Читать бесплатно книгу «Der Wolfsführer» Александра Дюма полностью онлайн — MyBook


»Kreuz Donnerwetter!« rief Thibault, »der liebe Gott muß heute ganz taub sein. Nun wohl, so mag denn der Teufel seine Ohren aufthun und mich erhören. In Gottes oder der; Teufels Namen will und muß ich Dich haben, verwünschtes Thier!«

»Thibault hatte diese doppelte Gotteslästerung noch nicht vollendet, als der Damhirsch umkehrte, zum vierten Mal an ihm vorbeirannte und im Gebüsche verschwand.

Dieses letzte Vorüberkommen ging so schnell und so unerwartet vor sich, daß Thibault nicht einmal Zeit hatte, seinen Spieß aufzuheben.

In diesem Augenblick kam ihm das Hundegebell so nahe, daß er es für unklug gehalten hätte, die Verfolgung fortzusetzen.

Er schaute um sich, und als er eine dichtbelaubte Eiche erblickte, warf er seinen Spieß in ein Gebüsch, kletterte auf den Baum und versteckte sich hinter seinem Laubwerk.

Er dachte mit Recht, daß, nachdem der Damhirsch seine Flucht von Neuem begonnen hatte, die Jagd und die Jäger nur eilends an ihm vorüberkommen und dann die Fährte des Thieres weiter verfolgen würden.

Die Hunde hatten trotz aller Ränke und Wechsel des Damhirsches seine Spur nicht verloren.

Thibault stand noch keine fünf Minuten hinter seinem Baum, als er zuerst die Hunde, dann den Baron Jean, der sich trotz seiner fünfundfünfzig Jahre an der Spitze des Jagdzuges behauptete, wie wenn er erst zwanzig gezählt hätte, ankommen sah.

Nur war der edle Herr Jean in einer Wuth, an deren Schilderung wir uns nicht versuchen wollen!

Vier Stunden mit einem elenden Damhirsch verlieren und ihn immer noch nicht erwischen!

So Etwas war ihm seiner Lebtage noch nie zugestoßen.

Er schimpfte seine Leute aus, er peitschte seine Hunde, und sein Pferd hatte er dermaßen mit den Sporen bearbeitet, daß das aus seinem Bauch fließende Blut dem dicken Koth, der auf seinen Gamaschen lag, eine röthliche Färbung gab.

Als jedoch die Jagd auf der Ourcqbrücke ankam, war dem Baron wenigstens eine kurze Genugthuung zu Theil geworden: die Meute hatte mit solcher Verständnißinnigkeit die Fährte aufgenommen, daß der Baron alle seine Hunde zusammen mit seinem Mantel hätte bedecken können, als sie über die Brücke sprangen.

In diesem Augenblick war Herr Jean so vergnügt, daß er nicht bloß ein lustiges Liedchen trillerte, sondern auch sein Jagdhorn herab nahm und aus vollem Hals zu blasen anfing, was er nur bei außerordentlichen Veranlassungen that.

Aber unglücklicher Weise sollte die Freude des Herrn Jean nicht lange währen.

Just unter dem Baum, auf welchen Thibault hinaufgeklettert war, in demselben Augenblicke, wo die Hunde alle zusammen lauter anschlugen und ein Concert veranstalteten, das die Ohren des Barons immer mehr Weite, wurde die ganze Meute aus einmal wieder lautlos, und Alles schwieg wie behext.

Jetzt stieg Markotte aus Befehl seines Herrn vom Pferd und suchte der Sache auf den Grund zu kommen.

Die Hundejungen schloßen sich ihm an und unterstützten ihn in seinen Nachforschungen.

Man fand Nichts.

Aber Engoulevent, dem Alles daran lag, daß das von ihm selbst aufgetriebene Thier wieder in den Wurf kam, Engoulevent machte sich jetzt ebenfalls daran, zu suchen.

Alles suchte und schrie, um die Hunde anzufeuern, als man die Stimme des Barons donnergleich alle andern übertönen hörte.

»Tausend Teufel!« heulte er, »sind die Hunde denn in ein Loch gefallen, Markotte?«

»Nein, gnädiger Herr, sie sind da, aber: sie können nimmer schreien.«

»Nimmer schreien?« rief der Baron.

»Ich begreife es selbst nicht, gnädiger Herr, aber es ist so.«

»Nimmer schreien!« wiederholte der Baron; »nimmer schreien, hier im Wald, mitten im Wald, wo das Thier weder in einem Bach wechseln, noch auf einen Felsen klettern konnte. Du bist ein Narr, Markotte!«

»Ich ein Narr, gnädiger Herr?«

»Ja, Du ein Narr, so gewiß als Deine Hunde Schindmähren sind.«

Markotte ertrug die Schimpfreden, womit der Baron in den kritischen Augenblicken der Jagd seine ganze Umgebung so verschwenderisch zu bedenken pflegte, gewöhnlich mit einer wahrhaft bewundernswürdigen Geduld; daß man aber seine Hunde Schindmähren nennen konnte, das brachte ihn aus seiner gewöhnlichen Langmuth. Er richtete sich in seiner ganzen Höhe auf und sagte heftig:

»Wie so, gnädiger Herr? Meine Hunde Schindmähren? Hunde, die nach einer so wüthenden Hetzjagd, daß Euer bestes Pferd davon crepirt ist, einen alten Wolf zu Schanden gerissen haben? Meine Hunde Schindmähren.

»Ja, Markotte, ich sag’s noch einmal, Deine Hunde sind Schindmähren. Nur Schindmähren können von einer lumpigen Jagd von ein paar Stunden, von einer Jagd auf einen elenden Damhirsch so lendenlahm werden.«

»Gnädiger Herr,« versetzte Markotte mit einer zugleich würdevollen und schmerzlichen Erregung, »gnädiger Herr, schiebet alle Schuld auf mich, nennt mich einen Dummkopf, ein Vieh, einen Lümmel, einen Tölpel, einen Schöps; beschimpfet mich in meiner Person, in der Person meiner Frau, in der Person meiner Kinder, das ist mir Alles gleich; aber beleidigt mich nicht in meinen Verrichtungen als Oberrüdenknecht, beschimpfet Eure Hunde nicht, ich bitte Euch darum bei allen Diensten, die ich Euch je geleistet habe.«

»Aber wie erklärst Du ihr Schweigen? Sag’ mir nur das. Wie erklärst Du es? Ich will Dich ja ganz gerne anhören. Sprich nur.«

»Wie die Hunde die Spur verlieren konnten, das kann ich mir so wenig erklären, als Ihr selbst, gnädiger Herr; dieser verwünschte Damhirsch muß in die Wolken hinaufgeflogen oder in den Tiefen der Erde verschwunden sein.«

»Dummes Zeug!« sagte der Baron Jean, »als ob ein Damhirsch wie ein Kaninchen sich in die Erde eingraben oder wie ein Auerhahn aufstiegen könnte!«

»Gnädiger Herr, das alles ist recht schön gesagt. Aber wahr und gewiß ist, daß hier Zauberei dahinter steckt. So gewiß es in diesem Augenblick Tag ist, so gewiß haben meine Hunde ganz plötzlich und auf einmal alle Lust und Liebe verloren. Fragt nur unsere Leute, die mit mir bei ihnen waren. Sie schnüffeln seht nicht einmal mehr. Da liegen sie auf dem platten Bauch, wie Hirsche in der Ruhe. Kann das mit natürlichen Dingen zugehen?«

»Peitsche sie tüchtig durch!« rief der Baron; peitsche sie durch, daß die Haare davon fliegen; es gibt kein besseres Mittel, um den bösen Geist zu bannen.«

Der Baron Jean wollte eben hinzureiten, um die Teufelsbeschwörungen, die Markotte auf seinen Befehl an den armen Thieren vornahm, durch einige Peitschenhiebe zu fördern, als Engoulevent mit dem Hut in; der Hand herkam und schüchtern das Pferd des Barons zurückhielt.

»Gnädiger Herr,« sagte der Hundejunge, »ich glaube auf diesem Baum da einen Kuckuck entdeckt zu haben, der uns vielleicht nähere Aufschlüsse über Alles ertheilen könnte, was uns heute widerfahren ist.«

»Was zum Teufel schwatzt Du da von einem Kukuk, Du Affengesicht?« sagte der Baron Jean. »Wart, Schlingel, ich werde Dich lehren, wie man seinen Herrn foppt.«

Und der Baron erhob seine Peitsche.

Aber mit dem Stoicisrnus eines Lycurg hob Engoulevent seinen Arm als Schild über feinen Kopf und fuhr fort:

»Schlagt zu, wenn Ihr wollt, gnädiger Herr, aber dann schaut einmal diesen Baum an, und wenn Ew. Gnaden den Vogel gesehen haben wird, der da oben sitzt, so werdet Ihr mir eine Pistole geben und keinen Hieb.«

Und« der wackere Bursche deutete mit dem Finger auf die Eiche, wo Thibault eine Zuflucht gesucht hatte, als er die Jäger kommen hörte.

Er war von Ast zu Ast bis an den Gipfel hinauf geklettert. Herr Jean hielt sich die Hand über die Augen und bemerkte Thibault.

»Sonderbar!« sagte er. »Im Wald von Villers-Coterets graben sich die Damhirsche ein wie die Füchse, und die Menschen sitzen auf den Bäumen wie die Raben. Im Uebrigen,« fuhr der würdige Herr fort, »werden wir jetzt bald erfahren, an was wir uns zu halten haben.«

Dann hielt er seine Hand wie ein Rohr vor den Mund und rief hinauf:

»He, guter Freund, könnte man Dich nicht vielleicht auf ein paar Minuten sprechen?«

Aber Thibault blieb mäuschenstill.

»Gnädiger Herr,« sagte Engoulevent, »wenn Ihr vielleicht wünschet . . . «

Und er machte ein Zeichen daß er hinaufklettern wolle.

»Nein, nein,« sagte der Baron.

Und er begleitete diese Worte mit einer abwehrenden Handbewegung.

»He guter Freund,« rief der Baron, der Thibault noch immer nicht erkannte, »wirst Du mir gefälligst antworten oder nicht?«

Er machte eine kleine Pause.

»Ah, Du willst also nicht, wie es scheint; Du stellst Dich taub; wart ein wenig, ich will mein Sprachrohr holen.«

Und er streckte seine Hand gegen Markotte aus, der die Absicht seines Herrn bereits errathen hatte und ihm seinen Carabiner hinhielt. Der Baron legte auf Thibault an.

Um die Jäger zu täuschen, stellte sich dieser, als ob er dürres Holz bräche, und betrieb dieses scheinbare Geschäft mit solchem Eifer, daß er die Geberde des Herrn Jean nicht sah oder sie jedenfalls für eine bloße Drohung hielt und ihr die verdiente Wichtigkeit nicht beilegte.

Der Wolfsjäger wartete noch einige Zeit auf die verlangte Antwort; als sie aber nicht erfolgte, da ließ er knallen, und man hörte das Knacken eines Astes.

Der knackende Ast war derselbe, auf welchem Thibault saß.

Der feine Schütze hatte ihn zwischen dem Baumstamm und dem Fuß des Holzschuhmachers zerbrochen.

Seines Stützpunktes beraubt, rollte Thibault von Ast zu Ast hinab.

Glücklicher Weise war der Baum dicht belaubt und seine Aeste stark; dadurch wurde die Schnelligkeit des Falles gebrochen, und Thibault kam in seinem ricochettartigen Sturz zuletzt auf dem Boden an, ohne anderen Schaden genommen zu haben, als seine große Angst und einige unbedeutende Quetschungen an demjenigen Theil seines Körpers, der zuerst die Erde berührt hatte.

»Bei den Hörnern des Herrn Beelzebub!« rief der Baron Jean entzückt über seine eigene Geschicklichkeit, »das ist ja mein Spottvogel von heute früh. So, so, Du Schlingel, Du bist also mit der kurzen; Unterhaltung, die Du bereits mit meiner Peitsche gepflogen, nicht zufrieden, und willst sie deßhalb beim alten Trum wieder aufnehmen?«

»Was das betrifft, so kann ich das Gegentheil beschwören,« antwortete Thibault im Ton vollkommenster Aufrichtigkeit.

»Um so besser für Deine Haut, Bursche! Und jetzt sag’ mir einmal, was machtest Du da oben auf der Eiche.?«

»Gnädiger Herr,« antwortete Thibault, indem er auf einige kurze und krumme Reiser zeigte, die da und dort herumlagen, »da seht, daß ich bloß dürres Holz zu meiner Feuerung abgebrochen habe.«

»Ganz recht, Bursche.

Ader jetzt wirst Du uns wohl ohne lange Flausen berichten, was aus unserem Damhirsch geworden ist.«

»Ja, beim Teufel, er muß es wissen, denn er saß hoch genug, um alle seine Bewegungen beobachten zu können,« sagte Markotte.

»Gnädiger Herr,« antwortete Thibault, » ich schwöre Euch, daß ich gar nicht weiß, was Ihr mit diesem verwünschten Damhirsch sagen wollt.«

»Ei so wollt’ ich doch!« rief Markotte, hoch vergnügt, die üble Laune seines Herrn auf einen Andern ableiten zu können; »er hat ihn nicht gesehen, er hat das Thier nicht gesehen, er weiß gar nicht, was wir mit unserem verwünschten Damhirsch sagen wollen! Seht, gnädiger Herr, seht, an diesen Blättern hier erkennt man noch die Spitze des Thieres; dies ist der Maß, wo die Hunde stehen geblieben sind, und trotz dieser schönen Fährte können wir doch auf zehn, auf zwanzig, ja auf hundert Schritte keine Spur von dem Thiere mehr finden.«

»Hörst Du?« versetzte Herr Jean, indem er an die Rede seines Oberrüdenknechts anknüpfte, »Du warst da oben, der Damhirsch war zu Deinen Füßen. Zum Teufel, er muß im Vorbeikommen doch mehr Lärm gemacht haben als eine Maus, und es ist rein unmöglich, daß Du ihn nicht bemerkt haben solltest.«

»Er hat das Thier getödtet und in irgend einem Gebüsch versteckt,« sagte Markotte; »das ist so klar wie das liebe Tageslicht.«

»Ach, gnädiger Herr,« rief Thibault, der am allerbesten wußte, wie grundlos diese Beschuldigung des Oberrüdenknechts war, »gnädiger Herr, bei allen Heiligen im Paradies! Ich schwöre Euch, daß ich Euern Damhirsch nicht getödtet habe, ich schwöre es Euch beim Heil meiner armen Seele, und ich will auf der Stelle sterben, wenn ich ihn nur im mindesten geritzt habe. Auch hätte ich ihn ja nicht tödten können, ohne ihm irgend eine Wunde beizubringen, und aus dieser Wunde hätte Blut fließen müssen. Suchet selbst, Herr Oberrüdenknecht, und Ihr werdet keine Blutspur finden. Und mit was denn, lieber Gott! Wo ist denn meine Waffe? Gott sei Dank, ich habe keine andere Waffe als meine Hippe. Da seht selbst, gnädiger Herr.«

Unglücklicher Weise hatte Thibault kaum ausgeredet, als Meister Engoulevent, der seit einigen Augenblicken rings um den Baum herum gestreift hatte, wieder zum Vorschein kam, und zwar mit dem Spieß in der Hand, welchen Thibault in ein Gebüsch geworfen hatte, bevor er auf die Eiche geklettert war.

Er bot die Waffe dem Herrn Jean hin.

Engoulevent war offenbar der böse Engel Thibaults.

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