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Viel war dabei die Rede von der Raubgier und Grausamkeit des wilden Gesellen, und eine Reihe ruchloser Thaten wurde zur Bekräftigung erzählt, besonders wie er seine Laufbahn damit begonnen, den eigenen Bruder und Erben seines Vaters zu erdrosseln, als dieser ihn einst mit der Peitsche geschlagen. Seitdem treibe er sich flüchtig umher, habe bei allen bösen Streichen seine Hand im Spiele und spotte dabei jeder Verfolgung, da er über die farbige Bevölkerung des Landes und leider nicht minder über die herabgekommene weiße eine geradezu zauberhafte Macht besitze. Deshalb hatten denn zuletzt die Herren selbst sich verbunden, und dem Treiben des Burschen, den sie offenbar in gewissem Sinne für gefährlicher hielten, als die ganze unionistische Armee, sollte ein Ende gemacht werden um jeden Preis. Sichere Kundschafter wollten ihn in der Nähe gesehen haben; in dieser Posada sollte er sein Lager aufgeschlagen haben, und so hatten sie sich in der prächtigsten Jagdlaune aufgemacht, um den dunkelhäutigen Bösewicht abzufangen und ihm ohne weiteren Proceß an einem der nächsten Bäume den Garaus zu machen.

Dabei war es ihnen nun gegangen, wie schon oft Anderen vor ihnen: sie hatten das Nest leer gefunden, und der gesuchte Vogel saß Gott weiß wo und sang ihnen sein Spottlied nach.

Seltsamer Weise kam Niemand auf den naheliegenden Einfall, Walter wegen eines vermutheten Besuchs des Mulatten im Wirthshause zu befragen. Von selber aber der Gesellschaft mitzutheilen, wie nahe er noch vor wenigen Minuten den Gesuchten vor dem Revolver gehabt, dazu verspürte er im Hinblicke auf den unglücklichen Wirth keine Lust. Er lehnte auch die Einladung, sich an der weiteren Hetze zu betheiligen, die ihm von mehreren Seiten gemacht wurde, unter dem Vorwand von Ermüdung mit ruhigen, höflichen Worten ab und zog sich bald in die Kammer zurück, welche die Wirthin, dankbar für sein Schweigen, ihm in der Eile zurecht gemacht hatte. Die Männer hatten unterdessen stehend ihre Gläser ausgetrunken; jetzt zündeten sie ihre Fackeln wieder an, und gleich darauf hörte Walter sie unter wildem Hallo davonbrausen, froh, der unheimlichen Verwickelung nach beiden Seiten hin in so guter Art entkommen zu sein.

Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als er am nächsten Morgen mit seinem Neger bereits wieder auf der Wanderung war. Die Absicht, seinen verdächtigen Begleiter zu entlassen, hatte er aufgegeben, seit der neue Morgen ihm die Ruhe der Ueberlegung und das gewohnte Phlegma wiedergegeben hatte. So trabten sie denn weiter zusammen in friedlicher Vereinigung, und wenn der Schwarze wirklich Grund hatte, mit dem Ausgang der gestrigen Begegnung unzufrieden zu sein, so war er klug genug, es nicht merken zu lassen.

Um vor jeder Möglichkeit einer neuen Begegnung mit Melazzo gesichert zu sein, hielt es der Botaniker für das Klügste, ein Land zu verlassen, wo die Gesetze nur dem Namen nach existiren, und sich und seine Mission sobald wie möglich unter den Schutz der nordamerikanischen Flagge zu stellen.

So hatte er sich denn wohlgemuth der nahen Grenze zugewendet, und in seinem Herzen bat er dem Neger die ungerechte Verdächtigung ab, als er diesen in einer wahrhaft kindlichen Freude über die veränderte Reiseroute sich ergehen sah.

Es mochte der dritte Nachmittag nach jenem ereignißreichen Abend sein, als Walter, der sich bereits wohlbehalten auf dem Boden der Union befand, nach einer ungewöhnlich erfolgreichen botanischen Streiferei, behaglich im Schatten einer weit ausgebreiteten Platane hingestreckt, seine wissenschaftliche Ausbeute zu besserer Einsichtnahme vor sich ausgebreitet hatte.

In freudige Betrachtungen über die günstigen Erfolge des Tages versunken, hörte er plötzlich einen Gegenstand pfeifend durch die Luft sausen, und fast zu derselben Zeit hatte sich die Schlinge eines Lasso fest um den Hals des jungen Mannes gelegt. Ohne einen Laut von sich zu geben, sank er rücklings auf den Boden zurück, von dem er sich eben erhoben hatte. »Nicht tödten!« hörte er noch den in spanischer Sprache ertheilten Befehl und verlor dann für einen Augenblick die Besinnung.

Als er erwachte, fühlte er sich an Händen und Füßen gebunden; dunkle Gestalten bewegten sich um ihn; der Lasso wurde von seinem Halse genommen und ein Knebel zwischen seine gewaltsam geöffneten Zähne geschoben. Dann hoben ihn zwei Neger in die Höhe, warfen ihn wie einen Sack Getreide über ihre Schultern, und fort ging es unter Lachen, Johlen und Singen, quer durch den Wald, daß die Aeste der Bäume und die dornigen Zweige der Lianen dem Gefangenen empfindlich in das nach aufwärts gewendete Gesicht schlugen.

Eine Stunde etwa dauerte der Marsch; dann lichtete sich der Wald; ein weiter Wiesenraum dehnte sich vor ihnen aus, und zugleich schlugen die Laute einer größeren Menschenmenge an Walter’s Ohr. Er versuchte den Kopf zu wenden: Lagerfeuer brannten an vielen Stellen über die Lichtung verstreut, und um dieselben wimmelte es von abenteuerlichen Gestalten, alle der farbigen Race angehörend, in einer Anzahl, die dem Deutschen in seinem jetzigen halbbetäubten Zustande geradezu unübersehbar erschien.

Bei dem Erscheinen des Trupps, welcher den Gefangenen brachte, bemächtigte sich dieser Strolche eine unbeschreibliche Aufregung. Wer in der Nähe war, warf unter Fluchen und Verwünschungen weg, was er gerade in den Händen hielt, um mitzugehen, und von den entfernteren Punkten liefen die Anderen herbei und schlossen sich an. Dazwischen erscholl das Bellen der Hunde, das Weinen und Schreien der gestoßenen und getretenen Kinder, das schrille Rufen der Weiber.

Die Träger hatten noch nicht Halt gemacht, als eine mächtige, wohlbekannte Stimme an Walter’s Ohr schlug.

»Habt Ihr ihn endlich?«

»Ja, Herr!« lautete die Antwort.

Dann noch einige Schritte, und mit einem plötzlichen Rucke sah sich der unglückliche Gelehrte dicht neben einem riesigen offenen Feuer auf die Erde versetzt.

Seine erste Bewegung deutete auf den, freilich vergeblichen, Versuch, sich der gefährlichen Nähe der züngelnden Flammen zu entziehen. Ein rohes Lachen der ihm zunächst Stehenden antwortete hierauf, und schon hoben sich ein paar nackte braune Füße in der unverkennbaren Absicht, ihn dem feindlichen Gluthherde noch näher zu schieben, als ein leiser drohender Laut der soeben gehörten befehlenden Stimme im Momente rings umher lautlose Ruhe schuf. Aufblickend, erkannte Walter die hohe Gestalt und die grausamen kalten Augen des Mulatten Melazzo, die in aufmerksamer Beobachtung auf ihn gerichtet waren.

»Pedro!« rief der Mulatte jetzt.

Ein junger Mestize trat vor, der die Leitung des Unternehmens gehabt zu haben schien.

»Es ist der Spion, Herr, der Deinen Zufluchtsort verrathen hat. Heute trafen wir ihn, als er eben seine Zaubermittel vor sich ausgebreitet hatte. Möge ihn die verdiente Strafe treffen!«

Der Mulatte nickte. Seine unheimlichen Augen verließen den Gefesselten nicht einen Augenblick.

»Ja, er ist es,« sagte er dann mit der eigenthümlich wohllautenden Stimme, die für Walter das Entsetzliche seiner Erscheinung womöglich noch erhöhte. »Er ist der Mann, der nicht nur mich, sondern uns Alle dem Strick der weißen Schufte ausliefern wollte. Was werden wir mit ihm beginnen?«

Ein Zucken zweideutigen Erstaunens lief über all die gaffenden, in höchster Spannung stierenden dunklen Gesichter; dann folgte ein Murmeln, welches ungefähr die Meinung kundgab, daß der umliegende Wald Bäume genug enthalte, um die ganze Sclavenhalter-Armee an ihren Zweigen baumeln zu sehen, und daß daher nichts leichter sei, als diesen einzelnen wehrlosen Deutschen mit einem passenden Galgen zu versorgen.

Der Mulatte nickte auf’s Neue. Ueber seine bronzenen Gesichtszüge glitt es wie herber Hohn, doch nur für die Dauer einer Secunde. Er erhob den Kopf, und die frühere athemlose Stille trat wieder ein.

»Er hat den Tod verdient,« sagte er mit laut erhobener Stimme. »Wir stehen indessen nicht allein. Der Union, den Befreiern der Sclaven sind unsere Dienste gewidmet, und General Grant zahlt mit freigebiger Hand jede Kundschaft, die wir ihm bringen. Die Aussagen dieses Menschen können ihm und dadurch auch uns von Nutzen sein. Ueberlaßt ihn daher mir! Ich werde ihn auszuforschen wissen, und Ihr sollt alle mit mir zufrieden sein.«

Wieder durchlief ein Murmeln die Versammlung; nach kurzem, unsicherem Zögern erfolgte endlich die einstimmige Einwilligung. Der Mulatte schien es nicht anders erwartet zu haben. Ruhig winkte er ein paar Leute heran.

»Bringt den Gefangenen in Sicherheit!« sagte er. »Die Nacht ist da; Ihr werdet müde und hungrig sein; ein Fäßchen Rum steht für Euch bereit. Geht und laßt es Euch schmecken.«

Ein tobender Jubel antwortete dieser Rede. Wieder wurde Walter aufgehoben und wenige Minuten darauf befand er sich in einer Art von Verschlag, der, roh aus ungeschälten Holzstämmen ausgeführt, zur Aufbewahrung von Kisten und allerhand Vorräthen diente. Die schwere Thür wurde geschlossen, und eine eiserne Stange von außen davor befestigt; der junge Mann war allein und hatte ungestörte Muße, seine Lage zu übersehen, so weit nämlich die traumartige Betäubung, von der er sich noch immer nicht befreien konnte, und das schmerzende Einschneiden seiner Bande ihm die Fähigkeit dazu ließe.

Walter glaubte nicht, daß Melazzo es auf seinen Tod abgesehen – und doch – wenn es kein anderes Mittel zur Rettung gab, als eines, das offenbar der Wahnsinn erfunden hatte – Walter’s Seele bäumte sich schaudernd auf bei dem Gedanken. Sollte er ein Weib aus dieser blutgetränkten Hand empfangen, dann dünkte ihm selbst der Tod eine Erlösung.

Allein der Tod ist kein Gast, den man mit offenen Armen und lächelnder Lippe zu empfangen pflegt, und Walter hatte so Vieles, was ihm das Leben theuer machte: eine segensreiche Wirksamkeit, den Ruhm des Gelehrten, und vor Allem die Heimath, von der er jetzt erst fühlte, wie stark sie seine Seele fesselte.

Sie war ihm kein Paradies gewesen, diese Heimath, denn Walter war armer Leute Kind und hatte sich durchkämpfen müssen durch des Lebens Noth – es war ihm gelungen – und wie Vieles enthielt diese Heimath nicht sonst noch, wie Vieles, das ihm theuer war! Der letzte Brief, den er der Mutter geschrieben, er sollte nun der letzte bleiben für alle Ewigkeit.

Walter stöhnte auf im grimmen unaussprechlichen Schmerze. Und dazwischen kamen immer wieder die körperliche Leiden und steigerten sich zur unerträglichen Qual. Er konnte nicht schreien; denn der Knebel riß seinen Mund aus einander und drückte ihm die ausgedörrte Zunge gegen den trockenen, brennenden Gaumen – ach! und er hätte Alles gegeben, was er auf Erden besaß, für einen einzigen labenden Trunk.

Endlich nahm die fieberhafte Betäubung immer mehr überhand und versenkte ihn in einen Zustand halber Vergessenheit. Da weckte ihn ein Geräusch, das vor dem Verschlage entstand. Die eiserne Stange wurde von der Thür weggenommen; diese öffnete sich; Licht drang herein, und Melazzo erschien auf der Schwelle. Ein junger Neger hinter ihm trug eine Fackel, die er, vortretend, an der Mauer in eine rohe Klammer befestigte; dann bückte er sich zu dem Gefangenen nieder, löste den Knebel aus seinem Munde und rückte ihn in sitzende Stellung, worauf er sich schweigend entfernte.

Melazzo hatte dem ganzen Vorgehen stumm mit verschränkten Armen zugesehen; nun trat auch er vor, stieß mit dem Fuße einen großen Holzblock in die gehörige Lage und setzte sich nieder. Dann zog er mit Gelassenheit ein höchst zierlich gearbeitetes silbernes Etui hervor, das schwerlich auf gesetzlichem Wege in seinen Besitz gelangt war, entnahm ihm einige Cigaretten und begann mit größter Gemüthsruhe zu rauchen, indem er dabei mit offenbarer Befriedigung seinen Gefangenen betrachtete.

Walter wandte die Augen weg, um sich den verhaßten Anblick zu ersparen. Melazzo rauchte unbekümmert weiter. Endlich hatte er seine Cigaretten zu Ende geraucht, und Walter fühlte, daß nach der Komödie jetzt der Ernst sich geltend machen werde.

»Ihr seht, daß ich Wort zu halten weiß – wir sehen uns wieder,« eröffnete Melazzo das Gespräch. »Könnt Ihr nicht sprechen, oder habt Ihr mir nichts zu sagen?« fuhr er fort, da der Deutsche schwieg.

»Was soll ich sagen? Wir sehen uns wieder – das Wie und Warum und die Folgen, welche dieses Wiedersehen haben wird, mögt Ihr vor Eurem Gewissen verantworten.«

Der Mulatte zuckte die Achseln.

»Das Warum habt Ihr vorhin gehört,« sagte er ruhig.

»Ich habe Euch nicht verrathen.«

»Ich weiß es.«

»Und doch behandelt Ihr mich wie einen überwiesenen Verbrecher?«

»Könnt Ihr meinen Leuten beweisen, daß Ihr unschuldig seid?«

»Ich nicht, aber Ihr. Sprecht vernünftig mit diesen Menschen, und sie werden Euch glauben.«

»Lenkt man wüthende Massen durch die Stimme der Vernunft? Nur der gesättigte Tiger hört auf den Befehl seines Wärters.«

»Und das ist Eure Gerechtigkeit?« stöhnte Walter auf.

»Was haben wir mit der Gerechtigkeit zu thun? Wird die Natur durch Gerechtigkeit beherrscht? Wenn der Orkan die Palme fällt, ist es die Gerechtigkeit, die ihren Schaft zerknickt?«

»Nein – aber Ihr wißt es, daß ich unschuldig bin.«

»Auch die Antilope ist unschuldig, und doch trifft sie das Blei des Jägers.«

Er schwieg und eine Weile ruhte sein Blick wie in tiefen finsteren Gedanken auf dem Gefangenen.

»Wo so viele Schuldige straflos durchkommen,« fuhr er dann ruhig fort, »was liegt daran, ob ein Schuldloser zu Grunde geht? Denkt an die Generationen farbigen Blutes, die, durch Eures Gleichen von ihrem natürlichen Boden gerissen, in der Fremde unter Martern lebten, unter Martern starben und Alle, Alle in Verzweiflung hinüber gingen, und dann beklagt Euch, daß Euer Loos ein zu hartes ist! – Nein, Ihr müßt sterben, wenn ich Euch nicht rette – und dazu giebt es nur einen Weg: Ihr müßt das Mädchen heirathen, für das ich Euch bestimmt —«

»Niemals!« rief Walter verzweifelnd.

»Ihr müßt sie heirathen, oder morgen hängt Ihr als Leiche an einem der nächsten Bäume – das ist die mildeste Todesart, die ich Euch versprechen kann.«

»In Gottes Namen!« rief Walter mit einer Art zorniger Ergebung. »Wollt Ihr mich morden, so macht es wenigstens kurz!«

»Hört mich an: das Mädchen ist jung, schön, reich, wohlerzogen, von guter Familie. Hunderte werden Euch beneiden.« Und er setzte mit cynischer Ironie hinzu: »Sie hat sogar die Ehre, mit mir verwandt zu sein.«

Walter schauderte, und unwillkürlich schloß er die Augen, als könne er es dadurch ermöglichen, sie nicht einmal in Gedanken zu sehen. Dann besann er sich.

»Wenn sie das alles ist, warum heirathet Ihr sie nicht selbst?« fragte er rasch.

»Es war auch meine Absicht, allein sie will mich nicht. – Ja,« wiederholte er und sah an seiner stattlichen Gestalt hinunter, als könne er solche Verblendung nicht begreifen, »sie will mich nicht. Sie hat erklärt, lieber, als noch einmal von einer Heirath mit mir auch nur zu hören, werde sie sich das Leben nehmen, und der kleine Satan,« setzte er mit einer Art grimmig verbissenen Lachens hinzu, »ist wirklich im Stande, es zu thun. – Uebrigens habe ich mich inzwischen verheirathet. Folgt meinem Beispiel und entscheidet Euch schnell! Die Zeit ist kurz.«

»Aber großer Gott, ich kann einmal nicht heirathen!« rief Walter außer sich. »Es ist nicht meine Schuld – ich hege eben eine unüberwindliche Abneigung gegen die Ehe, und mein Beruf —«

»Nun, Ihr müßt es ja wissen, ob Ihr lieber hängen wollt,« unterbrach ihn Melazzo trocken.

»Bedenkt, daß meine Regierung, daß die amerikanische Regierung, daß General Grant, dem Ihr dient, niemals ein solches Verfahren dulden würden! Bedenkt, daß sie einen Mord, der an einem friedlichen Reisenden und obendrein an einem Vertreter der Wissenschaft begangen wird, ahnden werden!«

»Und was kümmert das mich?« rief Melazzo dagegen. »Was vermögen sie überhaupt in diesen Wäldern gegen mich? Wo der Löwe brüllt, muß selbst der Tiger weichen; wo Melazzo steht, da kann kein Anderer Gebieter neben ihm sein.«

»Wird es immer so bleiben? Werdet Ihr nie die Wälder verlassen?«

»Nicht mit mir hat es die Regierung zu thun,« entgegnete ruhig der Mulatte. »Nicht mein Opfer seid Ihr – merkt es Euch! – sondern das meiner Leute, die in Euch den Spion der Secessionisten sehen. Ihr wehrt Euch umsonst, und der Tod ist Euch gewiß, wenn Ihr nicht meinen Willen thut. Aber ich hasse Euch nicht; ob Ihr lebt oder sterbt, was kümmert es mich? Meiner Rache fallen der Opfer genug; ich brauche Euch nicht dazu, und selbst in dem, was ich von Euch fordere, habe ich es nicht auf Euer Unglück abgesehen. Meine Lebensschicksale mögen Euch meine Handlungsweise erklären. Ich bin der Sohn eines Weißen und einer seiner Sclavinnen. Ich hatte einen liebevollen Vater, aber dafür hegte der Bruder desselben eine um so unbegrenztere Antipathie gegen den farbigen Bastard-Neffen, und manche Strafe und Demüthigung, die meine Jugend traf, danke ich ihm. Er that mehr – er, dieser Onkel —« die Augen des Mulatten glühten und seine Fäuste ballten sich – »er hat nach meines Vaters plötzlichem Tode meine Mutter weit hinein in die Union verkauft und unserer Beider Freibrief aus dem Nachlasse verbrannt. Er war ja Vormund für meinen saubern Halbbruder, dem die Erbschaft zufiel, und dieses Brüderchen – haha! – dieses Brüderchen war die getreue Copie des Onkels und ich der ‚Hund von einem Sclaven’ für ihn. Während der Herr Onkel in Europa drüben sich vergnügte, hörte sein Neffe hier eines Tages auf zu leben. Ich hatte zufällig einen Strick gefunden, der ihm paßte. Seitdem habe ich in den Wäldern auf die Rückkehr des Onkels gewartet; und ich mußte lange warten – bis der Krieg ausbrach. Da kam er herüber und fing an, auf mich zu fahnden.«

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