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»Nun,« meinte Sofija ein wenig hinterhältig und spielte mit einer Bernsteinkette, die ihr um den Hals hing, ein Geschenk des Fürsten, »erziehen wir ihn als einen Bauern. Das wird ihm am gesundesten sein und am meisten wohltun. Was braucht er als zukünftiger Zar schon viel zu lernen? Ich habe auch nichts gelernt und regiere ganz passabel.«

»Nun, nun,« der Fürst lächelte, »sollte sich das nicht so glatt erledigen, weil ich einiges gelernt habe? Lesen und Schreiben muß der zukünftige Zar wenigstens lernen. Was soll Europa sonst von uns denken, dessen Blicke erwartungsvoll auf uns gerichtet sind?«

Der Fürst schlug ein scherzhaftes Pathos an.

Sofija kräuselte die Stirn:

»Ach was – Europa. Seine Blicke sind gar nicht auf uns gerichtet. Denn es ist ein blindes, altes Huhn. Jawohl,« wiederholte sie, als der Fürst schallend zu lachen begann, »Europa ist ein blindes, altes Huhn. – Küsse mich, Andrej.«

»Und Rußland?« er küßte sie zärtlich auf die unnatürlich roten Lippen – »was ist dann Rußland für ein Vogel?«

»Ein Adler« – Sofija breitete die Arme aus wie ein Raubvogel seine Schwingen, ehe er auf seine Beute niederstößt.

Der Fürst, halb für sich:

»Auch ein junger Adler wie Pjotr muß einiges lernen: nicht aus dem Nest zu fallen, ruhig und sicher zu schweben, den Feind von weitem zu erkennen, den Tod im Kampf und auch den Opfertod für seine Sippe nicht zu fürchten. Man wird ihm das beibringen müssen.«

Sofija ließ ihre Arme unwillig niederfallen.

»Was du immer mit Pjotr hast. Ich glaube, du liebst ihn, nicht mich. So lehre mich doch das Fliegen«

Sie flog an seine Brust.

Der preußische Leutnant außer Dienst Felix Timmermann wurde dem jungen Pjotr als Gouverneur beigegeben. Pjotr lernte notdürftig Schreiben und Lesen und Deutsch radebrechen. Zu einer orthographisch richtigen Schreibweise hat er es nie gebracht. Rechnen und Geometrie lagen ihm schon besser. Darin vermochte auch Timmermann, ein begabter Mathematiker, ihn eher fcu fördern. Seine Lieblingsfächer aber waren Militärwissenschaft, Nautik und Geschichte, die Timmermann selber nur mäßig beherrschte. Immer wieder aber mußte Timmermann ihm von Hannibal, von Cäsar, von Alexander dem Großen erzählen. Timmermann, dessen Kenntnisse auf sehr schwachem Grunde ruhten, schmückte die Biographien seiner Heroen, als er sah, wie sein Zögling sich an ihnen entzündete, mit eigenen Zutaten grell und phantastisch aus. Alexander der Große, der schon eher den Beinamen »Alexander der Ungeheuerliche« verdient hätte, gelangte in seiner Geschichtsstunde weit über Indien und China bis zu einem imaginären Land, wo das bis dahin unbezwungene Volk der Riesen hauste. Alexander erschlug mit eigener Hand siebentausend Riesen und heiratete, nachdem er im Zweikampf auch den König der Riesen wie einen wilden Eber erlegt, des Riesenkönigs Tochter, von der er noch in der Hochzeitsnacht heimtückisch mit einem giftgetränkten Hemd umgebracht wurde aus Rache für die Vernichtung ihres Volkes. Der gute Timmermann geriet hier unbedenklich in die Herkulessage hinein.

Pjotrs Augen aber glänzten, seine Wangen glühten.

»Und?« fragte er leidenschaftlich – »und?« Und der brave Timmermann steigerte sich zu immer kolossalischeren Heldengemälden.

Nebel lag über Preobraschensk, das Pjotr mit einem kleinen Hofstaat nunmehr allein bewohnte. Die Regentin Sofija und der Reichsverweser Fürst Galizyn hatten das Stadtschloß in Moskau bezogen.

Pjotr sah in den Herbst hinaus. Er war ein ungeschlachter Bursche geworden, der mit seinen Gliedern nicht wußte wohin. Sofija und Galizyn ließen ihn verwildern.

Er knirschte mit den Zähnen. Oh, er fühlte das ganz genau, er wußte instinktiv um den Haß seiner Schwester Sofija. Er würde ihnen aber einen Strich durch die Rechnung machen, wenn sie es sich am wenigsten versähen. Ihre und seine Rechnung: die gingen verschieden auf. Sie addierten nur. Er aber wollte multiplizieren, ja potenzieren. Er wollte seine Fähigkeiten in die x-te Potenz erheben. Wenn sie es auch nicht wollten und ihm entgegenarbeiteten: er wollte etwas aus sich machen wie Cäsar und Alexander der Große. Pjotr der Große würde es einst heißen. Sie aber nur Sofija die Kleine und Galizyn der Winzige. Alexander hatte mit Riesen gekämpft. Waren Sofija und Galizyn Riesen? Pah: Zwerge waren es, er reckte seine Glieder, mit denen wollte er schon fertig werden.

Die kahlen Bäume draußen im Herbstnebel schlenkerten ihre Äste wie Arme. Sie schienen wie Skelette, die sich tanzend bewegten. Der Wind pfiff ihnen zum Tanz auf.

Pjotr drückte sein breites, rotes Gesicht glatt an die Scheiben:

Dieser Baum wäre so übel nicht für Galizyn – und jener für Sofija. Wenn ich sie nicht hänge, hängen sie mich. Das ist der Lauf der Welt. Hat sich Alexander besonnen, als er siebentausend Feinden eigenhändig den Kopf abschlug?

Pjotr hob den rechten Arm wie ein Schwert, da steckte Timmermann den Kopf zur Tür herein.

»Treten Sie nur näher, Timmermann, Ihnen will ich den Kopf nicht abschlagen. Was wünschen Sie?«

Timmermann hatte zwei Säbel unter dem Arm.

»Kommen Sie, Prinz. Wir wollen heute mit dem Säbelfechten beginnen. Gehen wir in den oberen Saal.«

Einige französische Schneider kamen aus der Hauptstadt. Pjotr verwunderte sich sehr. Fürst Galizyn hatte sie gesandt. Sie nahmen ihm Maß zu prunkvollen und prächtigen Festgewändern aus Seide, Damast und Atlas und vermochten, als er sie um Aufklärung ersuchte, nur mit den Achseln zu zucken. Seine Hoheit der Fürst habe sich herabgelassen, ihnen diesen Auftrag zu erteilen. Wozu und warum – sie bedauerten, keine Antwort erteilen zu können, da sie keine wußten. Bald erschien auch ein deutscher Schuster, der ihm feine Saffianschuhe anpaßte.

Timmermann erwies sich als nicht orientiert. Pjotr hatte allerlei Vermutungen, von denen ihn keine befriedigte. Sollte er auf einem Hoffest offiziell eingeführt werden?

Die Schneider kamen noch einmal zur Anprobe und empfahlen sich, ihre Künste eitel selbst bewundernd, mit vielen entzückten Ahs und Ohs.

Fürst Galizyn fuhr eines Tages in großer Gala vor. Er wählte unter den neuen Kleidern das schönste und prunkvollste aus Goldbrokat und ließ es Pjotr auf der Stelle anlegen.

Er umschritt ihn mehrmals prüfend.

Wie der Henker sein Opfer, dachte Pjotr. Was hat er mit mir vor?

Dann hieß der Fürst ihn einsteigen. Timmermann, ebenfalls in großer Uniform, saß hinten auf. Potapoff kutschierte. Nun kutschiere ich Ilja, den großen Helden von Kiew. Heil Zeige dein Angesicht, aber verbirg dein Herz unter dem goldenen Brokat. Die Fahrt beginnt. Glückauf

Im Moskauer Kreml empfing ihn Sofija in weißem Atlas. Sie stand oben auf der Freitreppe. Er sah sie seit Jahren wieder zum erstenmal. Sie schritt die Freitreppe hernieder. Wie schön sie war Der Fürst half ihm aus dem Wagen. Sofija verneigte sich vor ihm. Er errötete, war verwirrt und wußte nichts zu sagen.

Sie fuhren in silberner Staatskarosse zur Metropolitankirche.

Adrian, der Patriarch, empfing ihn, weihte und segnete ihn.

Iwan war gestorben.

Pjotr wurde, sechzehnjährig, zum Zaren ausgerufen.

Er stand im grellen Mittagslicht auf der Terrasse vor der Kirche und sah hinab auf das wogende Volk, das Mützen, Blumen, Schals, Jacken, Tücher unaufhörlich in die Luft warf und schrie:

»Lang lebe Zar Pjotr«

Sofija nahm ihn bei der Hand und führte ihn bis vorn an die Estrade.

Da wurde er plötzlich sich seiner bewußt.

Er riß sich von Sofija los, sprang auf die Estrade selbst, warf seine Fellmütze in die Luft und brüllte:

»Es lebe Rußland«

Sofija war zurückgetaumelt.

Der Fürst wiegte seinen Vogelkopf hin und her.

Der Patriarch hielt die Hände betend gefaltet.

Das Volk tobte und raste vor Jubel.

Dieses Volk beschloß Pjotr kennenzulernen.

Heimlich zuweilen entwich er aus Preobraschensk in der Tracht eines Gärtnerjungen.

Er mischte sich unter Knechte, Händler, Bauern, Arbeiter, fremde Matrosen. Er lernte von ihnen das Saufen und Raufen, das Fluchen und Gott und den Teufel suchen. Er war bärenstark. Ungern band und bändelte man mit ihm an.

Er lernte die Weiber kennen.

Seine erste Geliebte war eine braune schmutzige Zigeunerin, die ihm aus der Hand wahrsagte.

»Brüderchen,« sagte sie lachend, »du hast mir einen Silberrubel geschenkt, aber ich muß dir trotzdem die Wahrheit sagen: du wirst einmal ein großer Verbrecher, ein großer Räuber wie Stenka Rasin, ein großer Mörder wie Iwan der Schreckliche. Ja, Brüderchen, sogar ein Mörder wirst du. Denk' an mich, wenn es soweit ist. Armer kleiner Pjotr, man wird dich einmal ›Pjotr den Furchtbaren, Pjotr den Besessenen› nennen. Denn du bist besessen von allen guten und bösen Dämonen, vom heiligen und unheiligen Geist, von Gott und dem Teufel.«

Seine zweite Geliebte war ein junges, zartes, fünfzehnjähriges Geschöpf, die Tochter eines Branntweinwirtes.

Er liebte sie zu heftig.

Sie ertrug seine Liebe nicht.

Sie starb daran.

Sofija fuhr dem Fürsten schmeichlerisch über die Stirn.

»Du bekommst schon Runzeln, Liebling. Du mußt etwas für dich tun, für dich und deinen Ruhm, ehe es zu spät ist.«

Der Fürst schob die Hornbrille zurecht und klappte die »Ilias« zu, in der er gelesen hatte.

»Mein liebes Kind, Dank für deinen freundlichen Hinweis auf mein beginnendes Alter: aber ich lese lieber von kriegerischen Taten, als daß ich selbst welche verrichte. Was sollte ich alter Mensch auch noch mit Krieg und Kriegsruhm anfangen? Mars ist nur ein Druckfehler für Mors. Ich sonne mich an deiner Jugend, an deinem Ruhm. Ich denke, mag die Jugend handeln.«

Sofija ließ nicht nach.

»Da unten in unserem Reiche liegt irgendwo die Krim. Ein Chan, der uns Untertan und tributpflichtig ist, soll wider uns rebellieren. Du mußt den Aufstand niederwerfen.«

»Eine lächerliche Idee, Kind. Laß ihn rebellieren. Rußland ist so groß, wir merken ja gar nichts davon. Er oder sein Nachfolger wird schon wieder zur Besinnung kommen.«

Sofija schmollte:

»Du hast keinen Sinn für Heldentum.«

»Doch, Kind, doch, aber für unnützes Heldentum nicht.«

»Dann ziehe ich selbst in den Krieg. Willst du mir die Strapazen eines Feldzuges zumuten?«

Sie zwirbelte an seiner Stirnlocke.

»Du bekommst übrigens schon weiße Haare, silberweiße Haare wie ein Lämmchen.«

Der Fürst seufzte:

»Du wirst keine Ruhe geben, bis das Lamm von den Füchsen der Krim nicht zerrissen ist. Also gut, ich werde die Tartaren bekehren.«

»Timmermann,« sagte Pjotr, »heute ist Sonntag, der Tag des Herrn, nicht der Tag der Knechte. Ich will nicht in die Messe gehen und einen dreckigen Popen die heiligen Gefäße und die reine Liturgie des Chrysostomus verunreinigen sehen. Ich will nicht hundert und aber hundertmal, wie von meinem Vater Alexej die Sage geht, das Knie vor den bunten Bildern beugen. Ich will aufrecht meinem Gott gegenübertreten und sagen:

«Hier ist Pjotr, dein Sohn, Väterchen. Er will versuchen, deiner nicht unwert zu leben und zu arbeiten. Hören Sie, Timmermann: zu arbeiten. Fünfzehnhundertmal sich bekreuzen und drei Stunden in der Messe stehen, das ist keine Arbeit. Meine lieben russischen Brüder halten Faulenzerei für die gottwohlgefälligste Tugend. Diese Faulheit muß ihnen ausgeprügelt werden. Rußland braucht Handwerker, die ihr Hand- und Seelenwerk verstehen. Auch die Dworjanje müssen endlich etwas lernen: zu reiten, zu streiten, zu leiten. Neulich verlor mein Pferd unterwegs ein Eisen. Ich habe keinen Schmied gefunden, der es recht hätte beschlagen können. Ich habe es selbst in einer Schmiede beschlagen müssen. Dieser Schmied wußte dann bei einem Glase Kwaß die amüsantesten Geschichten von Gott und der Welt zu erzählen, daß ich mich bog vor Lachen. Aber ein Pferd beschlagen: das konnte er nicht. So sind die Russen. Sie können alles – nur nicht das, was sie können sollten und müßten. Unsere Bauern wissen nicht Egge und Pflug zu führen, sie können guten von schlechtem Ackerboden nicht unterscheiden. Sie bauen immer gerade soviel an, als sie in guten Erntejahren für sich und ihre Familie brauchen. Wenn ein schlechtes Erntejahr kommt, verhungern und verrecken sie natürlich, dumm und gottergeben. Sie säen Korn in den Wald und pflanzen Obstbäume in ein Haferfeld. Rußland braucht Arbeiter, Arbeiter, Arbeiter. Aber nicht solche, die so heißen, sondern solche, die so sind. Sechsundzwanzig Stunden am Tag muß jeder arbeiten, sonst kommt Rußland nicht hoch. Rußland braucht eine Flotte und Matrosen, die sie zu führen wissen. Das Meer liegt offen da. Wir müssen bei Holländern, Engländern, Venezianern in die Schule gehen. Rußland braucht ein Heer, Offiziere und Soldaten. Der Militärdienst muß auf alle Klassen der Bevölkerung ausgedehnt werden. Frankreich und Preußen müssen uns Vorbild sein. Die Erde liegt offen da. Jetzt haben wir einen zusammengelaufenen Haufen Bewaffneter, von denen nur ein Bruchteil alte verrostete Gewehre trägt, mit denen er nicht einmal umzugehen weiß, die meisten aber haben nur Keulen, Sensen und Messer. Versteht einer was von Strategie? Drauflos lautet im Ernstfall die Parole, der Tausende nutzlos zum Opfer fallen. Es gibt ja genug Menschen in Rußland. Aber soviel wir sind: was vermögen wir gegen Schweden? gegen Polen? gegen die Türken? Perser? ja, auch nur gegen aufständische, schlecht bewaffnete Tartaren? Nichts, weil wir ein Nichts sind.«

Pjotr hatte sich in Wut geredet.

»Mein Vater hat die Juden aus dem Lande gejagt. Ich halte das für einen schweren Fehler. Sie waren der Sauerteig im russischen Brot. Sie waren wie Schmeißfliegen um uns schwerfällige Hengste. Aber es war recht so. Sie ließen uns nicht zur Ruhe kommen. Wir schlugen wenigstens hin und wieder aus. Jetzt haben wir auch das verlernt und dösen so im Stall dahin. Timmermann, auch die Juden hatten ihre Helden. Heute ist Sonntag. Lies mir aus ihrem Heldenbuch, dem alten Testament. Lies mir von den Makkabäern«

Pjotr warf sich auf ein Eisbärfell am Boden und kreuzte die Arme unterm Schädel. Timmermann stand am Stehpult wie der Prediger auf der Kanzel und las:

»Und Judas Makkabäus kam an seines Vaters Stadt. Er zog in seinem Harnisch wie ein Held und schützte sein Heer mit seinem Schwert. Er war freudig wie ein Löwe, kühn wie ein junger, brüllender Löwe, so er etwas jagt. Und er hatte Glück und Sieg.«

Da sprang Pjotr auf und brüllte, brüllte wie ein junger Löwe. Er brüllte, daß die Pferde im Stall und die Leibeigenen in den Gesindezimmern unruhig wurden und die Köpfe zusammensteckten.

Und einer, ein Greis von vielen Jahren, wisperte:

»Wenn er nur nicht wahnsinnig wird wie Iwan Wie Iwan der Schreckliche, wie Iwan der Blödsinnige Wahnsinn liegt in der Familie, ja«, und er nickte mit dem weißen Kopf, »Wahnsinn und Zarentum: das ist vielleicht dasselbe.«

Da schlug ihm Potapoff, der Kutscher, mit dem Holzlöffel auf den Mund:

»Er hat schon als Kind Tag und Nacht geschrien und war nicht zur Ruhe zu kriegen. Da half kein Wiegen, Singen und Lullen. So hat Ilja, der Held von Kiew, gebrüllt. Er wird uns alle noch in Erstaunen versetzen. Denn Gabriel schrie so, als er das Schwert gegen Luzifer schwang.«

Pjotr trat, neunzehnjährig, in den Staatsrat.

Sofija präsidierte. Sie wollte auffahren.

Er drückte sie in den Sessel zurück.

Er trug an einem silbernen Wehrgehänge einen kleinen Dolch, zog ihn und nagelte mit einem Faustschlag das Dokument, das Sofija in Händen hielt, auf der eichenen Tischplatte fest.

Auf dem Dokument hatte sich Sofija unterschrieben:

»Selbstherrscherin aller Reußen.«

»Das Dokument ist ungültig. Ich gebe meine Einwilligung nicht zu diesem Mummenschanz. Will Rußland sich ewig von Weibern regieren lassen – schweigen Sie, Fürst Galizyn – die Politik vom Fenster ihrer Herzkammer aus machen? Es muß aber ein Fenster in Rußlands Wand nach Europa zu geschlagen werden. Man hat mich künstlich dumm gehalten. Aber so dumm bin ich nicht, Ihre Intrigen nicht zu durchschauen, Sofija. Fürst Galizyn, der neue Achill – daß ich nicht lache. Besehen Sie sich doch im Spiegel, Fürst. Der beabsichtigte Feldzug gegen die Chans der Tartaren ist eine eitle Arabeske. Er wird mißlingen, denn unsere Adligen sind übermütig und roh, unsere Bürger feige und hinterhältig und unsere Bauern dumpf und dumm. Aber sie sind mir noch die Liebsten, denn ihre Dummheit hat etwas heilig Ahnungsloses. Sie sind dumm, wie Ziegen und Ochsen und Esel dumm sind. Die Ritter aber sind allesamt Donquichotes, die mit ihren von einer langen Ahnenreihe vererbten, verrosteten Lanzen gegen kriegsgewohnte, gut bewaffnete, wilde Völkerschaften anrennen wollen. Lassen Sie uns an dem Werk, das Rußland heißen soll, bescheiden und demütig arbeiten, Achtung vor der geringsten Tat, die vorwärtsbringt, aber Fluch und Gelächter der hohlen Phrase, dem hohlen Kopf. Wer einen hohlen Kopf hat, mag ihn wenigstens als Trommel herleihen.«

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