu Gesicht bekam, der Rest seines alten Freundes folgte kurz darauf.

«Bist du allein?«, fragte Pardue.

«Nur Lobo und ich. «Wimbles Bluthund trottete jetzt hinter ihm in den Schein des Feuers.»Ich schwör’, du liest zu viel Louis L’Armour Westernkrimis.«

Pardue holsterte daraufhin seine Waffe.»Zuviel Louis L’Armour Westernkrimis gibt’s gar nicht. Willst du ‘n Drink?«

«Wenn du mich schon so fragst«, sagte Wimble.»Was ist das denn für ein Geruch?«

Als Pardue Whiskey in eine Blechtasse goss, sagte er:»Schätze mal, das ist Bucky. Hab‘ wohl vor dem Braten nicht das ganze Fell abgekriegt.«

Wimble nahm sich einen Moment, um das zu verdauen, und nutzte die Zeit, um aus seiner Tasse zu nippen. Pardue war dankbar für die Gesellschaft, aber Wimble, oder Deputy Wimble, der diensthabende Polizist und erstes Opfer des Richterin-Vasquez-Fiaskos, wäre nicht seine erste Wahl gewesen. Er schaffte es noch nicht mal in die Top 100, was das anging. Aber ein anderes menschliches Wesen war immer noch besser als nichts und sie hatten zusammen gearbeitet und waren beide im Namen der Political Correctness geopfert worden.

«Du hast mich gefunden«, sagte Pardue nach einer Weile.»Willst du dann jetzt die ganze Nacht nur dasitzen oder hast du mir auch was mitzuteilen?«

In Anbetracht der Mühen, die sich Wimble offensichtlich gemacht hatte, um ihn aufzuspüren, erwartete Pardue mindestens eine Entschuldigung für den dümmlichen Schlamassel, der ihn seinen Job gekostet hatte, das war jedoch nicht das, was er bekam.

«Da gibt’s ‘n paar Leute, die nach dir suchen, Timon.«

Das war unerwartet. Pardue hatte nämlich kaum Freunde. Er war seit neun Jahren geschieden und seine Frau hatte sich so schnell und erfolgreich neu verheiratet, dass es ihn immer noch maßlos ärgerte. Er und seine beiden Kinder sprachen auch nicht mehr miteinander. Er war ein strenger und manchmal sogar grausamer Vater gewesen und heutzutage, da Kinder neu definierten, was als Familie galt, und Blutsverwandtschaft offenbar nicht mehr zu zählen schien, wurde Disziplin nicht mehr geschätzt. Pardue gab verweichlichten TV-Psychologen und überladenen Selbsthilfe-Sektionen in Buchläden die Schuld für den Zerfall seines kleinen Clans.

Pardue sagte:»Geht mich nichts an und du sagst lieber keinem, wo du mich gefunden hast. Absolut niemandem. Ich zieh’ sowieso alle paar Tage weiter, nur, dass du’s weißt.«

«Ein richtiger Gesetzloser, vogelfrei. Also bist du morgen Abend hier oder einen Tagesritt weit entfernt?«Wimble war ein richtiger Klugscheißer, aber leider nicht sehr klug. Er hielt Pardue seine Tasse entgegen.

«Sam, was willst du hier?«Pardue wägte bereits die nachlassende Freude an Wimbles Gesellschaft gegen den beträchtlichen Schwund seines Whiskey-Vorrats ab. Wimble war fett, zweifellos, aber eine vergrößerte Leber machte den Großteil seines Bauches aus.

«Ich bin’s nicht allein, Timon. Du bist irgendwie berühmt geworden, nach allem, was passiert ist.«

Pardue schnaubte.»Ich hab die Abstimmungsergebnisse gesehen. Wer auch immer behauptet hat, es gäbe keine schlechte Publicity, ist ein verdammter Idiot.«

«Schätze schon, meistens jedenfalls. Aber wenn sich eine Tür schließt, geht woanders ein Fenster auf.«

Pardue strafte seinen früheren Hilfssheriff mit einem ungeduldigen, stechenden Blick.»Danke für deinen Besuch, Sam. Ist schon spät, du gehst jetzt besser.«

«Klar, Timon. Daheim schläft sich’s schließlich am besten. «Wimble nahm daraufhin Anlauf und kam endlich zur Sache.»Aber wie gesagt, es gibt Leute, die nach dir suchen. Die sind stinksauer, dass man dich den Löwen zum Fraß vorgeworfen hat. Haben die Nase voll vom CBP, das ständig groß ‘rumtönt, es würde was getan werden, und dann passiert wieder nix. Wie sie Teile der Grenze absichern und wir uns allein mit vier oder fünf Mann durchschlagen müssen, wenn wir fünfzig bräuchten. Wir sind jetzt der Flaschenhals. Cochise ist das weit offene Loch im Zaun und die ganzen Illegalen wissen das ganz genau.«

Wimble hielt ihm wieder seine Tasse hin. Pardue wollte sie nicht auffüllen, tat es aber doch. Die Feldflasche wurde immer leichter. Neugier, in Kombination mit Jack Daniels, machte Wimble nun schon beinahe interessant.

Nach einem weiteren großen Schluck sagte Wimble:»Diese Leute, von denen ich rede, die sind sauer, aber die gehören nicht zu denen, die ums Gurkenfass sitzen und rummeckern. Die wollen aktiv werden. «Wimble hatte aktiv besonders betont, auf die gleiche Weise, wie Personalverantwortliche Bewerber mit gepflegter Ausdrucksweise bevorzugten und damit eigentlich keine Ausländer meinten.»Timon, du bist schon so lange hier draußen, dass du gar nicht weißt, dass man dich inzwischen für einen richtigen Helden hält.«

«Ich werde mich ganz bestimmt nicht noch einmal zur Wahl aufstellen lassen.«

Wimble sah für einen Augenblick verwirrt aus, dann setzte er wieder diesen verschwörerischen Blick auf.»Niemand hat gesagt, dass du wieder für das Sheriff-Amt kandidieren sollst. Diese Leute, von denen ich rede, die haben keine Zeit für diesen Quatsch, genauso wenig wie du. Himmel, die Hälfte von denen glaubt, dass es überhaupt kein politisches Amt mehr gibt, das noch einen Pfifferling wert ist. Die glauben noch nicht einmal an Politik. Die sind eher proaktiv. Die handeln selbstbestimmt.«

Pardue konnte sich nun nicht mehr zurückhalten, deshalb fragte er:»Wer sind die

«Rancher, Viehzüchter hauptsächlich. Sogar welche, deren Farmen nicht an die Grenze stoßen.«

Pardue verstand das Ganze jetzt langsam besser.»Ach du Scheiße, Wimble. Die Kerle haben ‘nen Hass auf die Illegalen, aber die wollen genauso sehr Rabatz machen, weil sie ihre Weidegebühren nicht zahlen wollen. Die hören den ganzen Tag America, Why I Love Her, als wär’s die Gettysburg-Ansprache.«

Wimble plusterte sich empört auf.»Mach‘ dich bitte nicht über den Duke lustig, Timon. Nicht vor diesen Jungs. Ich meine, John Wayne ist für die ein Held. Aber er ist nicht hier, um jemanden anzuführen, Gott hab ihn selig. Und es sind nicht nur Kerle. Es gibt auch ‘ne Frau im Komitee.«

«Adele Congreve. «Pardue spuckte ins Feuer.

Wimble schaute ihn überrascht an.»Das stimmt.«

Pardue kannte Miss Adele, wie sie sich gern nennen ließ, ziemlich gut. Eine dynamische, wohlhabende, ordinäre Frau, die von ihrem Ehemann, dem Viehzüchter und Ölmagnaten Ricky-Ray Congreve, beerbt worden war. Sie war irgendwo in den Fünfzigern, wahrscheinlich für immer, und gehörte zur festen Einrichtung des Stadtrats. Davor hatte sie bei allen Meetings in der ersten Reihe gesessen und ihre diversen preisermäßigten Schönheitsreparaturen und – operationen, Einspritzungen und Absaugungen zur Schau gestellt. Die Frauen der Rancher hatten ihrer Double-R-Ranch die Bezeichnung Doppel-D gegeben. Sie wusste das und es war ihr herzlich egal. Die Frau kontrollierte ihre Zäune immer noch selbst und packte mit an, soviel war sicher.

Congreve reiste immer von ihrer Ranch zu den Ratstreffen in Bisbee in einem Konvoi aus nicht weniger als drei geschwärzten, gepanzerten Chevy Suburban. Die Einheimischen tauchten immer bei den Meetings auf, um darauf zu wetten, welcher der drei Wagen sie letzten Endes ausspucken würde, da sie aus Angst vor Kidnappern jedes Mal in einem anderen Wagen fuhr.

An heiteren Tagen, wenn Adele Congreve nicht so sehr nach einer Parade war, flog sie mit dem Hughes OH-6 Cayuse ihres verstorbenen Mannes zum Helikopterlandeplatz des Copper Queen Hospitals. Es war eine ausrangierte Version des AH-6 Kampfhubschraubers, den Ricky-Ray in Vietnam geflogen hatte, und er hatte seiner Frau beigebracht, ihn ebenfalls zu fliegen. Mit Adeles bewaffnetem Bodyguard auf dem linken Sitz erinnerte es noch mehr an das Killer-Ei, das ihr Mann auf seinen Missionen geflogen hatte. Sie landete normalerweise auf dem Dachlandeplatz der neuen Notaufnahme, für den sie bezahlt hatte, um ihr Oxycodon-Rezept abzuholen, was sie nur in ihrer Freizeit nutzte oder wenn Ricky-Rays Abwesenheit ihr besonders zusetzte.

Mit dem Rezept in der Hand verließ sie die Notaufnahme immer in einem der drei Suburban, die vor der Tür auf sie warteten. Adele verabscheute die illegalen Einwanderer, die von der Grenze aus über ihr Grundstück wanderten. Dies kam einigen Leute reichlich verlogen vor, da die Mutter ihres geliebten Ricky-Rays selbst aus Chiapas stammte.

Auf die Erwähnung ihres Namens hin dachte Timon Pardue nicht zum ersten Mal darüber nach, dass Adele Congreve eine komplexe und vielleicht missverstandene Frau war.

«Und was will sie von mir?«, fragte Pardue nun.

«Sie will sich nur mal mit dir treffen. Sie und ein paar andere«, erklärte Wimble.

«Mir gefällt’s hier aber ganz gut.«

«Dann trefft euch doch hier. Timon, die meinen’s ernst. Du bist ihr Mann. Lass sie doch einfach mal reden.«

Timon war inzwischen gelangweilt und einsam genug, um intelligente, verständnisvolle und bemitleidende Gesellschaft nicht einfach abzulehnen. Jetzt den Schüchternen zu spielen, würde nur bedeuten, den durstigen Wimble noch länger hierzuhaben, als Pardue lieb war.

«Sam, mir ist wirklich egal, was diese Leute vorhaben. Wenn sie sich hier rausschleppen wollen, um mit mir zu reden, kann ich sie nicht davon abhalten. Das ist schließlich ein freies Land.«

«Damit hast du verdammt recht, Timon. Und wir wollen sicherstellen, dass es das auch bleibt.«

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