Kennst Du die Aussage »Du kannst alles schaffen, wenn Du es wirklich willst!«? Oder »Geht nicht, gibt’s nicht!«? Glaubst Du daran? Ich nicht.
Ja, ich denke, wir müssen etwas wirklich wollen, damit die Wahrscheinlichkeit steigt, es auch zu erreichen. Verfolgst Du lediglich halbherzig ein Ziel, ein Projekt, ist es kein Wunder, wenn Dir vorzeitig die Luft ausgeht. Denn aus welchem Grund solltest Du Zeit, Geld, Energie in etwas stecken, was Du gar nicht wirklich willst. Das ist der Fall bei Alibi-Zielen (»Jeder Mensch braucht doch Ziele!«) oder auch fremden Zielen (»Mein Mann will, dass …«).9
Etwas wirklich zu wollen ist gut – aber Wollen alleine reicht nicht. Du kannst die tollste Willenskraft der Welt haben, die beste Disziplin ever – und dennoch kannst Du meilenweit am Ziel vorbeischießen. Denn ob Du Deine Ziele wirklich erreichst, hängt ja nicht nur von Dir ab! Stell Dir Deine Wünsche als großen Kreis vor – das ist Dein Interessensbereich, das willst Du. Und inmitten des Kreises ist ein kleinerer Kreis – das ist Dein Einflussbereich.
Und das ist der Knackpunkt: Nicht alles, was wir wollen, können wir beeinflussen. Bei Veränderungen sind wir immer auch abhängig von äußeren Faktoren. Manche Faktoren begünstigen unser Vorhaben, manche Faktoren boykottieren es. Die Kunst liegt darin, zu erkennen, was wir beeinflussen können und was nicht.
Was möchtest Du derzeit in Deinem Leben verändern? Was sind Deine Wünsche, Deine Träume, Deine Ziele? Mach Dir das bewusst, und prüf nun, wie groß Dein Einflussbereich auf das jeweilige Vorhaben ist.
Du hast – Hand aufs Herz – keinen Einfluss auf den Erfolg? Dann hör auf, Dich an diesen Vorhaben abzuarbeiten.
Alternative: Erhöhe Deinen Einflussbereich. Was kannst Du heute bereits tun, um aktiv auf den Erfolg einzuwirken? Ein Beispiel: Du willst den Bau der Umgehungsstraße um Deinen Ort verhindern? Als Bürger, der nur im Freundeskreis wettert, hast Du keinen Einfluss. Erhöhe Deinen Einflussbereich, indem Du eine Demo organisierst, die Presse auf die massive Waldrodung hinweist oder Dich in den Gemeinderat wählen lässt.
Wo kannst Du bei Deinen Themen Deinen Einflussbereich erhöhen? Indem Du in eine andere Funktion im Job wechselst? Indem Du überhaupt Deinen Job wechselst? Indem Du Dein Netzwerk ausbaust? Indem Du Dich weiterbildest? Indem Du Erfahrungen sammelst?
Du willst einen Bestseller schreiben? Dazu ist es wichtig, dass Du überhaupt erstmal ein Buch schreibst – das liegt in Deinem Einflussbereich. Ob es ein Bestseller wird, entscheidet sich erst danach. Und hängt nur bedingt von Dir persönlich und der Qualität Deines Buches ab. Bestseller oder nicht – das liegt nicht in Deinem Einflussbereich. Aber allein das Buch zu schreiben erhöht schon mal die Chance.
Beeinflusse, was Du beeinflussen kannst. Und lass Dich dazu vom sogenannten Gelassenheitsgebet inspirieren, das vermutlich vom US-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr stammt und in den 1940er-Jahren als »Serenity Prayer« bekannt wurde.
»Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.«
Stress, Angespanntheit, keine Grenzen setzen können, Müdigkeit, Schwere, Mutlosigkeit – häufig können wir das ganz wunderbar mit mentalen Übungen und Fragen abwenden. Doch manchmal sind es schlicht körperliche Dinge, die uns lähmen.
Der Körper ist ein Spiegel unserer Seele – aber unsere Seele kann auch leiden, wenn wir körperlich nicht auf der Höhe sind. Wir sind ganzheitliche Wesen aus Körper und Seele – und diese beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb kümmere Dich um beides.
Dieser Zusammenhang wurde mir bewusst, als ich als Studentin über einen längeren Zeitraum ausgelaugt war. Ich schlief schlecht, fühlte mich überfordert von Kleinigkeiten, aber pushte mich jeden Tag mit viel »Lass-dich-nicht-so-hängen!«-Zurufen und Koffein. Bis eines Tages ein Arzt auf die Idee kam, meine Blutwerte genauer unter die Lupe zu nehmen. Und siehe da – meine Schilddrüsenwerte waren aus den Fugen geraten. Unterfunktion. Wenige Wochen später war ich wieder die alte begeisterungsfähige und aktive Cordula.
Das ist doch sonnenklar, dass man auch an körperliche Ursachen denken muss, wenn es uns an Leichtigkeit, Gelassenheit oder Mut mangelt? Wenn es Dir klar ist, super! Viele Menschen mühen sich allerdings jahrelang ab, über mentale Kniffe die Psyche in die gewünschte Richtung zu lenken. Bis sie auf körperlicher Ebene endlich den lang ersehnten Durchbruch erreichen.
Bitte geh unbedingt zum Arzt, wenn Du Dich länger mutlos, angespannt und leer fühlst. Lass Deine Schilddrüsenwerte, Deine Eiweißwerte oder auch Dein Vitamin D checken. Manche Untersuchungen übernehmen die Krankenkassen zwar nicht, aber geh direkt in ein Labor in Deiner Stadt, die nehmen Dir Blut ab und prüfen die Werte, die Du geprüft haben willst. Die Kosten dafür halten sich in einem überschaubaren Rahmen.
Lass auch checken, ob Du Allergien oder Unverträglichkeiten entwickelt hast, die Dich schwächen. Oder ob Du an einer stillen Entzündung leidest, wenn Du müde und nicht leistungsfähig bist. »Still« deshalb, weil Du sie nicht bemerkst, Dein Körper aber ständig dagegen ankämpfen muss. Stress, Rauchen, Schlafmangel, Fehlernährung fördern diese stillen Entzündungen. Ein guter Lebenswandel mit Sport, gutem Essen und Entspannen heilt.
Mach regelmäßig einen medizinischen Boxen-Stopp, das kann Dir viel Frust und ermüdende »Das-muss-doch-gehen!«-Anstrengungen ersparen. Lass Dich beraten, welche homöopathischen Mittel Dich momentan stärken können oder welche Bachblüten Dir Mut und Gelassenheit verschaffen.
Wie kannst Du heute Deinen Körper heilen, damit die Seele aufblühen kann?
Wer sich große Ziele setzt, hat viel Raum zum Wachsen. Oder er hat einen Mount Everest vor sich, den er niemals zu bezwingen scheint.
Manche Menschen brauchen große Ziele, um ins Tun zu kommen: den nächsten Marathon unter drei Stunden 22 Minuten laufen, anstatt über vier Stunden unterwegs zu sein? Yeah! Aussteigen und was ganz anderes machen am anderen Ende der Welt? Johhh – bin ich sofort dabei! Ein Unternehmen gründen und acht Millionen Umsatz im ersten Jahr machen? Logisch, drunter fange ich gar nicht erst an! Je größer ihre Berge sind, desto mehr ist der sportliche Ehrgeiz geweckt. Sie starten durch.
Andere Menschen sind angesichts großer Ziele jedoch komplett blockiert. Eine Ausbildung zur Heilpraktikerin zu machen, die in Summe 17.000 Euro kostet? Unschaffbar! Auswandern? Puh – wie denn? Einen Bestseller-Roman schreiben? Ach – das schaffe ich doch eh nicht!
Was bewirken große Ziele, großartige Visionen bei Dir? Beflügeln sie Dich und bringen sie Dich ins Tun? Wunderbar. Dann erhöh die sportliche Challenge und mach Deine Ideen noch größer. Bring Dich an den Rand Deiner Komfortzone und leg los!
Bei Dir ist das anders? Große Ziele blockieren Dich? Jagen Dir Angst ein? Rauben Dir die komplette Euphorie? Dann mach Deine Ziele, Visionen, Ideen kleiner. »Wie bitte«, höre ich Dich jetzt empört aufschreien. »Ich soll meine großartigen Träume begraben und mich mit dem Mittelmaß zufriedengeben?« Ja, das könntest Du. Aber das meine ich nicht. Ich möchte Dich unterstützen, heute ins Tun zu kommen, damit Du morgen Deine großartigen Wünsche leben kannst. Es bringt nämlich nichts, ängstlich zu verharren und frustriert auf den großen Berg zu blicken. Davon wird er auch nicht schaffbarer. Manche Menschen tun dies. Jahrelang. Erfolgreich. Sie sitzen Tag ein, Tag aus am Fenster des Lebens, blicken auf den hohen Berg und wenden sich traurig wieder ab. Sie bleiben im Wartesaal des Lebens, anstatt in den nächsten Zug zu springen.
Ein Mann saß im Bahnhofswartesaal seines Dorfes. Tag für Tag kam er gegen 9 Uhr, blickte auf die Abfahrtstafel und setzte sich so hin, dass er die einfahrenden Züge im Blick hatte. Um 17.03 Uhr, als der letzte Zug des Tages das kleine Dorf verlassen hatte, richtete er sich mühsam auf, blickte mit erloschenem Blick den Waggons hinterher und ging still und traurig nach Hause.
Eines Tages trat ein neuer Stationsvorsteher seinen Dienst an. Ein paar Tage lang beobachtete er den alten Mann und sprach ihn schließlich an. »Hey, guter Mann, Tag für Tag sehe ich Sie hier sitzen und unglücklich nach Hause gehen. Wollen Sie nicht mal in einen Zug steigen und mitfahren?« »Ach«, sagte der alte Mann. »Ich wollte schon mein ganzes Leben lang nach Paris. Aber keiner der Züge, die hier halten, fährt dorthin. Paris ist unerreichbar!« 10
Was ist Dein »unerreichbares Paris«? Was schaust Du immer wieder an – und läufst nicht los? Weil es zu groß ist? Zu weit weg? Zu unschaffbar? Stress Dich nicht mit »großen Zielen«. Mach Deine Projekte so groß, wie es für Dich perfekt ist. Und dann lauf los.
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