Читать книгу «Cenodoxus» онлайн полностью📖 — Jakob Bidermann — MyBook.

Die 2. Scena.

Hypocrisis die Gleißnerey.

Panurgus der HauptTeufel.

Zween GsellenTeufel.

Astherot

Asempholot

Die Gleißnerey als ein höllische Furia kombt auß der Höll herauß / ruefft die Teufel zusamm / erzehlt jhnen wie sie den Doctor Cenodoxum so listig einführe / vnd auff jhr seiten bringe / darob die Teufel sehr groß gefallen haben.

[12]Hypoc. Auß tieffer Höll herauf ich kumb /

Vnd schaw mich in der Welt herumb /

Damit ich vbral schaden thue /

300Jhr Gsellen mein herzue / herzue /

Pan. Wer rüefft vns auß der Höllen rauß

Was ist abermal kommen auß?

Wer ist so keck das er der Höllen

Gebietten darff vnd meinen Gsellen?

305Ast. Hie bin auch ich / was will man mir?

Diß rueffen kombt mir seltzamb für.

Asem. Wer darf sich da so hoch erheben

Daß ich vmb sein Geschefft soll geben?

Hypoc. Ich die ich bin die Gleißnerey

310Rueff euch herauß / kombt all herbey.

Vmb ein anschlag will ich euch fragen

Oder euch meinen Anschlag sagen.

Panurg. Sag an / es sey Wort oder Werck /

Wir helffen mit List vnd mit sterck.

315Wir seynd schon längst darzue berait /

Wie du vns geben wirst beschaid.

Hyp. Ein newer Anschlag ist bestellt /

Darmit ich jetzt verführ die Welt /

Vnd thue dardurch so grossen schad /

320Das man der sach find nimmer rath.

Omnes. Wir helffen allesamen dir /

Hypoc. Was ich gut mach / verderbt jhr mir /

Wann ihr nit alles fleissig thüet /

Was ich euch schaffe vnd gebiet.

325Omnes. Schaff was du wilst zu allerzeit /

Seynd wir gantz willig vnd bereit.

[13]Hyp. Die aigne Lieb mueß sein mein Gfert /

Die andern Schwestern seynd nichts werth.

Die Tyranney / die Grewligkeit /

330Die müssen dannen weichen weit.

Pan. Wie da? Wie haben sies verschuldt?

Hyp. Sie habn zuuil der Vngedult;

[22]Vnd gehn gar zu ainfältig drein /

Vil listiger mueß man jetzt seyn.

335Ich gib den Leuten süsse Wort /

Führs also zum verderben fort;

Die Tröpfin machens gar zu laut /

Die Leut die förchten jhrer Haut:

Jher wüeten / toben ist vmbsunst /

340Es gilt nit mehr jhr alte Kunst.

Jetzund man nichts mehr auff sie helt:

Sie gelten nur bey alter Welt.

Weil noch die Vätter vnd die Mütter /

Weil noch die Schwester vnd die Brüder

345Einander würgten ohne scheuch

Vbm Land / vmb Leut / vmb Königreich.

Es ist jetzt vil ein andere Zeit /

Vnd sampt der Zeit vil andere Leut.

Zu jhren Lastern brauchen sie

350Ein newes Haupt / ein newe Mühe;

Diß Wild das braucht deß gschrays nit vil /

Man muß allda fein gehn subtil /

Das hab ich längst schon außgespecht.

Omn. O Gleißnerey sagst du so recht.

355Asem. Wer ist so gschickt? Hyp. Ich selber bin /

Ein solche gschickte Maisterin /

[14]Ich gib der Welt die besten Wort /

Biß das ichs bring ans ärgest Orth.

Das laß ich jhr alßdann zu letz /

360Ein gantzen hauff bring ich ins Netz.

Ich ich die höllisch Gleißnerey

Steck Schalckheit voll vnd Büberey /

Voll Laster / voll Betrug / voll List /

All schädliche vbel in mir ist /

365Was alle Teufel können nicht /

[23]Hab ich allainig außgericht.

In Summa will euch zaigen an

Wie starck ich bin vnd was ich kan:

Ja auch die Tugenten so gar

370Zu meinem Handel helffen zwar.

Mit Tugenten wachs ich recht auff /

Beyn Tugenden ich mich verkauff;

Beyn Tugenden ich mich ernehr /

Sie braitten mich auß weit vnd ferr.

375Was man guts thut / ich selber lob /

Ich rath darzu vnd halt darob /

Ich vnderweiß / vnd treib auch an /

Die Frombkeit ich zum höchsten spann;

Wie nähner ichs doch führ hinan /

380Dest weiter führ ich sie daruon.

In dem ich lehre / recht zuleben /

Lehr ich sie vnrecht thun darneben.

In dem ich hab die Tugent lieb /

Verhaß ich sie / weil ich sie veb;

385Vnd maint sie bstehe gar wol vor Gott /

Erwürg ich sie erst recht zu todt.

[15]Auch gilt mir nit ein jeder gleich /

Nimb mich nur an vmb Tugentreich.

Die sich geduncken heilig seyn /

390Die gehen mir offt vor andern ein.

Auch wöhr ich jhnen nicht darneben

Daß sie fromb vnd gottselig leben /

Wann man nur also lebt hinan /

Daß man noch vbel sterben kan.

395Omn. Weit weit bist vber vns allsam

Wann vnser tausent kämen zam.

Hyp. Eben diß ist der rechte brauch /

Den ich an jetzt für mich nimb auch.

[24]Den Cenodoxum hab ich gfangen /

400Der ist mir in mein Garn gangen.

Den fang hab ich dem Wild gegeben

Ich hab jhm griffen nach dem Leben.

Omn. Was ist das für ein Wildpret frisch?

Hyp. Man bringt es nit auff alle Tisch:

405Es ist ein stattlichs Herrenbißl /

Schickt sich trefflich auff vnser Schüßl.

Diß Richtlein ist vns schon gewiß /

Es ist der Doctor von Pariß /

Der gwißlich nit hat seines gleich /

410In disem gantzen Königreich.

Pan. Was thut er dann? möchts auch wol hörn.

Hyp. Alls was ich schaff das thut er gern.

Er sucht er tracht / helt alle spech /

Daß man jhn nur für gut ansech.

415Pan. Will ers auch seyn. Hyp. Das acht er nicht /

Wann er den Leuten ist im Gsicht /

[16]Da ist er aller Tugent voll /

Damit man jhn nur loben soll;

Ist aber niemand da vmb jhn?

420So ist auch alle Tugent hin.

Schön simuliern / dissimuliern /

Verdecken / bergen / vnd fingiern /

Auff niembd nichts halten / nur auff sich /

Wölln gsehen seyn von mennigklich /

425Erschricken vnd erblaichen sehr /

Wann man eim anderen gibt die Ehr.

Das seinig loben / herfür schmucken /

Was aber frembd ist / vntertrucken /

Das seinig hoch ansehlich achten /

430Das frembd verklienern vnd verachten /

Nit leiden wöllen seines gleichen /

[25]Wann jhm auch schon der nechst wolt weichen /

Das kan er alls so maisterlich /

Das er kund selber lehren mich.

435Vnd das ja ist das allermaist /

So gar an jhm selbst er nit waist /

Wie jhn dermassen also sehr

Hab gnommen ein die eytel Ehr.

Pan. Gar recht: Bestättigt ist das Wild.

440Hyp. Geht nur hin / wann mein fürtrag gilt.

Omn. Wir gehn wohin es dir nur gfelt /

Schick vns auß durch die gantze Welt.

Hyp. Geht jetzt nur hin vnd seyd mit rhue /

Biß ich euch wider rueff herzue.

445Die letzten Fallstrick vnd das Endt /

Mueß ich beraiten gschwind vnd bhendt /

[17]Ohn allen zweifel ich jetzt will

Ein schöns End machen disem Spil /

Hinauß muß gehn nach meinem Sinn /

450Jetzt setz ich dran; geht jhr nur hin.

Die 3. Scena.

Cenodoxus der Doctor.

Philautia die aigen Lieb.

Cenodoxus der Doctor berühmbt sich seiner schönen von Gott empfangnen Gaben / verachtet andere neben sich. Darzu blast jhm die aigne Lieb vil hoffärtige Gedancken ein.

Doct. Offt mancher kan nit ruhen wol /

Dieweil er ist der Sorgen voll.

Ein anderer der kan nit schlaffen /

[26]Weil jhm sein vnfall gibt zu schaffen /

455Ich / hab kein Rhue vor lauter Glick /

Das mir zustreicht so offt vnd dick.

Ja mennigklichen halt darfür /

All Gnad vnd Gab sey nur in mir.

Daher man stets nach mir thut fragen /

460Nur mich will man auff Händen tragen.

Phil. Recht billich man dich also ehrt /

Die Tugent ist diß alles werth.

Doct. Wo ich nur geh / wendt mennigklich

Die Augen allenthalb auff mich:

465So wol das Alter als die Jugendt.

Phil. Ja gwißlich auff dein hohe Tugendt.

[18]Doct. Mit Fingern zaiget man auff mich /

Vnd jederman verwundert sich.

Ey / sagen sie / ist das der Mann /

470Den die gantz Statt schier bettet an.

Phil. Nit nur die Statt; die gantze Welt.

Doct. Den man fürs Haupt der Glehrten helt.

Phil. Man helts nit nur / man waiß es gwiß.

Doct. Was sag ich noch? Auch vber diß

475So sucht man bey mir hülff vnd rath /

Ja mennigklich bawt auff mein Gnad.

Phil. Du bist halt der fürtrefflich Mann /

Der jederman wol helffen kan.

Doct. All Heiligkeit die scheint auß mir.

480Phil. Der Heiligkeit selbst bist ein Zier.

Doct. Das helle Liecht im Königreich.

Phil. Ja dessen glantz der Sonnen gleich.

Doct. Deß Königs Hertz / Sinn vnd Gemüt.

Phil. Der das gantz Königreich behüt.

485Doct. Nun dises vnd dergleichen mehr

Redt man mir alls zu Lob vnd Ehr /

[27]Das gfällt mir auß der massen wol /

Drumb mich kein Mühe nit tauren soll /

Damit ich nur diß Lob behalt /

490Das mir im Landt gibt jung vnd alt.

Phil. Recht schön ist es vnd steht gar fein /

Bey mennigklich hoch angsehen seyn /

Wem soliches das Glück beschert /

Kost was es wöll / ists alles werth.

495Doct. Zu disem Endt halt ich mein Wacht /

Schier stets in Büchern Tag vnd Nacht.

[19]Phil. Was wird durch Menschen Lob bekannt /

Kan nit vergehn / es hat bestandt.

Doct. Dannoch wie mit so schlechter Mühe

500Wie grosse Würdigkeit allhie

Wie groß Ansehen / Herrlichkait /

Hab ich erlangt sehr weit vnd brait.

Fürs rechte Leben halte ich /

Daß meine Werck vnd Thaten mich

505Versterben lassen nimmermehr /

Diß ist allein das ich begehr.

Phil. Wann es schon wär der Willen dein /

So konds doch nit verborgen seyn.

Die Tugent ist dir eingepflantzt /

510Die allenthalben an dir glantzt.

Du wöllest oder wöllest nicht /

Groß Lob vnd Preiß man dir doch spricht.

Doct. O höchster Gott im Himmel droben /

Mit höchstem Danck thue ich dich loben /

515Das mich dein Göttlich Majestat

Mit solchen Gnaden zieret hat /

Das mich drumb neydet mennigklich

Vnd doch bin keinem neydig ich.

Phil. Diß Glücks ist dises Hertz wol werth /

520Dem Glück ist solches Hertz beschert.

Doct. Die armen Leut mich lauffen an

Als Vattern der jhn helffen kan:

Sie bitten mich demütigklich /

Sie preisen / loben / lieben mich.

525Damit ich jhnn zu hilffe kumb /

Spendier ich Gelts ein grosse Summ.

[20]Ich laß mich gar nit bitten / ja /

Mit gebender Hand bin ich gleich da /

Ehe das mich spricht ein Armer an /

530Hab ich jhm offt gegeben schon.

Phil. Die Tugendt der Barmhertzigkait

Hat sich schon gantz in dich verklaidt.

Doct. So leb ich auch gar mässigklich /

Mit schlechtem laß ich gnügen mich.

535Vil köstlicher seltzamer Trachten

Thue ich mich gar mit nichten achten.

So brich ich mir auch ab an Wein /

So bhutsamblich als müst es seyn.

Möchte einer kaum mein Mahlzeit kennen /

540Vnd es nur ein Collatzen nennen.

Man halt / der billigkeit gemeß /

Ich sey der mässig Socrates.

Phil. Ja wol auß / auß mit Socraten,

Wann man dir wolt vergleichen den /

545Vnd man jhn gegn dir halten soll /

Ein Fresser / Sauffer war er wol.

Doct. Wie ist nun auch so schöne Weiß

Bey solchem hohen Lob vnd Preiß

Nichts vbermütigs an sich haben /

550Diß seynd ja trefflich schöne Gaben.

Seins Glücks sich vbernemmen nicht /

Gedencken / Glaß vnd Glück bald bricht /

[29]Der guten Wolfahrt also gniessen /

Als möcht mans noch entrathen müssen.

555Das hab in acht genommen ich

Zu jederzeit gantz fleissigklich /

[21]Samb hett ich all mein gantzes Leben

Auff jede Tugend gantz ergeben.

Phil. Ein solches Lob ist selten fail /

560Wird dennoch manchem auch zu thail

Ders nit verdient; hie ist es wahr /

Vnd wär noch vil warhaffter zwar

Solch jetzt erzehltes Lob vnd Ehr /

Wanns wär noch grösser vnd noch mehr.

565Doct. Durch also löblich ehrlich Mittl

Hab ich getracht nach Ehrentittl /

Vnd ist sich zuverwundern nicht /

Das man mir drumb vil Lobes spricht /

Vnd mich hat lieb vnd schön die Welt /

570Dieweil es auch Gott selber gfelt.

Phil. Ja freylich / diß kein zweifel hat /

Doct. Vor Arbeit bin ich müd vnd matt.

Derwegen will in Garten ich /

Im Schatten zuerquicken mich.

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