Читать бесплатно книгу «Der Schiffs-Capitain» Александра Дюма полностью онлайн — MyBook

Indessen hatten die Rollen gewechselt; jetzt war's der Brite, der Ungeduld zeigte und die amerikanische Fregatte, welche ruhig schien. Kaum waren die Fahrzeuge auf Schußweite, als eine Rauchwolke sich über die ganze Länge hin verbreitete, und ein Getöse, wie das Rollen des Donners ausbrach; die eisernen Boten aber, welche ausgesandt worden, den Rebellen den Tod zu geben, in ihrem Ungestüm schlecht berechnet, platzten an den Flanken der Fregatte. Uebrigens fuhr diese fort den Wind abzuschneiden, als ob sie nicht Antwort geben möge, und zwar so, daß sie dem Feind dadurch den Weg ersparte.

In diesem Augenblicke wendete sich der Kapitän zu einem nochmaligen raschen Ueberblick der Fregatte, und mit Verwunderung heftete sich ein Blick auf eine neue Person, die diesen erhabenen und schrecklichen Auftritt zu ihrem Aufenthalte in dieser Scene gewählt hatte.

Es war ein Jüngling zweiundzwanzig bis dreiundzwanzig Jahren, mit sanftem, blassen Gesicht, einfach aber elegant gekleidet, und welchen der Kapitän noch nicht an einem Bord kannte; er lehnte am Besanmast, mit in einander geschlagenen Armen, und sah mit schwermüthiger Gleichgültigkeit nach dem englischen Schiffe, daß sich mit vollen Segeln nahte. Ueber diese Ruhe in einem solchen Augenblick, und bei einem Menschen, der dem Waffendienst fremd schien, erstaunte der Kapitän; er erinnerte sich an den Gefangenen, den der Graf von Auray gemeldet, und in der letzten Nacht, die er in Port-Louis vor Anker lag, an seinen Bord hatte bringen lassen.

»Wer hat ihnen erlaubt, aufs Verdeck zu kommen, Herr?« fragte er so sanft als möglich, so daß man nicht mußte, ob seine Worte eine Frage war oder ein Vorwurf.

»Niemand, mein Herr!« antwortete der Gefangene mit sanfter, trauriger Stimme; »allein ich dachte, sie würden bei einer solchen Gelegenheit die Ordre, die mich zu ihrem Gefangenen macht, weniger streng beobachten.«

»Haben sie vergessen, daß es ihnen unterlag ist, mit der Equipage zu verkehren?«

»Das ist auch nicht meine Absicht, ich will blos sehn ob keine Kugel für mich bestimmt ist.«

»Da können sie bald finden, was sie suchen, wenn sie an diesem Platze bleiben. Darum, glauben sie mir, Herr, bleiben sie im unteren Schiffsraume.«

»Ist das ein Rath oder ein Befehl, Herr Kapitän?«

»Nehmen sie es wie sie wollen!«

»Dann danke ich Ihnen, und bleibe!« versetzte der junge Mann.

Ein neuer Kanonenschuß ließ sich hören; jetzt aber waren beide Schiffe kaum dreiviertel Länge auseinander, und der Eisensturm fuhr durch das Takelwerk der Indianerin. Zwei Spieren fielen herab, und man vernahm das Geschrei und die unterdrückte Klage mehrerer von der Mannschaft, Der Kapitän hatte die Augen auf den Gefangenen in diesem Augenblicke geheftet; eine Kanonenkugel ging zwei Fuß hoch über seinem Kopfe hinweg, splitterte den Besanmast, an welchem erlehnte, und trotz diesem Todeswink, blieb er in derselben stillen, ruhigen Stellung, als wäre der Flügel des Würgengels nicht über ihm hingefahren. Der Kapitän verstand sich auf Muth; diese Probe war ihm hinreichend, den Mann zu beurtheilen, den er vor sich hatte.

»Gut, mein Herr!« sagte er zu ihm, »bleiben sie wo sie sind, und kommt's zum Entern und sie wären des Zusehns müde, so nehmen sie einen Säbel oder ein Beil und helfen uns ein wenig. Vergeben sie, daß ich mich jetzt nicht weiter mit ihnen beschäftigen kann, aber ich habe anders zu thun. – Feuer, meine Herrn,« fuhr er fort, durchs Sprachrohr mitten durch die Batterien redend, – »Feuer!«

»Feuer!« antwortete wie ein Echo, der, an welchem die Ordre gerichtet war.

Augenblicklich bewegte sich die Indianerin vom Kiel bis zu den entferntesten Masten; eine furchtbare Salve ließ sich hören; eine Rauchwolke legte sich wie ein Schleier über das Steuerbord und zertheilte sich im Winde. Der Kapitän, auf der Wachbank stehend, wartete ungeduldig, bis sie zerstreut war, um die Wirkung zu sehn, die diese Ladung auf das feindliche Schiff gemacht hatte. Als er das Dunstgewölk durchschauen konnte, sah er, daß der große Mastgefallen war, der die hintere Takelage des Drako verwirrt und belastet hatte, und das übrige Takelwerk durchlöchert war.

»Gut, Kinder!« schrie er durchs Sprachrohr. Jetzt haben sie alle Hände voll zu thun, um uns eine Ladung zuzuschicken! Gebt Feuer! und jetzt geht ihm so nahe als möglich zu Gesicht!«

Die Matrosen beeilten sich, dieses Manoeuver auszuführen; das Schiff kehrte sein Vorderteil mit Anmuth herum, ohne, wie er vorhersah, vom Feinde daran gehindert zu werden. Dann erbebte die Fregatte von Neuem wie ein Vulkan und spie wie ein solcher Feuer und Flammen.

Diesmal hatten die Kanoniere die Ordre buchstäblich vollzogen. Die Stege, die starken und kleineren Taue waren abgeschnitten. Nur zwei Masten fanden noch; aber von allen Seiten von den Lumpen der Segel umflattert. Es schien, als sei dem Schiffe eine Havarie zugestoßen, die bedeutender war, als man in der Ferne unterscheiden konnte, denn die Ladung zögerte, und statt die Indianerin von vorn nach hinten zu nehmen, geschah es schräg. Allein sie war darum nur noch furchtbarer und ging gänzlich durch die Flanken übers Verdeck, zugleich das Schiff und die Equipage berührend; aber durch ein an Zauberei grenzendes Ohngefähr, hatte sie noch die drei Masten verschont. Nur einiges Seilwerk war durchschnitten, und das war nicht von Wichtigkeit und hinderte die Fortsetzung der Manoeuver nicht. Ein Blick reichte hin, den Kapitän zu unterrichten, daß er Menschen verloren hatte und die Verwüstung Fleisch, statt Holz getroffen habe. Freudig setzte er wieder das Sprachrohr an den Mund.

»Das Querholz Backbord!« rief er, »wir wollen sie auf dieser Seite angreifen. Zum Entern, ihr Enterer! – Ein Ladung noch, um das Verdeck zu ebnen, dann ersteigen wir es, wie eine Veste!«

Die feindliche Fregatte begriff das Manoeuver der Indianerin im Augenblicke und wollte eine gleiche Bewegung vornehmen; allein als sie im Begriffe war, es auszuführen, ließ sich an ihrem Bord ein fürchterliches Krachen hören, und der große Mast, von der letzten Ladung der Indianerin halb zerschnitten, wankte einen Augenblick wie ein entwurzelter Baum, dann fiel er auf die Vorderseite und erfüllte das Verdeck mit seinen Segeln und Takelwerk. Paul sah ein, was die Abfeuerung der Geschütze vollzogen hatte.

»Jetzt, Kinder, habt ihr es,« rief er, »als wär' es umsonst; ihr dürft nur nehmen! Noch eine solche Ladung in Pistolenschußweite und zum Entern!«

Die Indianerin gehorchte, wie ein wohl zugerittenes Roß, und ging auf den Feind los, ohne Widerstand, dessen einziges Hilfsmittel nun in einem Kampf Mann gegen Mann bestand, denn da er nicht mehr manoeuvrieren konnte, wurden seine Kanonen überflüssig. Der Drako befand sich also in den Händen seiner Gegner, die, wenn sie sich in der Entfernung gehalten hätten, ihn so lange beschießen konnten, bis er ins Meer sank, die aber, eine solche Gattung des Sieges verachtend, ihm die letzte Ladung auf fünfzig Schritt zuschickten. Dann, als sie den Erfolg gesehen hatten, gingen sie auf ihn los, und die Fregatte warf ihre Segelstangen in die ihres Feindes und warf die Enterhaken aus. Sogleich leuchteten die Marsegel und Vordertheile der Indianerin wie Tarusbäume bei einem Freudenfeuer; glühende Granaten fielen auf den Bord des Drako, schnell und unaufhörlich wie Hagel. Dem Donner der Kanonen folgte das Geprassel des Gewehrfeuers, und mitten in diesem Höllenlärme ließ sich eine Stimme hören, wie die eines übermenschlichen Wesens:

»Muth! Kinder, Muth! hackt das Bugspriet an seinem Hinterdecke ab! Gut! befestigt sie an einander, wie den Verdammten an den Galgen! Feuer! die letzten Caronaden vor!«

Alle diese Befehle wurden wie durch Zauberei ausgerichtet: die beiden Fahrzeuge lagen wie durch Eisenbande an einander geschmiedet; die beiden Geschütze, die noch nicht gebraucht worden waren, fingen an zu dröhnen und kehrten das feindliche Verdeck durch einen Flug von Eisen. Dann erklang der furchtbare Schrei: »Geentert!«

Und das Beispiel zur Vorschrift fügend, warf der Kapitän Paul das Sprachrohr von sich, da es jetzt überflüssig ward, hestelte seinen Helm unter dem Halse zu, nahm den Säbel, den er am Gürtel trug, zwischen die Zähne und schwang sich auf das Bugspriet, um auf das feindliche Hinterdeck zu springen. Allein, wiewohl der Befehl, den er gegeben hatte, so schnell ausgeführt worden war, als der Donner auf den Blitz folgt, so war er doch nur der Zweite auf dem Verdecke des britischen Schiffes: der Erste darauf war der junge Gefangene, der seinen Rock von sich geworfen hatte, und nur mit einem Enterbeile bewaffnet, vor Allen dem Tode entgegen ging.

»Herr! die Disciplin an meinem Borde ist ihnen wohl nicht bekannt?« lachte Paul; »ich muß der Erste sein auf dem Schiffe, das ich entern will. Diesmal vergebe ich ihnen; aber daß sie mir nicht wiederkommen!«

Jetzt drangen die Matrosen der Indianerin, so wie sie es vermochten, überall und auf allen Seiten aufs Verdeck und fielen wie reife Früchte, wenn sie der Wind von Baume schüttelt, auf dasselbe. Die Engländer, die sich aufs Vorderdeck zurückgezogen hatten, demaskierten jetzt eine Caronade, die sie in Sicherheit brachten. Ein Wolkenbruch von Feuer und Flammen fuhr mitten unter die Belagerer. Verstümmelt fiel die Hälfte von Pauls Equipage auf das feindliche Deck, unter Geschrei und Fluchen . . . Allein stärker als lästernde Stimmen, erhob sich eine, die über Alles schallte:

»Vorwärts, Alles was lebt!«

Nun entstand ein Auftritt der schrecklichsten Verwirrung, ein allgemeiner Zweikampf: auf den furchtbaren Lärm des Geschützes und der Gewehre folgte die bloße Waffe, schweigend, sichrer, besonders bei Seeleuten, die sich diese Riesenwaffen seit zwei Jahrhunderten, da sie von den Schlachtfeldern verbannt sind, zugeeignet haben. Mit Äxten spalten sie sich die Köpfe; mit Messern öffnen sie sich die Brust; mit breiten eisernen Lanzen nageln sie sich an die Trümmer der Maste. Von Zeit zu Zeit fällt ein Pistolenschuß in diese Metzelei, aber isoliert und wie darüber beschämt, sich in ein solches Schlachten zu mischen. Das gegenwärtige dauerte in der unbeschreiblichsten Verwirrung etwa eine Viertelstunde; dann senkte sich Englands Flagge, und die Matrosen des Drako stürzten sich durch die Oeffnungen der Batterien in den untern Schiffsraum; auf dem Verdecke blieb Niemand als die Sieger, die Verwundeten und Todten, in deren Mitte aber stand der Kapitän der Indianerin, von seiner Equipage um geben, den Fuß auf der Brust des feindlichen Commandeurs, zu einer Rechten den Lieutenant Walter, zur Linken den jungen Gefangenen, dessen Hemd starr war vom Blute und seine Theilnahme an dem Siege bezeigte.

»Jetzt ist. Alles vorüber!« sprach Paul, den Arm ausstreckend, »und wer noch einen Schlag thut, hat es mit mir zu thun!«

Dann reichte er dem jungen Gefangenen die Hand. »Herr,« sagte er, »diesen Abend werden sie mir ihre Geschichte zum Besten geben, nicht wahr? Denn dahinter steckt eine niederträchtige Kabale: man deportiert nur Verbrecher nach Cayenne, und sie, der sie so brav sind, können keiner sein!«

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