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Brief

Lusian an seinen Freund

Bruder, wir haben Krieg. Unser Eduard beginnt seine Regierung damit, daß er von seinen wilden Nachbarn die Länder zurückfodert, die sie unter der schlafsüchtigen Herrschaft der wollüstigen Emilie gewaltsam an sich rissen. Die feindlichen Könige hören mit Verachtung seine gerechten Foderungen, behandeln ihn wie einen unweisen Jüngling, verspotten dreist seine Gesandten, und senden ihm einige Kriegsgefangene schändlich verstümmelt zurück. Der Krieg ist erklärt. Wir fliegen an die feindliche Gränze, und stehen vielleicht schon auf fremder Erde, wenn unsere Feinde erst unsere Kriegserklärung lesen. Eduard ist lauter Leben und Tätigkeit. Ich folge seinen hastigen Schritten, und umarme dich in Gedanken, u. s. w.

Scene

Eine Ebne. Eduard, Lusian, viele Krieger, hernach Ritter Piron

Edu. Mein lieber Lusian, unsere Geschwader werden durch Freywillige bevölkert, die sich von allen Seiten zu unserer Fahne drängen.

Lus. Ich finde wackere Leute darunter. Betrachten Eure Majestät nur jene muntere Jugend von Edelleuten, es ist lauter Feuer und Seele in ihnen! Man muß sie mit gedienten Leuten vermischen.

Edu. In der That, sie entzücken mein Auge! – Warum lächelst du?

Lus. Dort eilt auf einem Klepper ein wunderbares Geschöpf; welch ein Kontrast!

Edu. Die Natur hat das arme bucklichte Männchen sehr mißhandelt. Er drängt sich zu uns durch die Haufen. Was muß er wollen?

Piron. Ich lege mich Eurer Majestät zu Füssen –

Edu. Was suchst du, mein Freund?

Piron. Kriegsdienste —

Edu. Du bist ein wenig übel gebaut —

Pir. O sehr übel; aber ich bin kein Parlament, daß ich mir selbst Glieder wählen könnte. Die Natur macht den Körper; aber ich habe meinen Kopf und mein Herz gebildet!

Edu. Wie heissest du?

Pir. Piron —

Lus. Der Name ist gnug! – Er ist mein Landsmann, aus einer Familie, die Helden zeugte, und ich nehme ihn mit Eurer Majestät Erlaubniß unter meine Geschwader. Bruder Piron, laß uns zeigen, daß nur der Kopf und das Herz tapfre Krieger macht!

Bardiet

Arnold, Dietrich, Gotmayer, und andere Hauptleute. Hedwig Arnolds Gattin, viele Jungfrauen, Krieger, Druiden, Barden, hernach Adelreich und Gefolge.5

(Die Scene ist ein Schlachtfeld und die benachbarten Gegenden.)

Arnold. Lassen wir die Cherusker im Hinterhalt! – Mäßiget eure voreilige Hitze! – Erwartet das Zeichen des Angriffs! – Wir fallen den Feinden in den Rücken!

Dietr. Kühn sind unsre Anschläge, noch kühner mein Vorsatz! – Bruder, wenn ich falle; so laß mich mit meinen Waffen begraben!

Arn. Der Prüfungskampf weissaget uns Sieg.6 Mein jüngster Sohn hat den Römer besieget!

Dietr. Sind es nicht erst zwey Monden, daß du ihm feyerlich die Waffen reichtest?

Arn. Der Nämliche!

Dietr. Welche Hofnung reifet für Deutschland heran! Freund, meinen Glückwunsch! – Du bist Vater edler Söhne! – Ha! Gotmeyer! – Priester unserer Götter sey uns gegrüßt! – Was weissagen die Opfer?

Gotm. Sieg! – Das Blut floß rein wie eine Quelle!

Arn. Bleib mit deinem Gefolge im Rückzug! Ich gebe Euch tapfere Haufen zum Schutze. Verdoppelt eure Opfer, es ist heut ein entscheidender Tag! – Ihr Barden befeuert mit Kriegsgesängen die Herzen der Streiter! – Die sichersten Gräben und die Wagenburg umringen die Freystäte der Weiber und Kinder. – Hedwig, meine theure Hedwig, mein Lebewohl! – Ich lasse dich von Söhnen und Töchtern umringet!

Hedw. Der Segen der Götter begleite dich, Freund meines Herzens! Das ist ein Tag wie mein Brauttag! Ich sehe den Gatten und die Söhne für das Vaterland streiten! – O mein Sohn Adolph, Segen auf dich! – Die mütterliche Thräne ist mein wärmster Glückwunsch! – Götter, lasset seinen Sieg zum allgemeinen Siege werden! – Junger Adler, flieg den raschen Fittigen deines Vaters nach!

Arn. Dank Weib für diesen Segen! – Meinen Abschiedskuß! – Der Führer kömmt!

Adelr. Willkommen, meine theuren Freunde! – Der warme brüderliche Handschlag sey unsere Loosung! – Der Feind nähert; unsere ersten Haufen beunruhigen seinen Zug! – Freymund, wende dich links in das Eichenthal! – Tuder, zieh dich gegen das Harzgebüsche! Vangio, behaupte die Spitze des Mondhügels! – Ihr andern bedeckt die Wagenburg und den Altar! – Gotmayer —

Gotm. Wie soll ich die Verbrecher strafen?

Adelr. Verräther hänget auf die Bäume; Verzagte ersäufet in den Pfützen! – So wird der schwarze Frevel an das Licht gebracht, und die Schande begraben! – Ich höre Schlachtgeschrey – Dort blinken die Adler der Römer! – Zur Schlacht!

(Er geht ab mit seinen Kriegern.)

Gotm. Druiden beginnet das Schlachtopfer! – Ihr Jungfrauen befeuert mit euren Kriegesgesängen die Krieger!

Chor der Jungfrauen
 
Sehet die dräuenden Schaaren! Sie wanken daher
Wie die goldenen Aerndten im Felde,
Furchtbar den Feinden, uns aber hochzeitlich schön!
Seht, sie bevölkern das schreckliche Todesthal,
Das die Besiegten verschlingt!
 
 
Auf, ihr Cherusker, Gelonen, ihr Heruler auf!
Katten, ihr Ubier, ihr Markomannen,
Auf ihr Gothonen, ihr Sueven, ihr Hirrier eilt!
Ha! Schon brüllet das Schlachtgeschrey fürchterlich;
Häufiges Feindeblut fliesst!
 
 
Sehet, sie klettern auf Leichen und Schedeln empor!
Und die zermalmten Iberier röcheln,7
Unter dem Hufe des schnaubenden Rosses! O jauchzt
Freudengesänge dem siegenden Helden zu,
Der unser Vaterland liebt!
 
 
Wodan, durchmähe mit grimmigem Schwerte das Feld;
Schrecke die staunenden Schaaren der Feinde,
Mit dem Donnergebrülle der Räder; laß sie
Eilen mit Schande zur ewigen Todesnacht,
Die nie Vallhalla bewohnt.
 

Gotm. Unsere feurigen Katten stürmen schon unter die Feinde! – Opferknabe, steig dort auf die höchste Eiche! – Was siehst du?

Der Jüngling. Die Römer weichen! – Nein, es sind ihre Bundesgenossen –

Gotm. Wo ist Adelreich?

Jüngl. Er wirft ganze Geschwader zu Boden! – Alles weicht seiner Tapferkeit!

Gotm. Segen auf sein Haupt! Wie geht es am rechten Flügel?

Jüngl. Da fechten die Römer hartnäckig!

Gotm. Barden, wendet Euch dahin! Beginnet ein feuriges Schlachtlied!

Chor der Barden
 
Fasset die goldenen Saiten, ihr Barden;
Lockt feurige Töne hervor!
Röchelt ihr Hörner den Feinden zum Schrecken!
Vaterlandsliebe befeuert
Uns, und das schlachtenbegierige Heer!
 
 
Die Alrunen8 weissagten uns Siege;
Der silberne Vollmond ruft uns!9
Suchet ihr Kämpfer das winkende Schlachtfeld,
Das eure Väter verewigt,
Und die Römer mit Schande bedeckt!
 
 
Hier faulen sklavische Zeichen des Liktors,
Die goldenen Adler sind in
Morschen Ruinen der Schlösser begraben;
Römergebeine bedecket
Auf der Fläche der blutige Sand!
 
 
Da fand einst Caßius dräuende Sieger;10
Der rühmliche Bojorix schlug
Scaurus den Führer der Römerchohorten;11
Die Ambrionen verhöhnten
Vor dem Antlitz des Marius Rom.12
 
 
Denket zurück auf die blutigen Tage,
Da Deutschland den Führer verlor!
Mitten im feurigsten Treffen erhoben
Unsere Brüder den Kühnsten
Auf den eichenen Schilden empor!
 
 
Sehet die Schatten des Brennus, des Hermanns13
Sind Zeugen des ewigen Ruhms,
Zeugen des Lorbeers, der Euch izt erwartet!
Fechtet ihr Brüder, um Freyheit,
Löwen, zermalmet die Adler von Rom!
 

Der Jüngl. Unsere Cherusker stürzen hastig aus dem Hinterhalt! – Welch ein Metzeln! – Alles sinkt unter ihren Streichen! Die Römer fliehn von allen Seiten!

Gotm. Sieg! – O Brüder, umarmet mich! – Sieg! – Es lebe Held Adelreich, es lebe Deutschland! – Dank unsern Göttern! – Singet das Siegeslied Skalden! Rüstet den Othinsbecher!14

Adelreich. Die Römer hielten minder Stand! Ihre Bundesgenossen wichen die Ersten! – Dank meine Freunde, ihr habt als Helden für das Vaterland gefochten! – Ein Lorbeer mehr für Deutschland und Euch! – Die Feinde fliehen; man verfolge die Flüchtlinge! – Ein schöner Tag! Lasset uns den Göttern die Erstlinge der Beute opfern! – Eilet deutsche Sieger zum festlichen Siegesmahle!

Chor der Skalden
 
Der Donnerer Manna schuf Wetter,
Sie wälzten sich über die Häupter
Der Römer und Deutschen hin;
Die zischenden Blitze durcheilten die Welt;
Der Donner traf Rom!
 
 
Izt lächelt für Deutschland die Sonne;
Izt höhnen die Enkel Tuiskons
Die Welteneroberer;
Dort werden die Römermanipel vertilgt,
Und füllen das Grab!
 
Alle Krieger
 
Bringet das Urushorn jauchzend zum Mahle;
Leeret den Othinskelch, Sieger!
Trinket den Feinden Verderben,
Trinket Germaniens Heil!
 

Scene

In einem Gezelt Lusian, ein Soldat, hernach der König Eduard

Lus. Eil! Ruf mir den Wundarzt! (Der Soldat geht. Lusian setzt sich auf einen Feldstuhl.) Mein Bein schmerzt mich, die Mähre traf mich gewaltig! – Eure Majestät sind Meister vom Schlachtfelde! Adler fangen keine Fliegen!

Edu. Da ist mein Lusian! Willkommen! – Mann, du hast gefochten wie ein Löwe! – Ich habe dich metzeln gesehn. Der Sieg ist unser! Dank, warmer Dank! (Er schüttelt ihm die Hand.) Begehr izt eine Gnade! Fodre ein Königreich! Ich bin in der Freude meines Herzens! – Sag, was wünschest du?

Lus. Ich? Wunderbar! – Mir fehlt izt nichts als ein Stiefelknecht, denn mein Pferd schlug aus, und streifte meinen Schenkel –

Edu. Du brauchst eine Kleinigkeit. Heb deinen Fuß! – Die Nachwelt wird sagen, nie hat man von einem Könige weniger begehrt! –

(Er zieht ihm den Stiefel aus.)

Lus. Und nie hat ein König mehr geleistet! – Izt erkenne ich, daß du ein großer König bist, weil du sogar Stiefel ausziehen kannst. Laß diesen Stiefel in deine Wappen setzen, und heisse dich kühn den Grossen, denn du hast mehr als alle Könige gethan! – Wenn alle Menschen einst über deine Härte schreyen; soll mein Stiefel dein edles Herz vertheidigen!

Edu. (indem er sich den Schweiß von der Stirne wischt) Das ist heut ein heisser Tag! Schweiß auf Schweiß! – Aber mir ist izt so wohl um das Herz. Wie die Feinde davon flohen! Freund, welch ein Sieg!

Lus. Freue Dich Held aller Helden, der Stiefel ist Deine gröste Heldenthat! Dort blutet, hier jauchzet die Menschlichkeit! – Dieß Siegeszeichen soll Deine Schatzkammer schmücken!

Scene

Ein Vorhof. Eduard, Gefolge, ein Pferdjude

Edu. Die feindliche Reuterey hat uns den Sieg zu leicht gemacht. Sie wich beym ersten Angriff. Es ist Schande! Die Verräther verdienen Strafe! Das tapfre Fußvolk des Feindes hat Wunder gethan, und würde uns die Wahlstatt streitig gemacht haben. Man halte die Gefangnen gut! Es sind wackere Leute; aber ihre Reuter sind Schurken! – Was bringst du Ephraim?

Der Pferdjude. Eure Majestät ich habe Pferde; so wahr ich lebe, vortrefliche Stücke! – Dieser Hengst lauft wie der Wind! Er kömmt aus der Schlacht –

Edu. (lächelnd) Das Pferd ist gekauft, wenn es in der Schlacht war, denn so flüchtige Pferde sah ich nicht in meinem Leben.

Brief
Marsis an seinen Freund Alsin

Kann ich genug eilen dir die Thaten deines Eduards zu erzählen? Er kam, sah, und siegte! Er überraschte seine Feinde. Lusian ist seine rechte Hand, und Piron seine Linke. Welche Genien umringen unsern König! Ich wünschte, du wärest Zeuge von der blutigen Hauptschlacht gewesen. Eduard wirkte Wunder. Nichts widerstand ihm. Lusian und Piron mußten das feindliche Lager beschleichen, und machten beyde feindliche Könige zu Kriegsgefangenen. Eduard zieht als Sieger in ihren Staaten herum. Du liebst Anekdoten, die den edlen Charakter deines Durchlauchtigen Zöglings entwickeln. Hör ein Pärchen in Eile, denn tausend andere soll er dir selbst erzählen.

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