Traf Gerald im Korridor, als ich von der Arbeit kam. Er sagte: »Die Titanic hat angedockt.«
Fand Tante Marjorie im Wohnzimmer, wo sie dasaß und die Fernsehzeitung durchforstete. Nachdem wir unseren traditionellen Begrüßungskuss gewechselt hatten, bei dem das ungeschriebene Gesetz gilt, dass keine Faser meines Gesichtes auch nur eine Faser ihres Gesichtes berührt, sagte sie: »Ich zirkle jene Sendungen mit schwarzer Tinte ein, die ungeeignet sind und die wir während der Weihnachtstage nicht sehen werden!«
Gerald steckte seinen Kopf zur Tür rein und sagte: »Draußen steht ein Mann, der eine besondere Sendung hat.«
Stellte sich heraus, dass es sich um den Postboten handelte, der eine späte Runde machte. Ein Päckchen und zwei Karten. Als am Abend alle im Bett waren, zählte ich die Karten, die wir bisher gekriegt haben. Nicht so viele wie letztes Jahr. Ich vergebe natürlich allen, die uns vergessen haben; aber ich finde, die könnten sich ruhig ein bisschen mehr anstrengen. Das ist doch schließlich der Sinn von Weihnachten, oder!?
Onkel Ralph kommt morgen an.
Wie in aller Welt wird das bloß mit Tante Marjorie und ihm werden?
Gerald sagt, im Vergleich zu Onkel Ralph wirkt Otto Waalkes wie der Erzbischof von Canterbury.
Apropos Gerald: Ich muss mehr mit ihm unternehmen. Er hat mich gefragt, ob ich am Freitag mitkomme und mir die neue christliche Band anhöre, die er jetzt mit ein paar Freunden aufzieht.
Sie nennen sich Bad News for the Devil – Schlechte Nachricht für den Teufel.
Ich werde gehen.
Ich mag Musik.
Wie ist es möglich, dass jemand wie Anne einen Onkel wie Ralph hat? Er kam kurz nach dem Mittagessen an, klein und dick und auf einem lächerlichen Motorroller! Für ihn ist das Leben eine Art Disneyland, allerdings freigegeben ab 18.
Katastrophale Erstbegegnung mit Großtante Marjorie. Küsste sie frontal auf den Mund und sagte: »Wusste gar nicht, dass dieses Weihnachten ein Extra-Leckerchen auf der Speisekarte steht. Halt dich an mich, Marjy-Mädchen! Könnte sein, dass du auf Ralphys Wellenlänge funkst.«
Tante Marjorie wurde blass wie ein Laken und weigerte sich den verbleibenden Abend, Ralph eines Blickes zu würdigen, geschweige denn, mit ihm ein Sterbenswort zu reden – sogar als er die Fernsehzeitung durchblätterte und meinte: »Hey! Super Service! Da ist schon jemand das Programm durchgegangen und hat die besten Sendungen angekreuzt!«
Anne und ich platzierten noch spät am Abend die Geschenke unter den Weihnachtsbaum. Die von Onkel Ralph sind alle flaschenförmig.
Wollte von Anne wissen, was Gott an Onkel Ralph ihrer Meinung nach mag. Sie sagte: »Seine Nichte.« Küsschen!
Weihnachten!
Tante Marjorie verfügte sich am Morgen in eine »ordentliche« Kirche.
Ralph war noch nicht aus den Federn, als auch Gerald, Anne und ich zum Weihnachtsgottesdienst aufbrachen.
Alles wunderschön – bis zu jenem Zeitpunkt mitten in der Gebetsgemeinschaft, als George Farmer, der hinter mir saß, aufstand und begann, mit geballter Faust hin und her zu fuchteln, während er glutvoll um »Eintracht und Bruderliebe zwischen allen Gotteskindern« betete.
Plötzlich traf mich seine Faust mit aller Inbrunst an der Schläfe; ich kippte vornüber und war einen Augenblick lang weg. Schüttelte mich, um wieder klarzukommen, und merkte zu meinem Erstaunen, dass Farmer noch immer in Fahrt war, als sei nichts passiert!
Spürte nicht viel Eintracht und Bruderliebe.
Hinterher sagte ich zu ihm: »Ich vergebe dir, dass du mich k. o. geschlagen hast, George.«
Er sagte: »Ich? Wirklich?«
Gerald meinte: »Doch. Es war beim fünfundzwanzigsten ›und, lieber Heiland, lass uns auch … ‹– ich habe mitgezählt.«
Gingen nach Hause.
Verbrachte den Rest des Tages damit, Onkel Ralphs Witze strategisch abzufangen, bevor die Pointe die Zielgerade überqueren konnte. Wurde immer schwieriger, weil er immer mehr Whisky trank.
Nach dem Tee ging er auf sein Zimmer, um etwas »wirklich Gutes« für ein Spiel zu holen, das er kannte.
Kam mit einem Gummiaffen zurück, der an einer langen elastischen Leine befestigt war. Sagte zu Großtante Marjorie, sie sollte den Affen oben in ihr Kleid stopfen und unten wieder rausholen. Dann sollte sie den Affen ihm geben, damit er ihn durch seine Hosen ziehen könnte. Daraufhin würde er ihn an Anne weiterreichen.
Dachte einen Augenblick lang, die Tante fällt in Ohnmacht.
Sie begab sich frühzeitig zu Bett. Die Flasche Gin, die ihr Ralph heute früh geschenkt hatte, hinterließ sie ungeöffnet im Papierkorb unter der Treppe.
Gerald, der den Tag anscheinend außerordentlich genossen hat, fragte Ralph, ob er noch weitere »gute Spiele« wüsste.
Ralph sagte, das beste Spiel, dass er kennt, geht so, dass alle im Kreis sitzen und jeder trinkt eine Flasche Whisky. Dann verlässt ein Mitspieler das Zimmer und die anderen müssen raten, wer es war.
Wie soll man ein christliches Haus führen, wenn Leute wie Onkel Ralph da sind?!
Glaube, ich wäre ein prima Christ, wenn mir die anderen nicht dauernd dazwischenfunken würden.
Habe das schon früher bemerkt.
Erwähnte es abends im Bett gegenüber Anne.
Sie sagte: »Ich verspreche dir, Schatz, dass Gerald und ich alles tun werden, um deiner Heiligkeit keine Stolpersteine in den Weg zu legen.«
Vermute eine Prise Ironie zwischen den Zeilen.
Richard Cook erschien heute früh, um uns zur Silvesterfeier der Gemeinde einzuladen. Redeten in der Küche.
Hatte Angst, Onkel Ralph könnte plötzlich auf der Bildfläche erscheinen und etwas Anstößiges von sich geben.
Fürchte, ich war nicht ganz aufrichtig.
Ich sagte: »Annes Onkel Ralph verbringt das Weihnachtsfest diesmal bei uns, Richard. Er ist kein Christ und kann manchmal – wie soll ich sagen – schwierig sein. Aber ich bin ehrlich gesagt der Meinung, dass zu unserem Glaubenszeugnis auch gehört, dass wir einen Geist der Toleranz zeigen und vielleicht sogar hin und wieder den Eindruck erwecken, dass uns Dinge gefallen oder amüsieren, die – wie soll ich sagen – nicht ganz – ääh – in Ordnung sind.«
Sagte das, weil ich mir bei ein oder zwei von Ralphs Witzen das Lachen nicht hatte verkneifen können. Und weil ich wusste, dass er es schaffen würde, zu Richard zu sagen: »Der hier ist gut! Adrian hat sich fast in die Hosen gemacht, als er ihn gehört hat!«
Was das »Zeugnis« betrifft, so habe ich im Zusammenhang mit Onkel Ralph bisher keinen Gedanken an so was verschwendet. Wohl nicht der christliche Typ, nehme ich an.
War erstaunt, als wir mit unserem Kaffee ins Wohnzimmer wechselten. Ein Wunder musste geschehen sein. Ralph schüttelte Richard ganz ruhig und höflich die Hand und bestand darauf, ihn zu unserem bequemsten Sessel zu geleiten, während er sagte: »Es ist mir ein wirkliches Vergnügen, einen von Adrians Freunden kennenzulernen. Nehmen Sie doch bitte Platz!«
Als Richard sein Gewicht auf den Sessel verlagerte, ertönte unter ihm ein äußerst abstoßendes Geräusch. Er fuhr hoch wie von der Tarantel gestochen, und Onkel Ralph lüftete das Sitzpolster, um eine kürzlich noch mit Luft gefüllte Gummiblase zu Tage zu fördern, auf der » HUPKONZERT « stand. Ralph kriegte sich kaum ein.
Richard, der sich offensichtlich zu Herzen genommen hatte, was ich in der Küche gesagt hatte, begann mit seiner gekünstelten Fistelstimme zu gackern und sagte: »Oh, was für ein überaus gelungener Scherz! Ich missbillige ihn keineswegs. Oh nein! Ich denke, das war sehr spaßig. Ha, ha!«
Schämte mich in Grund und Boden.
Rief Richard später an und beichtete ihm, dass ich nicht sehr ehrlich gewesen war.
Eins muss man ihm lassen: Der gute alte Richard ist nicht nachtragend. Weiß nicht, ob er bloß ein dickes Fell hat oder ob das Liebe ist.
Als Anne und Gerald kamen, erzählte ich, was passiert war.
Anne, die mit Tante Marjorie auf einer Missbilligungstour durch unser Viertel gewesen war, verhielt sich ziemlich reserviert.
Gerald dagegen ließ mich die Ereignisse dreimal erzählen. Konnte ihn noch Stunden später wiehern hören, als wir alle längst im Bett waren.
Welch ein Glück, dass Marjorie und Ralph morgen abreisen. Uns reicht’s erst mal.
In der Nacht bohrende Zahnschmerzen …
Die beiden sind weg! Endlich wieder Friede.
Ging am Abend zur Unity Hall, um Bad News for the Devil bei der Probenarbeit zu belauschen. Als ich ankam, verharrte ich einen Augenblick vor der Tür und vernahm ein Geräusch, das sich anhörte, als ob ein Klavier durch einen Fahrstuhlschacht fallt, während jemand unter dem Klavierdeckel eingeklemmt ist.
Erfuhr später, dass es sich um eine Nummer handelte, die den Titel trägt »Friede ist nah«.
Dachte bei mir, ein besserer Name für die Gruppe wäre »Ziemlich ermutigende Nachricht für den Teufel«.
Behielt das aber für mich.
Sie sind ja alle so unheimlich motiviert.
Gerald spielt Lead-Gitarre, Vernon Rawlings Bass und Elsie Burlesford Flöte. William Farmer ist zuständig für Schlagzeug (sehr laut) und Sologesang (absolut unverständlich).
Im Gespräch erfuhr ich, dass keiner von ihnen im Traum an Ruhm oder Reichtum interessiert ist. Sie wollen mit ihrer Musik ausschließlich dem Herrn dienen.
Habe Gerald noch nie so bei der Sache erlebt.
Edwin hat sie eingeladen, in drei Wochen im Gottesdienst zu spielen, falls sie bis dann »soweit sind«.
Hmmmm …
Zahnschmerzen zwar erträglich, aber pausenlos. Anne braucht es nicht zu wissen.
Aufgestanden.
Zahnschmerzen.
Wieder ins Bett.
Über meinem Haupte verlöschen alle Lichter.
Wachte um fünf wegen diesen vermaledeiten Zahnschmerzen auf. Trübsal! Intensives Gebet auf dem Klo. Vielleicht gehen sie ja einfach weg. Werde immer reizbarer. Muss aufpassen, dass Anne nichts merkt.
Um 21 Uhr zur Silvesterparty der Kirche bei den Cooks. Zuvor hatte ich gesagt: »Wir bringen Tsatsiki mit, oder?«
Anne hatte gemeint: »Kuchen wäre wahrscheinlich besser.«
Erinnerte Anne sanft, aber bestimmt daran, dass uns die Schrift lehrt, dass der Mann das Haupt des Weibes ist. Wir nahmen Tsatsiki mit.
Alle brachten Tsatsiki mit! Kein Brot, kein Kuchen, kein Pudding, nichts als Tonnen von – Tsatsiki.
Anne sagte: »Was nun, mein Herr und Gebieter?«
Gerald meinte, das Gebet des Herrn sollte künftig geändert werden in »Unser tägliches Tsatsiki gib uns heute. Denn das ist das Einzige, was Christen essen.«
Richard Cook stand in der Nähe und hatte alles mitgehört. Er sagte, das sei eine Verhöhnung des Wortes und ob Gerald wirklich ein reines Gewissen habe?
Gerald erwiderte blödsinnigerweise: »Na klar, wir geben doch immer Lenor in den letzten Spülgang!«
Richard floh in Richtung Himbeerbrause. Ich wünsche mir manchmal, Gerald würde nicht dauernd so was machen.
Gingen nach ein oder zwei Stunden voller lauter und peinlicher Spiele, die George Farmer organisiert hatte.
Beim Verlassen des Gartens stießen wir auf Leonard Thynn, der gerade eine theologische Debatte mit einem großen Gartenzwerg hatte und dabei fortwährend an einer eindeutig geformten und riechenden Flasche nuckelte. Brachten ihn heim. Gerald bestand darauf, ihn ins Haus und ins Bett zu schaffen. Typisch Gerald. Nicht fromm, aber lieb.
1.30 Uhr. Anne schläft längst. Ich nicht. Mein Gebiss steht in Flammen!
Da kann ich auch gleich meine Vorsätze fürs neue Jahr schriftlich niederlegen:
(1) Jeden Morgen werde ich Anne eine Tasse Tee ans Bett bringen. Sie verdient es.
(2) Jeden Morgen werde ich Stille Zeit halten, nachdem ich Tee gemacht habe. Werde Gott mehr von meiner Zeit schenken. Er verdient es.
10 Uhr (bei der Arbeit): Entsetzlich! Bin hundemüde, nachdem ich noch so lange auf war und über meinen Vorsätzen gebrütet habe. Vergaß, den Wecker zu stellen, sodass wir alle verschlafen haben. Anne war auf 100. Gerald grinste auf seine unnachahmliche Weise, die einen auf die Palme treiben kann. Zu spät im Geschäft. Keine Stille Zeit.
Zahnschmerzen entsetzlich, aber ich spüre, dass der Herr zu mir sagt: »Ich will dich heilen. Geh nicht zum Zahnarzt!« Gebet ist dran! (Nehme Schmerztabletten, bis Gebet erhört.)
Zahnschmerzen SCHLIMM!!! Frau hässlich. Sohn lächerlich. Gott nicht-existent. Stille Zeit? Tee am Bett? Ha! Warum heilt Gott meinen Zahn nicht, wenn er doch angeblich so wunderbar ist? Hosentaschen voller zerknüllter Aspirin-Schachteln. Fürchte, Anne schöpft Verdacht.
SCHMERZ! SCHMERZ! SCHMERZ!
Richard kam abends vorbei, um sich bei Gerald zu entschuldigen, dass ihm Dienstag der Kragen geplatzt ist. Dann entschuldigte sich Gerald dafür, dass er Richard dazu gereizt hat, sich zu vergessen; dann entschuldigte sich Richard dafür, dass er nicht schon früher gekommen ist; dann sagte Gerald … usw. usw. So was Absurdes! Die haben keine Zahnschmerzen!
Später sagte Gerald, eine Entschuldigung von Richard gleicht noch am ehesten dem juristischen Tatbestand grob fahrlässiger Körperverletzung. Fühlte plötzlich einen stechenden Schmerz in der Backe und nannte Gerald einen »arroganten Heiden«.
Anne sah mich zuerst pickelhart und durchdringend an, dann nickte sie bedächtig. »Ich wusste es«, sagte sie, »du hast Zahnschmerzen.«
Sie besorgt mir für morgen einen Nottermin.
MORGEN, Herr! Bitte heile mich vor morgen! Sie arbeiten doch samstags sowieso nicht, oder? Doch?
War beim Zahnarzt!!! Er hat meinen Zahn repariert!! Wie wundervoll, liebenswert und schön ist die Welt!
Schwebte nach Hause zu meinem betörenden Eheweib, meinem charmanten Sohn. Plauderte dabei mit meinem Gott und Herrn, der mich so lieb hat.
Warum in aller Welt machen die Leute so ein Theater, wenn sie zum Zahnarzt sollen? Alles, was man braucht, ist ein bisschen Courage, das ist alles.
Brachte Anne ohne Hadern und Murren den Tee ans Bett.
Lange Stille Zeit.
Lud Richard Cook, Leonard Thynn und Edwin Burlesford, unseren Gemeindeältesten, zum Sonntagstee ein. Gerald benahm sich bis kurz vor Schluss mustergültig.
Plötzlich beugte er sich geheimnisschwanger vor und sagte mit todernster Miene: »Richard, darf ich dir mal unter dem Siegel der Verschwiegenheit eine wirklich erstaunliche Tatsache verraten?«
Richard lernt es nie.
»Nur zu«, sagte er – gespannt wie ein Regenschirm.
»Wusstest du«, sagte Gerald feierlich, »dass die Buchstaben von Michael Jackson so umgestellt werden können, dass sie Na ja, Milchsocke! ergeben?«
Anne runzelte die Stirn.
Ich erstickte am Tee.
Edwin prustete.
Leonard gackerte.
Richard fragte: »Wer ist Michael Jackson?«
Machte auf dem Heimweg von der Arbeit einen Abstecher in den christlichen Buchladen.
All diese Bücher!
Gerald sagt, erbauliche Taschenbücher sind wie chinesisches Essen. Zunächst sehr sättigend, aber es dauert nicht lang, bis man wieder was braucht.
Erwischte aber diesmal ein wirklich gutes Buch über den Glauben. Es heißt: »Du liebe Güte – was in aller Welt tun wir in Gottes Namen um Himmels willen?«
Finde den Titel sehr originell.
Es geht darum, wie Christen durch den Glauben Berge versetzen können, wenn sie wirklich im Einklang mit Gott sind. Sehr inspirierend.
Wartete, bis keiner in der Nähe war und begann, mit einer Büroklammer zu üben. Legte sie auf den Schreibtisch, blickte sie gebieterisch an und wollte, dass sie sich bewegt. Nichts! Versuchte, es ihr mit lauter Stimme zu befehlen.
In diesem Moment kam Gerald herein und fragte: »Warum schreist du so rum, Papa?«
Konnte ihm schlecht erklären, dass ich einer Büroklammer Kommandos gab!
Sagte, ich übe Stimm-Projektion.
Er fragte: »Was ist denn das?«
Ich sagte: »Weiß ich selber nicht.« Fühlte mich wirklich belämmert.
Anne erzählt, dass bald wieder jemand ins leer stehende Haus nebenan einzieht. Wäre schön, wenn es Christen wären oder wenigstens Leichtbekehrbare.
Gerald hat es geschafft, einen Samstagsjob bei Woolworth zu kriegen. Sagt, das würde dazu beitragen, das musikalische Equipment für die Band zu finanzieren.
Anne fragte: »Bist du sicher, dass du nach einer langen Woche im College nicht zu erschöpft bist?«
Gerald lachte, als hätte sie etwas besonders Albernes von sich gegeben!
Am Abend ein weiteres Rendezvous mit der Büroklammer. Nahm diesmal wirklich Vollmacht über sie in Anspruch. Rührte sich keinen Millimeter vom Fleck.
Sagte Gott, ich würde alles aufgeben, was er von mir verlangt, wenn er sie dazu bringen würde, sich wenigstens drei Zentimeter zu bewegen.
Nichts!
Alles ziemlich besorgniserregend. Wenn man bloß den Glauben von der Größe eines Senfkorns braucht, um einen ganzen Berg zu versetzen, wie viel Hoffnung gibt’s dann für mich, wo ich nicht mal eine Büroklammer motivieren kann, zu machen, was man ihr sagt!
Richard und Edwin haben am Abend auf eine Tasse Kaffee reingeschaut. Wir plauderten ein Weilchen, als plötzlich Gerald mit einer Ladung Leitungen und Steckern und ähnlichem Zeug unterm Arm reinkam.
Richard sagte: »Ich höre, du wirst am Sonnabend dem Herrn bei Woolworth dienen, Gerald.«
»Hängt davon ab, ob er reinkommt oder nicht«, sagte Gerald.
Komische Sache – Richard, bei dem die Religion aus allen Knopflöchern trieft, machte eine unheimlich finstere und sauertöpfische Miene, als er das hörte. Edwin dagegen, der Kirchenältester ist und bei uns mehr oder weniger die Gemeinde managt, fiel in seinen Sessel, strampelte mit den Beinen und lachte sich halb tot. Seltsam!
Hoffte, Richard würde vor Edwin aufbrechen, damit ich ein bisschen Seelsorge in Sachen Glaube kriegen könnte, aber die beiden gingen zusammen.
Erzählte Anne später, ich hätte von einem Mann gehört, der versucht hat, durch den Glauben eine Büroklammer zu bewegen, es aber nicht geschafft hat. Sie gähnte und meinte: »Na ja, ein paar abartige Spinner muss es wohl geben.«
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