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Zuerst, an der Spitze, erscheinen Reiter auf numidischen Rossen mit Schabracken von Goldstoff oder Tigerhäuten. Einige werden den Spazierritt im Schritt fortsetzen; diese haben vor sich Läufer in kurzen Tuniken mit leichter Fußbekleidung, mit einem um die linke Schulter gerollten Mantel, die Seiten umschlossen von einem ledernen Gürtel, den sie nach Belieben zusammenziehen oder auseinander lassen, je nachdem der Gang, welchen sie zu nehmen gezwungen sind, mehr oder minder rasch ist. Andere, als machten sie sich den Preis des Rennens streitig, werden in ein paar Minuten die ganze Länge der Via Appia zurücklegen; sie lassen am Kopfe ihrer Pferde herrliche Molosse mit silbernen Halsbändern laufen, und wehe dem, der sich aus dem Wege dieses Wetterwirbels findet! wehe dem, der sich von diesem erschrecklichen Gemenge von Gewieher, Gebelle und Staub umhüllen läßt! Man wird ihn von den Hunden gebissen, von den Pferden mit den Füßen getreten ausheben, man wird ihn blutig, gebrochen, gequetscht wegtragen, während der junge Patrizier, der den Streich vollführt hat, sich, ohne den Lauf seines Rosses zu hemmen, umwenden, in ein Gelächter ausbrechen und seine Geschicklichkeit in Verfolgung seines Weges aus die dem Ziele, nach welchem sich sein Pferd wendet, entgegengesetzte Seite schauend, zeigen wird.

Hinter den numidischen Rossen kommen die leichten Wagen, welche beinahe an Schnelligkeit mit den Kindern der Wüste streiten würden, deren Race nach Rom zugleich mit Iugurtha gebracht worden ist; das sind Cisii, lustige Equipagen, eine Art von Tilburys, gezogen von drei fächerartig eingespannten Maulthieren, von denen das rechts und das links, ihre silbernen Schellen schüttelnd, galoppiren, während das mittlere, der geraden Linie mit der Unbeugsamkeit und, wir möchten beinahe sagen, mit der Geschwindigkeit eines Pfeiles folgend, trabt; dann erscheinen die Caruccä, hohe Wagen, von denen das Corricolo unserer Zeit nur eine Varietät oder vielmehr eine Nachkommenschaft ist; selten führen diese die Elegants selbst, sondern sie lassen sie von einem numidischen Sklaven führen, welcher das malerische Costüme seines Landes trägt.

Hinter den Cisii und den Caruccä rücken die vierräderigen Wagen heran: die Rhedä mit purpurnen Polstern und reichen Teppichen, welche nach außen niederfallen, die Covini, bedeckte und so hermetisch verschlossene Wagen, daß sie zuweilen die Mysterien des Alcoven auf die Straßen und auf die öffentlichen Spaziergänge Roms versetzen; – endlich, einen Contrast mit einander bilden, – die Matrone mit ihrer langen Stola bekleidet, in ihre dichte Palla gehüllt, mit der Steifheit einer Bildsäule in dem Carpentum, einer Art von Wagen von besonderer Form, sitzend, dessen sich zu bedienen nur die Patrizierfrauen das Recht haben, – und die Conrtisane bekleidet mit Gaze von Kos, d.h. mit Luft gewoben aus gesponnenem Nebel, nachlässig in ihrer Sänfte liegend, welche acht Träger mit herrlichen Penulä bedeckt schleppen, begleitet rechts von ihrer griechischen Freigelassenen, einer Liebesbotin, einer nächtlichen Iris, welche einen Augenblick ihr süßes Gewerbe ruhen läßt, um mit einem Fächer von Pfauenfedern die Luft, die ihre Gebieterin einathmet, in Bewegung zu setzen, links von einem liburnischen Sklaven, dem Träger eines mit Pelzwerk überzogenen Fußtrittes, an dem ein langer, schmaler Teppich ebenfalls von Pelz befestigt ist, damit die weichliche Priesterin des Vergnügens aus ihrer Sänfte aussteigen und den Ort, an welchen sie sich zu setzen entschlossen ist, erreichen kann, ohne daß ihr nackter, mit Edelsteinen beladener Fuß den Boden zu berühren braucht.

Dann, hat man einmal das Marsfeld hinter sich, ist man außerhalb der Porte Capena und auf der Via Appia, so verfolgen Viele ihren Weg zu Pferde oder im Wagen, Viele steigen aber auch aus, übergeben ihre Equipage der Obhut ihrer Sklaven, gehen in dem zwischen den Gräbern und den Häusern vorbehaltenen Zwischenraume spazieren oder setzen sich auf Stühle und Tabonrets, welche Speculanten in freier Luft gegen ein halbes Sestertium für die Stunde an sie vermiethen. Ah! hier sieht man die ächten Eleganzen! Hier herrscht die Mode mit Willkühr! Hier studirt man an den wahren Mustern des guten Geschmacks den Schnitt des Bartes, der Haare, die Form der Tuniken und jenes große von Cäsar gelöste, aber von der neuen Generation in Zweifel gesetzte Problem, ob man sie lang oder kurz, weit oder eng tragen soll! Cäsar trug sie schleppend und weit; doch seit Cäsar hat man große Fortschritte gemacht! – Hier streitet man mit allem Ernste über das Gewicht der Sommerringe und der Winterringe, über die Composition der besten Schminke; über die beste Bohnenpommade, um die Haut geschmeidig zu erhalten; über die delicatesten Pastillen von Myrrhe und Mastix mit altem Weine geknetet, um den Athem rein zu erhalten! Die Frauen hören zu, während sie nach Art der Gaukler von ihrer rechten Hand in ihre linke Ambrakugeln werfen, welche zugleich erfrischen und Wohlgeruch verbreiten; sie spenden Beifall mit dem Kopfe, mit den Augen und von Zeit zu Zeit sogar mit den Händen den gelehrtesten und gewagtesten Theorien; ihre durch das Lächeln geöffneten Lippen zeigen ihre perlartig weißen Zähne; ihre zurückgeworfenen Schleier lassen, einen reichen Contrast mit ihren pechschwarzen Augen und ihren ebenholznen Brauen bildend, herrliche Haare von einem Gluthblond, von einem Goldblond oder von einem Aschblond sehen, je nachdem sie die ursprüngliche Farbe mit einer Seife bestehend aus Buchenasche und Ziegentalg, welche sie aus Gallien kommen lassen, oder eine Mischung von Essighefe und Mastixöl benützend, oder endlich, – was noch einfacher ist, dadurch verändert haben, daß sie in den Tavernen des Porticus Minucius, dem Herculestempel gegenüber, glänzende Haare kauften, welche arme Mädchen Germaniens an den Scheerer um fünfzig Sestertien veräußerten, während dieser sie um ein halbes Talent wieder verkauft.

Und dieses Schauspiel wird mit Neid betrachtet von dem halb nackten Manne aus dem Volk, von dem kleinen ausgehungerten Griechen, der für ein Mittagsmahl zum Himmel aufsteigen würde, und von dem Philosophen mit dem abgetragenen Mantel und der leeren Börse, welcher sich hier einen Redetexte gegen den Luxus und den Reichthum nimmt.

Und Alle, mögen sie sitzen, liegen, stehen, gehen, kommen, sich bald auf dem einen Beine, bald auf dem andern schaukeln, ihre Hände aufheben, um ihre Aermel zurückfallen zu machen und ihre Arme zu zeigen, von denen die Haare sorgfältig entfernt worden sind, lachen, lieben, scherzen, schnarren, während sie sprechen, Lieder von Cadix, oder Alexandrien trällern, vergessen diese Todten, welche sie hören, ihnen rufen, werfen mit Albernheiten in der Sprache von Virgil um sich, wechseln Calambours im Idiom von Demosthenes, sprechen besonders Griechisch, denn das Griechische ist die wahre Sprache der Liebe, und eine Courtisane, welche nicht zu ihren Liebhabern in der Sprache von Lais und Aspasia zu sagen wüßte: Ζ∞η ϰαι ψυχη (mein Leben und meine Seele) diese Courtisane wäre nur ein Mädchen, gut für gemeine Soldaten mit Sandalen und ledernen Schilden.

Hundertfünfzig Jahre später wird der falsche Quintilius erfahren, was es kostet, nicht Griechisch zu sprechen.

Und dennoch, um Unterhaltung, Monumente, Schauspiele, Brod dieser eitlen, wahnsinnigen Menge zu geben, diesen jungen Leuten mit leichten Köpfen, diesen Weibern mit verfälschten Herzen, diesen Familiensöhnen, die ihre Gesundheit in den Häusern der Unzucht und ihre Börsen in den Tavernen lassen, diesem müßigen, trägen Volke, weil es vor Allem italienisch ist, – aber mürrisch, als wäre es englisch, stolz, als wäre es spanisch, streitsüchtig, als wäre es gallisch, diesem Volke, welches sein Leben damit zubringt, daß es unter den Säulenhallen spazieren geht, in den Bädern schwatzt, im Circus in die Hände klatscht, für diese jungen Leute, für diese Weiber, für diese Familiensöhne, für dieses Volk besingt Virgil, der süße Schwan von Mantua, der christliche Dichter dem Herzen, wenn nicht der Erziehung nach, das ländliche Glück, verflucht er den republikanischen Ehrgeiz, brandmarkt er die Ruchlosigkeit der Bürgerkriege und bereitet er das schönste und größte Gedicht vor, das seit Homer gemacht worden wäre, und das er verbrennen wird, weil er es unwürdig nicht nur der Nachwelt, sondern auch seiner Zeitgenossen findet. Für sie, um zu ihnen zurückzukommen, flieht Horaz bei Philippi und wirft, damit er leichter laufen kann, seinen Schild weit hinter sich; um von ihnen angeschaut und genannt zu werden, geht er zerstreut aus dem Forum, aus dem Marsfelde, am Ufer der Tiber spazieren, ganz beschäftigt mit dem, was er Bagatellen nennt: seine Oden, seine Satyren und seine Ars poëtica! An sie und in seinem tiefen Bedauern, von ihnen getrennt zu sein, richtet der lockere Ovid, – schon seit fünf Jahren zu den Thraciern verbannt, wo er das, doch so leichte, Vergnügen, einen Augenblick der Liebhaber der Tochter des Kaisers gewesen zu sein, oder den gefährlichen Zufall, das Geheimniß der Geburt des jungen Agrippa erlauert zu haben, büßt, – an sie richtet Ovid seine Tristia, seine Pontica und seine Metamorphosen; um sich wieder in ihrer Mitte zu befinden, fleht er Augustus an, wird er Tiberius anflehen, ihn wieder nach Rom zurückkehren zu lassen; nach ihnen wird er sich sehnen, schließt er fern vom Vaterlande die Augen, mit einem und demselben Blicke, mit jenem letzten Blicke, der Alles sieht, die herrlichen Gärten von Sallust und das arme Quartier von Suburrus und die Tiber mit dem majestätischen Gewässer, wo Cäsar im Kampfe mit Cassius beinahe ertrunken wäre, und das Wasser des Velabrum umfassend, an welchem sich der heilige Wald, der Zufluchtsort der latinischen Wölfin und die Wiege von Romulus und Remus, ausdehnte! Für sie, um ihre Liebe, veränderlich wie ein Apriltag, zu erhalten, bezahlt Mäcenas, der Abkömmling der Könige Eturiens, der Freund von Augustus, der wollüstige Mäcenas, der nur gestützt aus die Schultern von zwei Eunuchen zu Fuß geht, die Gesänge seiner Dichter, die Fresken seiner Maler, den Prunk seiner Schauspieler, die Grimassen des Mimen Pyladus, die Luftsprünge des Tänzers Battyllus! Für sie eröffnet Bulbus ein Theater, errichtet Philippus ein Museum, baut Pollio Tempel! An sie theilt Agrippa unentgeldlich Lotteriebillets aus, welche Loose von zwanzigtausend Sestertien, gold- und silbergestickte Stoffe vom Pontus, mit Perlmutter und Elfenbein eingelegte Meubles gewinnen; für sie richtet er Bäder ein, in denen man vom Augenblick, wo die Sonne aufgeht, bis zur Stunde des Sonnenuntergangs bleiben kann, wo man aus Kosten des Herrn rasirt, parfümirt, eingerieben, getränkt und gespeist wird; für sie gräbt er Kanäle in einer Länge von dreißig Meilen, für sie baut er siebenundsechszig Meilen Wasserleitungen, führt er täglich nach Rom eine Wassermasse von zwei Millionen Kubikmetern und vertheilt sie in zweihundert Brunnen, in hundertunddreißig Wasserthürme und hundertsiebzig Bassins! Für sie endlich, um ihnen in Marmor das backsteinerne Rom zu verwandeln, um ihnen Obeliske aus Aegypten kommen zu lassen, um ihnen Forums, Basiliken, Theater zu bauen, läßt Augustus, der weise Kaiser, sein Goldgeschirr einschmelzen, behält er von der ganzen Verlassenschaft der Ptolemäer nur eine murrhinische Vase, von dem Vermögen seines Vaters Octavius, von dem Erbe seines Oheims Cäsar, von der Niederlage des Antonius, von der Eroberung der Welt nur hundertundfünfzig Millionen Sestertien, – dreißig Millionen Franken; für sie stellt er die Via Flaminia bis Rimini wieder her, für sie beruft er aus Griechenland Possenreißer und Philosophen, aus Cadix Tänzer und Tänzerinnen, aus Gallien und Germanien Gladiatoren, aus Afrika Boas, Flußpferde, Giraffen, Tiger, Elephanten und Löwen. Zu ihnen endlich sagt er sterbend: »Seid Ihr zufrieden mit mir, Römer? Habe ich meine Kaiserrolle gut gespielt? . . . Ja. . . . So klatscht Beifall!«

So waren die Via Appia, Rom und die Römer zur Zeit von Augustus beschaffen. – Doch in der Epoche, zu der wir gelangt sind, nämlich am grünen Donnerstage des Jahres 1469, hatten sich die Dinge und die Menschen sehr verändert! Die Kaiser waren verschwunden gerade durch den Schwindel des Kaiserreichs: der römische Coloß, der mit seiner riesigen Basis ein Drittel der bekannten Welt bedeckte, war eingestürzt, trotz seiner Ringmauer von Aurelian war Rom von Jedem eingenommen worden, der es hatte einnehmen wollen, von Alarich, von Genserich, von Odoacer, und es hatte die Barbaren, beständig Trümmer auf Trümmer häufend, um zwanzig Fuß die Oberfläche seines Bodens erhöhen sehen. Verwüstet, ausgeplündert, ausgeleert, war es endlich mit seinem Herzogthum, dem Papst Stephan II, von Pipin dem Kleinen geschenkt worden, welche Schenkung Karl der Große später bestätigte. So lange demüthig und flüchtig hatte das Kreuz, nun ebenfalls stolz und erobernd, nach und nach das Pantheon von Agrippa, die Antoniussäule und die Firste des Capitols gekrönt. Vom Giebel der Basilica des heiligen Peter hatte die geistliche Macht der Kirchenfürsten ihren Flug über das Weltall genommen; sie breitete sich im Norden bis nach Island, im Süden bis zur Meerenge von Gibraltar, im Osten bis zum Sinai, im Westen bis zum äußersten Vorgebirge Britanniens, dieses Hintertheils des europäischen Schiffes aus, an welchem sich die Wellen des atlantischen Meeres, fortgetrieben durch die Wellen Oceaniens, welche wiederum die Wellen des indischen Meeres antreiben, beständig brechen; doch die weltliche Gewalt der Päpste bricht sich in Rom eingeschlossen, das ihm Fuß für Fuß die furchtbaren Condottieri des Mittelalters streitig machen, an dem Theater des Marcellus und weicht vor dem Triumphbogen von Trajan zurück.

Gerade aber an diesem Triumphbogen des Trajan fängt die Via Appia an.

Was ist indessen unter allen diesen Revolutionen des Kaiserreichs, unter allen diesen Einfällen der Barbaren, unter dieser Verwandlung des Menschengeschlechts aus der großen Appia, der Königin der Straßen, dem Zugange zu den elysäischen Feldern geworden? Und warum stößt sie besonders eine so große Angst ein, daß die erschrockenen Bevölkerungen sich von ihr abwenden und einen Weg durch die Ebene schaffen, um nicht ihrem Lavapflaster zu folgen und die doppelte Linie ihrer einsinkenden Gräber zu vermeiden?

Wie die Raubvögel, Adler, Geier, Falken, Weihen, Habichte haben sich Raubmenschen, – die Frangipani, die Gaëtani, die Orsini, die Colonna und die Savelli, – der verfallenen Gräber bemächtigt, Festungen daraus gemacht und auf der Spitze ihre Banner, nicht Ritterbanner, sondern Räuber- und Banditenbanner aufgepflanzt.

Und dennoch, – eine seltsame Erscheinung, welche selbst die Soldaten, die auf der Torre Fiscale wachen und denen es in Betracht der Feierlichkeit des Tages verboten ist, einen Ausfall in die Ebene zu machen, nicht begreifen können, – indeß die anderen Pilger sich fortwährend mit derselben Sorgfalt von der antiken Straße entfernt halten, schreitet ein Mann allein, zu Fuß, ohne Waffen, auf diese Torre Fiscale, den Vorposten der langen Reihe von Festungen, zu, ohne sich von seinem Wege abbringen zu lassen.

Die Soldaten schauen sich erstaunt an und fragen einander:

»Woher kommt dieser Mann? . . . Wohin geht er? . . . Was will er?«

Dann fügen sie lachend und mit einer drohenden Miene den Kopf schüttelnd bei:

»Er ist sicherlich ein Narr!« . . .

Woher dieser Mann kommt, werden wir sogleich sagen; wohin er geht, werden wir bald sehen; was er will, werden wir später erfahren.

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